Archiv für die Kategorie 'Europasplitter'

Vorbild Bogotá

Kakanien August 1st, 2008

Heute einmal eine gute Nachricht aus einem Land der 3. Welt:
Die größten Probleme sind einfach zu lösen!

Das zeigte der Bürgermeister von Bogotá vor einem Jahrzehnt, als er die Luftverschmutzung kostengünstig verringerte.

Das Rezept: zu den Spitzenzeiten dürfen nur jene Autos gefahren werden, deren letzte Nummernziffer “gerade” ist, danach kommen die “ungeraden” dran.

Der Erfolg war durchschlagend! Später kamen eigene Spuren für Busse hinzu und autofreie Sonntage.

Kostet dem Staat nichts - und tut den Lungen aller gut.

So gut, dass auch Peking das Modell übernommen hat. Vorläufig nur bis zum Ende der Olympischen Spiele, aber immerhin.

Vor kurzem noch pinselten eifrige Funktionäre kahle Hänge mit grüner Farbe an, damit das Land “ökologisch” gesundete. Zumindest in den Augen der vorbeifahrenden Funtkionäre.

Und wie sieht das in der EU aus?
Na, liebe Leute, wär das nichts?
Endlich eine kluge Maßnahme, die nichts kostet und die Umwelt freut.
Oder sollen wir weiter hinter Bogotá und Peking hinterher hinken?

[Und ein Hinweis für den Tiroler Landeshauptmann, der seine Meinung zum Thema Steuerreform so schnell änderte wie sein Amt - statt plötzlich dafür zu sein, könnten Sie doch diese Nummernregelung in Tirol einführen. Ist viel billiger als die Sache mit der Steuer und erfordert von Ihnen nicht, den Kopf um 180 Grad zu drehen!]

Italien verstehen

Kakanien Juli 22nd, 2008

Seit acht Jahren, seit Beginn dieses Jahrtausends, beschäftigte sich Kakanien überwiegend mit Österreich, einem Land, das als Reinkarnation von Karl Valentin (leider ein Ausländer, aber irgendwie doch Österreicher) gelten kann.

Nun, da Österreich den Weg Irlands beschreiten will, ist es Zeit, sich der Minderheit Europa anzunehmen.
Zeit, nicht nur nach Norden, zu den seltsamen Bayern zu blicken, sondern auch nach Süden.

Dort lebt das Volk der Italiener und das ist mindestens so kakanisch wie Österreich.
Schon vor einigen Jahren kam es manchem seltsam vor, dass die EU über Österreich den “Stab brach”, während in Italien ein seltsamer Mensch namens Berlusconi regierte.
Das soll keine Entschuldigung für die christliche Partei Österreichs, die sich “Volkspartei” nennt und mit einem Politiker koalierte (Haider ist sein Name), der sich nur an Gesetze hielt, die seinem Geschichtsverständnis entsprachen.
[Aus diesem Grund gibt es bis heute keine zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten. Schließlich soll hier “deitsch” gesprochen werden. Natürlich in der Kärntner Form, die a bißale von da uaspringlichen obwaicht.]

Es soll hier auf die Verhältnismäßigkeit hingewiesen werden: in Österreich ein kleiner Landesfürst, der ein Bundesland namens Kärnten mit einigen Tausenden Menschen in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Chaos führt, dort ein Ministerpräsident, der das Gleiche mit einigen Millionen macht.

Zugegeben, ein rein quantitativer Unterschied - aber erweitert um einen qualitativen.
Im schönen Süden - von dem Goethe nur in Metaphern sprach (”Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?”) - geht es nämlich noch weniger zivilisiert zu als in Österreich.

Das mag unwahrscheinlich klingen, aber es entspricht der Wahrheit.
Wo sonst in Europa ist es “demokratische” Wirklichkeit, dass ein Politiker über die Medien herrscht?

Wo sonst in Europa werden Staatsanwälte und Richter als rote Terroristen beschimpft?
Wo sonst in Europa regiert ein Premierminister, der mehrfach angeklagt wurde und die Gesetze so ändern ließ, dass er nicht mehr verurteilt werden konnte?
Wo sonst sitzen 70 Parlamentarier, die vorbestraft sind?

Wer dieses wunderbare Land kennen lernen will, möge den erhellenden Artikel von Petra Reski in der Zeit lesen.

Selten wurde in wenigen Sätzen so genau beschrieben, warum dieses Land in aller Schönheit stirbt.

Oder ist auch das nur ein Wunschgedanke?
Nein, nicht dass dieses Land sterben sollte.
Aber dass in dieser Form ist es untragbar für alle Menschen, die an Demokratie und Gerechtigkeit glauben.

Oder ist die Idee der Demokratie längst tot?
Wer sich im alten Kakanien (= Österreich und seine alten Nachbarn wie Bayern) und im Süden umsieht, könnte das glauben.

Wer hätte je gedacht, dass Spanien - so lange ist der Diktator Franco nicht tot - als Vorreiter der Demokratie und Trennung zwischen reaktionärer katholischer Kirche und Staat gelten kann?
Ich nicht.
Ich wurde eines Besseren belehrt.

Oder bin ich bloß ein Unbelehrbarer, weil Demokratie iin manchen Staaten zu einem Werkzeug für Diktatoren wird?

Vorbild Österreich?

Kakanien Juli 3rd, 2008

Wenn Österreich als Vorreiter für die Entwicklung des alten Europas gelten kann, dann kann man nur sagen: “Verkauft’s mei Gwaund, i fohr in Himme!” (Verkauft meine Kleidung, ich gehe ins Paradies ein. Übersetzung vom Autor.)

Bekanntlich hat sich die “Sozialdemokratische” Partei Österreichs von ihren Grundsätzen seit langem entfernt. In den letzten Tagen deutlicher als sonst, indem ihre Anführer - selbstverständlich ohne Parteibeschlüsse, man lebt in der Monarchie -  einen Brief an das Medienmonopol Kronen Zeitung schrieben.

Darin krochen sie vor einer Boulevardzeitung zu Kreuze, die in den letzten Wochen gegen die EU (und immer wieder gegen Ausländer) hetzte. Weil man im Gegensatz zum italienischen Premier Berlusconi keine Medien hat,  muss man sich einem greisen Eigentümer unterwerfen.

Die SPÖ werde in Zukunft - so heißt komischerweise auch eine Zeitschrift für Intellektuelle in der SPÖ, die aus Mangel an entsprechenden Menschen kaum gelesen wird - Volksabstimmungen zum Thema EU verlangen.

Lob für die “Aktion” des Kanzlers und seines Nachfolgers gibt es aus Polen und Tschechien, jenen Ländern, die wie Österreich am meisten von der EU profitiert haben und nun, nach Erhalt der Gaben, nichts vom Geschenk wissen wollen.

“Raus aus der EU” lautet die logische Folgerung. Zurück zum Schilling, zu den teuren Milchprodukten, zu Grenzbalken und den “Gastarbeitern”. Die werden sich hüten, hierher zu kommen und gleich weiter wandern. Vor allem, wenn sie gebildet sind.
Es ist ihnen nicht zu verdenken. Schon jetzt - also NOCH in der EU - wurde und wird ihnen das Leben nicht leicht gemacht.

Vorwärts, nicht vergessen!
Beim Hungern und beim Essen,
die ….
die ….
die ….

Da war doch noch ein Wort?
Egal. Nicht so wichtig.

Der Herr Karl lebe hoch!

Balkanien

Kakanien Juli 2nd, 2008

Nein, nicht Balkonien, Balkanien. Österreich wird demnächst in Balkanien umgewidmet werden, obwohl das beinahe eine Beleidigung des Ostens ist. Was sich im kleinen Alpenland abspielt, kann sich höchstens noch Berlusconi vorstellen.
Eine Zusammenfassung gefällig?

Beispiel 1:
Kanzler und zukünftiger Kanzler-Nachfolger schreiben gemeinsam einen Brief an das Zeitungsmonopol Kronen Zeitung. Sie versichern dem Herausgeber, einem Medienkaiser in fortgeschrittenem Alter (ca. 90), dass sie seine Kampagne gegen die EU zur Kenntnis genommen haben und daher für eine Volksabstimmung in Sachen EU sind.
Der geistig helle Greis freut sich - die Demokratie weint.

Beispiel 2:
Im Grunde will der Medienmonarch das Beste für sein Volk. So sagt er und wir wollen ihm das glauben, denn Widerrede ist sinnlos. Drei Millionen Leserinnen und Leser sind oberflächlich gesehen ein gutes Argument.
Und so veröffentlichte er nach dem Brief der Doppelkanzler ein Gespräch mit der Außenministerin. Seiner Meinung nach sei diese im Inneren - im Herzen, dem Magen, Darm oder wo auch immer - gegen die EU. Das habe er in einem trauten Dialog von ihr erfahren. Gerade erst.

Gegenbeispiel 1:
Die angesprochene Außenministerin machte etwas Ungewohntes: sie widersprach. Dem Kaiser der Medien. Dem Mann Dichand (so heißt der Eigentümer der Kronen Zeitung).
Ungeheuerlich! Wenn nicht tapfer.
Und eine solche Eigenschaft wird in diesem Land, das die Unterwürfigkeit zu höchster Perfektion gebracht hat, nicht gern gesehen. Sie habe mit dem Herrn D. vor ungefähr einem Jahr gesprochen und er habe ihr ein unanständiges Angebot gemacht.
Nein, kein sexuelles, so umnachtet ist der Herr nicht.
Ein politisches. Sie könne die Regierung retten, wenn sie, die Außenministerin, für eine Volksabstimmung sei.
Frau Plassnik - und diesen Namen sollten sich alle merken - hat dieses Angebot abgelehnt.
Bravo!
Immerhin, es gibt Widerstandskämpfer.
Eine Widerstandskämpferin, genau gesagt. Das ist eine Seltenheit in diesem Land. Dabei muss Frau Plassnik gar nicht riskieren erschossen zu werden.
Wenn selbst das als mutige Tat gesehen werden muss, kann die Welt sich vorstellen, wie gut der Gedanke der Demokratie in Balkanien verankert ist.

Die Welt ist gerecht!

Kakanien Juni 22nd, 2008

Zumindest heute bei der Euro, der Fußball-EM. Italien spielt jenen hässlichen Fußball, für den es lange Zeit berühmt war: langweiliges Hin- und Hergeschiebe des Balls, nichts machen, immer auf einen Fehler der anderen warten - Passivität in Reinkultur. Wenn dieses Land nicht Weltmeister wäre, könnte man es mit Österreich vergleichen.

Nach langweiligen 120 Minuten steht es 0:0 - das Elfmeterschießen gewinnen die Italiener. Klarer Fall, die sind alt und erfahren.

Und dann sind sie nicht nur alt und erfahren, sondern auch geschlagen. Wie schön.

Das einzig Schlimme sind die drei Experten im ZDF, die nach dem Spiel “analysieren”. Das hat beinahe ORF-Niveau.

Sie sollten singen. Das können sie sicher besser.

Und übrigens:
natürlich ist das wieder eine Analogie zur Politik. Berlusconi hat verloren, Aznar gewonnen.

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