Archiv für die Kategorie 'Allgemein'

Wir rufen zurück!

Kakanien August 8th, 2008

Sie kennen diesen Satz? Dann sind Sie Kunde bei  dem Unternehmen, das “für seine Kunden Visionen umsetzt”. So heißt es zumindest auf der Homepage von Telesystem, auch unter Chello oder UPC bekannt.

Visionen hat das Unternehmen vielleicht, allerdings keinen Service, wenn man von angenehmen Stimmen absieht.

Wann immer ich im Servicecenter anrufe, melden sich freundliche Damen und Herren, sagen artig ihre Namen und beschwichtigen uns. Die Namen habe ich anfangs aufgeschrieben in der Hoffnung, immer denselben Menschen anrufen zu können.

Natürlich eine Wahnvorstellung naiver Kunden. In Wirklichkeit hält den Job wahrscheinlich niemand aus und so habe ich irgendwann aufgehört, die Namensliste aus dem Call-Center fortzuführen.

Die Gespräche laufen im Wesentlichen nach folgendem Muster ab:

  • Ruhig und gelassen hört man meine immer gleiche Beschwerde an.
  • Dann verweist man auf ein Problem des Kunden, also von mir, denn Telesystem erkenne keinen technischen Defekt, man könne alles online überprüfen.
  • Es folgen ein paar Tipps, wie das Problem des Kunden von ihm selbst gelöst werden könnte - PC anders programmieren, das TV-Gerät aus- und wieder einschalten.
  • Vielleicht Javascript deaktivieren - ein Rat, den jederman versteht und sofort in die Tat umsetzt.

Seltsamerweise bleiben die Probleme und man versucht es wieder im Call-Center - ein neuer Herr oder eine neue Damen gehen wie oben erwähnt vor.

Nach einigen Wochen glaube ich nicht mehr daran, dass ausschließlich ich der Fehler im System sei, vor allem, da immer neue, andere Tipps hinzukommen.

Einmal sogar etwas wie Selbstkritik: die deutschen TV-Sender können gerade nicht empfangen werden, weil die deutschen Senderanstalten das falsche Programm zum Empfang geliefert hätten. Also irgendwie sind doch wieder andere schuld.

Beim nächsten Anruf ist - ganz neu! - der Videorecorder die Ursache des Problems. Als ich ihn ausschalte und auch dieser Fehler keiner war, muss es das von Telesystem gelieferte Kasterl sein. Ich sollte einfach ins Kundenzentrum kommen und ein neues holen.

Warum nicht, man hat ja sonst nichts zu tun!

Irgendwann waren alle Möglichkeiten erschöpft, mir die Schuld an allen Problemen zuzuschieben, seither lautet die Auskunft am Ende jedes Anrufes:

Wir rufen zurück!

Mal sagt es Herr Hinz, mal sagt es Frau Kunz - jedenfalls wird garantiert niemals zurück gerufen.

Hier hilft nur rohe Gewalt, also eine Woche Urlaub mit permanenten Anrufen ins Call-Center, bis Sie alle dort sitzenden Menschen durchgeackert haben.

Wenn Sie Glück haben, kommt eines Tages ein erschöpfter Techniker zu Ihnen, der den Schaden erkennt und das sagt, was schon der Techniker beim Anschluss des Kabels sagte: das Signal ist zu gering, Telesystem muss einen Verstärker einbauen.

Ob er das mache?

Nein, dafür sei er nicht zuständig. Telesystem rufe zurück.

Das war vor einigen Tagen - ich habe meinen Urlaub erstmal verlängert.

Das Schweigen der Pädagogen

Kakanien August 4th, 2008

“Was wir gelernt haben, haben wir nicht wegen der Schule, sondern trotz der Schule gelernt.” So lautete Kurt Tucholskys Zusammenfassung seiner schulischen Laufbahn am Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Tucholsky war Deutscher und seine Meinung kann auf die gegenwärtige Situation in Österreich problemlos übertragen werden. Mit dem Unterschied, dass in Kakanien (=Österreich)  über Schule nicht diskutiert, sondern bloß gestritten wird.

In Abständen von Jahrzehnten erscheint immer wieder ein Buch, das österreichische Schulen als “Problemzone” behandelt. Das letzte hieß “Der talentierte Schüler und seine Feinde” und wurde von Andreas Salcher geschrieben. Der ist Betriebswirt und listet buchhalterisch viele Fehler unseres Schulsystems auf.

Ein nicht gerade innovatives Unterfangen, aber immerhin: die Medien berichteten und die Lehrer regten sich auf. Ein kleiner Adrenalinschub vor den Ferien tut immer gut, dann wird das Entspannen noch angenehmer. Das war’s dann auch und im nächsten Schuljahr geht’s im gewohnten Trott weiter.

Interessant ist die Tatsache, dass ein Betriebswirt über Pädagogik schreibt und zum Beispiel ein Jurist die Schule verändern will. Bernd Schilcher heißt er und versucht seit Jahrzehnten, eine Gesamtschule zu verwirklichen. Er war lange Jahre ÖVP-Politiker und wer diese Njet-Partei kennt weiß, was eine solche Position bedeutet.

Noch jeder Befürworter wurde dort im Laufe der Jahre zum Gegner der Gesamtschule, sonst wäre die politische Laufbahn beendet gewesen. Die Liste der Wendehälse beginnt bei Wolfgang Schüssel und endet bei Willi Molterer. Sie mutierten wie viele andere von engagierten Reformern zu parteihörigen “Bewahrern”

Was aber machen die Pädagogen?
Also jene Menschen, die an Universitäten das studieren, was irgendwie mit der Bildung der österreichischen Jugend zu tun hat?

Wer sind eigentlich diese Menschen? Haben sie einen Namen?
Was fällt ihnen zu Österreichs Schulen ein?
Wann protestieren sie gegen das Chaos an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten?
Wo sind die Stellungnahmen der Damen und Herren Professorinnen und Professoren?
Wie geht es ihnen überhaupt, da niemand etwas von ihnen bemerkt? Da sind die einfachen Lehrer ja häufiger in den Medien zu finden als sie!
Warum schweigen sie?

Oder sind sie nur mit sich selbst beschäftigt?
Gemäß dem Motto, das Charles Silberman vor vielen, vielen Jahren so beschrieb:
Wer seinen Beruf nicht kann, wird Lehrer. Und wer das auch nicht kann, Pädagoge.

Es reicht!

Kakanien Juli 8th, 2008

Da hat er recht, der Herr Vizekanzler, als er gestern auf gut neudeutsch Neuwahlen „as soon as possible“ verkündete.

Ich fürchte, er hat nicht wirklich verstanden, was den Wählerinnen und Wählern reicht. Denn Neuwahlen werden nichts Neues bringen außer einen tollen Gewinn für die FPÖ.

Dann wird die Suche nach Koalitionen beginnen und die Bonsaireform im Bildungswesen wieder in der Versenkung verschwinden. Das ist zumindest zu befürchten. Auf anderen Gebieten hat sich sowieso nichts getan außer der Fortführung der alten ÖVP-Politik.

Von dieser Politik haben alle genug, bloß noch nicht die nötige Konsequenz gezogen, nämlich diese ÖVP abzuwählen. Vor allem weil die Alternative, die SPÖ, seit Regierungsantritt eine Lachnummer gibt, die auf keiner Dorfbühne Erfolg hätte.

Die Grünen bleiben die einzige bürgerliche Konkurrenz mit einem Programm, das letztlich sozialdemokratisch und christlich geprägt ist. Leider sind sie im Erscheinungsbild eher grau als grün, auch wenn der Großteil der Bevölkerung sie für links hält, was jedenfalls falsch ist. Außer man hält Sachlichkeit schon für links.

FPÖ und BZÖ bleiben die alten Populisten, die gegen Islam und Ausländer hetzen oder niedrigere Benzinpreise verlangen. Als würden sich BP oder Shell an Petitionen halten. Und wer eine Senkung der Steuern verlangt, muss – außer er lügt bewusst – auch sagen, dass dann soziale Einrichtungen wie Schulen, Spitäler, öffentlicher Verkehr etc. reduziert werden müssen.

Das europäische Modell der „sozialen Marktwirtschaft“ bringt allen etwas. Missstände sollten verhindert werden. Eine simple Verringerung der Steuern aber tut das nicht. Auch wenn es vordergründig gut klingt. Politik ist nämlich kompliziert, wie das ein anderer Kurzzeitkanzler der SPÖ einmal klug gesagt hat. Und das haben die Populisten entweder nicht verstanden oder sie benutzen die Vereinfachung als Karotte vor dem Stimmenvolk.

Letzteres ist meistens der Fall.

Und zur Demokratie in Österreich ist es noch ein weiter Weg.

PS: Broukal tritt übrigens als Wissenschaftssprecher zurück – er wollte sich einen Rest an Selbstachtung bewahren, nachdem die SPÖ nicht einmal die Chance nützte, mit (vorhandener) Mehrheit die Studiengebühren abzuschaffen.
Das wäre nach dem offiziellen Ende der großen Koalition möglich gewesen. Die SPÖ-Spitzen empfanden das anscheinend „unanständig“. Und das nach dem anbiedernden „Leserbrief“ von Gusenbauer und Faymann an die Krone. Wahrscheinlich finden sie das anständiger als im demokratisch gewählten Parlament abstimmen zu lassen.

Neue Sprachen und Worte

Kakanien Juni 15th, 2008

Die EM ist nicht nur spannend, sie hat auch neue Erkenntnisse bereit. Etwa die Muttersprache der Bayern. Bisher hielt man es für eine Untergattung des Deutschen mit gutturalen Lauten - gö, Baci - , aber der bayrische Kaiser Franzi Beckenbauer belehrte alle, als er seinen Aufstellungstipp bekannt gab.

“Es wird die gleiche Aufstellung sein wie beim letzten Mal, weil, wie wir Bayern sage: never change a winning team!” (Übersetzung aus dem Bayrischen vom Autor.)

Die Bayern sprechen also ein unheimlich klingendes Englisch - kein Wunder, dass kaum jemand sie versteht. Wer kann schon Englisch?

Die österreichische Außenministerin spricht zwar kein bayrisches Englisch, dafür hatte sie bei der heutigen Pressestunde ein wunderbares Sprichwort in neuer Fassung parat. Als das irische Nein zur EU-Reform diskutiert wurde meinte sie:

“Man soll das Kind nicht mit dem Bad wegschütten.”

Genau. Womöglich bleibt es im Abfluss stecken.

Der Himmel über Innsbruck

Kakanien Juni 11th, 2008

Heute bewölkt und lärmig. Das eine liegt am Wetter, das andere an der EM - denn die Tiroler schützen seit Andreas Hofer alles, was ihnen am Herzen liegt. Okay, sie haben damals verloren, aber heute soll alles anders sein.

Seit Stunden dröhnt ein Hubschrauber über mir und beobachtet mich. Wahrscheinlich ist der Pilot ein Leser dieses Blogs und vermutet unter sich ein Terrornest.

Oder er beschützt den Innenminister, der bekanntlich von der “großen” Politik in Wien genug hat und sich als Kleinpolitiker verdingen will. Weil seine Partei grade mal 10 Prozentpunkte, also 20 Prozent seiner Stimmen verloren hat, ist aber eigentlich alles in Ordnung. Meint zumindest der amtierende Hauptmann und will, was alle Politiker wollen: bleiben.

Der “Rebell” Dinkhauser ist nicht mehr so streng und kann schon mit dem Herrn Platter reden - und bald vielleicht auch mit dem Herrn Staa. Schließlich ist der leutselige “Fritzl” Mitglied der ÖVP und gemeinsam zusammen haben sie 60 Prozent, das erinnert an die CSU in besseren Zeiten.

Aber was macht der Hubschrauber über meinem Kopf?

Er dröhnt. Vielleicht will er mir mitteilen, wie das demnächst sein wird, wenn der Innsbrucker Flughafen vergrößert wird.

Trotz Widerständen der Bürgerinnen und Bürger. Die Frau Bürgermeisterin - wie Herr Fritzl aus der ÖVP hervorgegangene “Rebellin” - will es so. Und der SP-Chef hört sowieso, laut einem Interview in der Parteizeitung (!) am liebsten, na, was wohl?

“Das Dröhnen schwerer Motoren.”

Tja, da haben es die Befürworter eines Lebens ohne Lärm schwer. Und leider keinen lebenden Andreas Hofer, der sich heutzutage einer vernünftigen Sache annehmen könnte: dem Kampf gegen Lärm etwa.

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