Vorbild Österreich?

Kakanien Juli 3rd, 2008

Wenn Österreich als Vorreiter für die Entwicklung des alten Europas gelten kann, dann kann man nur sagen: “Verkauft’s mei Gwaund, i fohr in Himme!” (Verkauft meine Kleidung, ich gehe ins Paradies ein. Übersetzung vom Autor.)

Bekanntlich hat sich die “Sozialdemokratische” Partei Österreichs von ihren Grundsätzen seit langem entfernt. In den letzten Tagen deutlicher als sonst, indem ihre Anführer - selbstverständlich ohne Parteibeschlüsse, man lebt in der Monarchie -  einen Brief an das Medienmonopol Kronen Zeitung schrieben.

Darin krochen sie vor einer Boulevardzeitung zu Kreuze, die in den letzten Wochen gegen die EU (und immer wieder gegen Ausländer) hetzte. Weil man im Gegensatz zum italienischen Premier Berlusconi keine Medien hat,  muss man sich einem greisen Eigentümer unterwerfen.

Die SPÖ werde in Zukunft - so heißt komischerweise auch eine Zeitschrift für Intellektuelle in der SPÖ, die aus Mangel an entsprechenden Menschen kaum gelesen wird - Volksabstimmungen zum Thema EU verlangen.

Lob für die “Aktion” des Kanzlers und seines Nachfolgers gibt es aus Polen und Tschechien, jenen Ländern, die wie Österreich am meisten von der EU profitiert haben und nun, nach Erhalt der Gaben, nichts vom Geschenk wissen wollen.

“Raus aus der EU” lautet die logische Folgerung. Zurück zum Schilling, zu den teuren Milchprodukten, zu Grenzbalken und den “Gastarbeitern”. Die werden sich hüten, hierher zu kommen und gleich weiter wandern. Vor allem, wenn sie gebildet sind.
Es ist ihnen nicht zu verdenken. Schon jetzt - also NOCH in der EU - wurde und wird ihnen das Leben nicht leicht gemacht.

Vorwärts, nicht vergessen!
Beim Hungern und beim Essen,
die ….
die ….
die ….

Da war doch noch ein Wort?
Egal. Nicht so wichtig.

Der Herr Karl lebe hoch!

Balkanien

Kakanien Juli 2nd, 2008

Nein, nicht Balkonien, Balkanien. Österreich wird demnächst in Balkanien umgewidmet werden, obwohl das beinahe eine Beleidigung des Ostens ist. Was sich im kleinen Alpenland abspielt, kann sich höchstens noch Berlusconi vorstellen.
Eine Zusammenfassung gefällig?

Beispiel 1:
Kanzler und zukünftiger Kanzler-Nachfolger schreiben gemeinsam einen Brief an das Zeitungsmonopol Kronen Zeitung. Sie versichern dem Herausgeber, einem Medienkaiser in fortgeschrittenem Alter (ca. 90), dass sie seine Kampagne gegen die EU zur Kenntnis genommen haben und daher für eine Volksabstimmung in Sachen EU sind.
Der geistig helle Greis freut sich - die Demokratie weint.

Beispiel 2:
Im Grunde will der Medienmonarch das Beste für sein Volk. So sagt er und wir wollen ihm das glauben, denn Widerrede ist sinnlos. Drei Millionen Leserinnen und Leser sind oberflächlich gesehen ein gutes Argument.
Und so veröffentlichte er nach dem Brief der Doppelkanzler ein Gespräch mit der Außenministerin. Seiner Meinung nach sei diese im Inneren - im Herzen, dem Magen, Darm oder wo auch immer - gegen die EU. Das habe er in einem trauten Dialog von ihr erfahren. Gerade erst.

Gegenbeispiel 1:
Die angesprochene Außenministerin machte etwas Ungewohntes: sie widersprach. Dem Kaiser der Medien. Dem Mann Dichand (so heißt der Eigentümer der Kronen Zeitung).
Ungeheuerlich! Wenn nicht tapfer.
Und eine solche Eigenschaft wird in diesem Land, das die Unterwürfigkeit zu höchster Perfektion gebracht hat, nicht gern gesehen. Sie habe mit dem Herrn D. vor ungefähr einem Jahr gesprochen und er habe ihr ein unanständiges Angebot gemacht.
Nein, kein sexuelles, so umnachtet ist der Herr nicht.
Ein politisches. Sie könne die Regierung retten, wenn sie, die Außenministerin, für eine Volksabstimmung sei.
Frau Plassnik - und diesen Namen sollten sich alle merken - hat dieses Angebot abgelehnt.
Bravo!
Immerhin, es gibt Widerstandskämpfer.
Eine Widerstandskämpferin, genau gesagt. Das ist eine Seltenheit in diesem Land. Dabei muss Frau Plassnik gar nicht riskieren erschossen zu werden.
Wenn selbst das als mutige Tat gesehen werden muss, kann die Welt sich vorstellen, wie gut der Gedanke der Demokratie in Balkanien verankert ist.

Alte Politik mit neuen Gesichtern

Kakanien Juli 1st, 2008

Eines muss man dem neuen Landeshauptmann Güntha zugute halten: er hat bei Wolfi Schüssel brav gelernt. Mit Elan hat er alle Konkurrentinnen bei Amtsantritt entfernt, nur den Bauernchef Steixner musste er - klar, wir sind in Tirol - halten.

Frau Zanon, die sich vorlaut zu Wort gemeldet hat, wird abgeschoben. Nein, nicht in den Kosovo, so hart ist selbst der Noch-Innenminister nicht, aber immerhin weit weg vom Machtzentrum. Frau Zanon ist nämlich sachlich und intelligent, so ein Mensch kann gefährlich werden.

Frau Hosp, die Ziehtochter des vorigen Landeshäuptlings, will in die Privatwirtschaft. Das ist nicht schlecht, denn als Politikerin trat sie ohnehin kaum in Erscheinung.

Der Landesrat für Bildung, Herr Koler, verschwindet in der Versenkung, schließlich war auch er ein Gefolgsmann von Herrn Staa.

Bleiben wird, neben Herrn Steixner, “der Hannes”, aber flott. Ein schlechtes Wortspiel, aber warum soll Kakanien nicht auf das Niveau der Politik sinken? Die schaut in Tirol derzeit so aus, dass persönliche Freund- und Feindschaften gehegt und gepflegt werden. Für das Land ein Fiasko, für die (wenigen) Damen und vielen Herren eine wahr Freude!

Und die Wählerinnen und Wähler?
Bloße Nebenerscheinungen.

Habemus Guntham!

Kakanien Juni 24th, 2008

Es ist so weit: Tirol ist gerettet. Der Güntha Platter - so nennen wir Tiroler ihn - is back to the woods. Die ORF-Moderatorin nannte ihn gestern noch immer “Herr Minister”, obwohl er ihr das “Güntha-Wort” angetragen hat, aber so sind sie halt, die gnädigsten Damen aus Wien.

Die Freude, endlich der “großen” Politik in Wien entronnen zu sein, stand dem Noch-Minister ins Gesicht geschrieben, er LÄCHELTE sogar. Das entspricht, aus dem Tirolerischen übersetzt, dem Freudentanz eines Derwisches.

Endlich ist Schluss mit mühsamen Übersetzungen ins allgemein verständliche Hochdeutsch, mit Videotrainings mit vorgefertigten Floskeln: der Güntha darf wieder so reden, dass ihn jeder Tiroler versteht. Auch der Fritzl, mit dem er sich gut versteht. Aber noch besser versteht er sich mit dem Hannes, dem Gschwendtner. Deshalb werden die beiden eine Koalition bilden und die SPÖ weiter Stimmen verlieren.

Was will man mehr? Aus Sicht des Günthas.

Noch dazu kann er an die Erfolge des Bayern Stoiber anknüpfen, mit dem ihn die mitreissende Rhethorik verbindet.

“Das was wir bereits berichteten”, meldete die TT (=Tiroler Tageszeitung) so euphorisch wie grammatikalisch falsch, aber wer wird in Zeiten wie diesen so kleinlich sein?

Kakanien jedenfalls nicht - es gratuliert dem zukünftigen Landeshauptmann herzlichst. Wer, wenn nicht er (copyright ÖVP) kann Tirol retten?

Eben. Viel Vergnügen zur Koalition der, nein, nicht Verlierer, sondern der Vernünftigen. Der Fritzl wird sich noch wundern, wozu die “neue” Regierung Tirols imstande ist.

Die Welt ist gerecht!

Kakanien Juni 22nd, 2008

Zumindest heute bei der Euro, der Fußball-EM. Italien spielt jenen hässlichen Fußball, für den es lange Zeit berühmt war: langweiliges Hin- und Hergeschiebe des Balls, nichts machen, immer auf einen Fehler der anderen warten - Passivität in Reinkultur. Wenn dieses Land nicht Weltmeister wäre, könnte man es mit Österreich vergleichen.

Nach langweiligen 120 Minuten steht es 0:0 - das Elfmeterschießen gewinnen die Italiener. Klarer Fall, die sind alt und erfahren.

Und dann sind sie nicht nur alt und erfahren, sondern auch geschlagen. Wie schön.

Das einzig Schlimme sind die drei Experten im ZDF, die nach dem Spiel “analysieren”. Das hat beinahe ORF-Niveau.

Sie sollten singen. Das können sie sicher besser.

Und übrigens:
natürlich ist das wieder eine Analogie zur Politik. Berlusconi hat verloren, Aznar gewonnen.

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