Archiv für die Kategorie 'Österreichsplitter'

Österreich wird Kärnten!

Kakanien August 29th, 2008

Haider gegen Strache versprach Brutalität - und war zum Einschlafen. Von Jörgl (Haider) gegen Pater Willi (Molterer) war noch weniger zu erwarten.

Der ORF hat sich für die Zeit bis zu den Nationalratswahlen etwas ganz, ganz Tolles einfallen lassen:
Jeder gegen jeden, schließlich spielen Frauen in diesem Wahlkampf keine Rolle. Nicht mitspielen dürfen komischerweise alle Parteien, die zum ersten Mal antreteten.

Demokratieverständnis des Senders, der von allen bezahlt werden muss, die einen Radioapparat oder ein Fernsehgerät in der Wohnung haben.

Bleiben wir konzentriert, auch wenn das in Vorwahlzeiten schwierig ist.

Damit nach den langweiligen Diskussionen auch der einfache Mensch weiß, welche Meinung er haben soll, kommen nach dem verbalen Boxkampf zwei Experten zu Wort. Die sind sexuell ausgewogen, eine Frau und ein Mann, Frau Karmasin die Zweite und Herr Filzmaier, der Erste.

Die Sportredaktion hat’s mit einem Mann vorgemacht, dort analysierte bekanntlich unser Herberti (Prohaska) jedes Spiel und, ehrlich gesagt: wenn er die Politik analysieren würde, wär’s spannender als bei dem Expertenpaar Karmasin-Filzmaier.

Das spricht über die Politiker so allgemein und wischiwaschimäßig wie der gesamte ORF - niemand weiß, wie die Wahlen ausgehen und Vorsicht ist die Mutter jedes neuen Auftrages und jeder Anstellung. Und so ergehen sich die Experten in Stehsätze mit Wörtern wie “angriffig”, “zurückhaltend”, “zielgruppenorientiert”. Alles klingt als würde der Opernexperte, dessen Name mir aus geistiger Notwehr immer entfällt, von irgendwelchen Premieren berichten. Auch bei ihm geben sich alle immer irgendwie “tief ergreifend” oder “bravorös” oder “in der Rolle aufgehend”.

Was man halt so sagt, wenn einem gar nichts einfällt.

Viel wusste auch “Bruder Willi” nicht zu sagen, denn “unser Jörgl” befindet sich derzeit in schauspielerischer Hochform.

Österreich soll Kärnten werden, weil dort die soziale Wärme zu Hause ist. Und die Schulden, aber die sind kein Problem. Damit ist er mit vielen Wirtschaftsexperten einer Meinung, aber nicht mit dem christlichen Willi.
Der hat vom Wolfi gelernt, dass alle sparen müssen - wie der Karli-Heinz das vorgemacht hat. Nicht bei sich selbst natürlich, sondern bei den anderen.

Und so soll es bleiben! Das war die Botschaft von “Bruder Willi”, der ein bisschen wie die Maus aussah, die sich vor der Schlange fürchtet.

Dabei war “unser Jörgl” die Freundlichkeit in Person - und eine Koalition miteinander können sich die beiden Herren gut vorstellen.

Unter dem Bundeskanzler Jörg Haider.

GZÖ – juchhö!

Kakanien August 21st, 2008

Nein, nicht BZÖ, sondern GZÖ: das Geriatrische Zentrum Österreich lässt sich wählen.
Unter dem Motto „Trau niemandem unter 50, außer er verhält sich wie ein 70-jähriger“ treten altbekannte Politikerinnen und Politiker zur Wahl an.

Weil die alten Großparteien ständig streiten, möchten auch die in der Versenkung Verschwundenen wieder zurück in den Ring. Das BZÖ liefert als „Überraschungsgag“ den guten alten Jörgl, der einstens für die FPÖ stritt. Nun hat er der alten FPÖ den frischen Ewald Stadler abgeworben, der vor kurzem den Jörgl eine „politische Leiche“ nannte. Der Ewald fand bisher in der FPÖ die ewige Heimat seines Gedankengutes, nun ist alles anders und der Jörgl einfach super.

So ändern sich die Zeiten! Von der Leiche zum Superman – da ist der Phönix aus der Asche ein Lercherlschas, wie die Wiener sagen.

BZÖ gegen FPÖ – das ist Brutalität! Da muss der humoris causa Strache seine blauen Augen noch blauer färben, um gegen das Original aus Kärnten anzukommen.

Die SPÖ wiederum hat eine ganz „neue Wahl“ im Angebot, wie es auf den Plakaten heißt: Werner Faymann, der bekanntlich nicht der Sohn von Hans Dichand ist. Das hat Herr Dichand selbst gesagt, also muss es stimmen. Dieses Schicksal teilt Werner Faymann wahrscheinlich mit einigen Millionen anderer Österreicher, zum Beispiel mit mir. Ich bin nicht einmal Dichands Schwiegersohn! Das liegt vor allem daran, dass Herr Dichand keine Tochter hat. Glaube ich zumindest.

Die ÖVP tritt mit ihrem „shooting star” Willi an, der von Ex-Kanzler Wolfi aber schon überhaupt nicht beeinflusst wird! Das muss endlich gesagt werden, weil es sonst niemand merkt.

Dann hätten wir noch das LIF mit Heide Schmidt, die sich ebenfalls in die Schlacht wirft und dafür sogar Frau Schaffenrath aufbietet, eine mindestens so neue Kraft wie der knapp über 60-jährige Dinkhauser, der einfach unter seinem Namen antritt. Damit spart er sich ein Programm, aber wozu soll das gut sein? Schließlich haben die anderen eines, richten sich aber nicht danach. Dann lieber gar keines.

Und schließlich die Grünen, die als einzige konservative Kraft auftreten. Die streiten nicht, blockieren nicht und fallen auch nicht um. Sagen zumindest ihre Plakate. Die Frage ist nur: wie passt das alles zusammen?

Mit anderen Worten: keine Wahl bei der Wahl. Nur Qual.

Widerlich

Kakanien August 6th, 2008

Ein Funktionär des ÖOC zeigte heute symptomatisch, warum dieses Österreich zum Auswanderungsland wird. Die Tennisspielerin Tamira Paszekhat zwar die Nummer 1 der Welt geschlagen, darf aber nicht zu den Olympischen Spielen fahren. Sie hat das Limit des ÖOC nicht erreicht, da nützt auch eine Intervention des internationalen Tennisverbands nichts, der sich für den Einsatz von Paszek engagierte.

Wo kämen wir hin, wenn andere, Fremde also, sich bei uns einmischten! Das haben wir Kleinkarierten nicht gern, das war schon bei der Wahl des Bundespräsidenten Waldheim so.

Die 17-jährige Tennisspielerin aus Vorarlberg denkt an einen Wechsel ihrer Staatszugehörigkeit, aber das berührt die österreichische “Elite” nicht. Schließlich hat es jede kleine Leuchte gerne, wenn keine große in der Nähe ist.

Und so erklärte der Funktionär im TV mit süffisantem Grinsen, dass Österreich ein freies Land sei und jede ziehen lasse, die aufmucke.

Auch jeden übrigens, wie zum Beispiel den Gentechniker Erwin Wagner. Der übersiedelt nach Spanien, weil dort kluge Köpfe willkommen sind. Nachzulesen in der Zeit, österreichische Medien berichten über solche Zwischenfälle kaum, sie sind mit “wichtigen” Dingen beschäftigt, etwa wer Kandidat der Kleinpartei BZÖ wird.

Österreich setzt auf seine Tradition, die es seit dem 2. Weltkrieg tapfer aufrecht erhält - schon damals fragte bei den jüdischen Emigranten niemand nach, ob sie in ihre Heimat zurückkehren wollten. Sie hätten hier wohl nur gestört.

Westi vulgo Hojac

Kakanien August 2nd, 2008

Es wächst zusammen, was zusammen gehört, sagte ein deutscher Politiker einstens, als Westdeutschland den fremden Nachbarn Ostdeutschland schluckte. Damals waren sie noch nett zu einander und nannten das “Wiedervereinigung”.

Österreich war zwar niemals mit Italien vereint, wenn man von den Urlauben in Caorle & Co absieht, aber was der Berlusconi kann, schafft auch unser Intschenör, der Herr Westenthaler.

[Der Mann ist Vorsitzender oder sowas Ähnliches beim BZÖ, einer Partei, deren Namen niemand kennt, die aber von Kärntnern noch immer begeistert gewählt wird, weil der oberste Chef Jörgi Haider, ein echter Kärntner aus Oberösterreich, heißt.]

Jedenfalls hat der Herr Westenthaler, despektierlich auch Westentaschler genannt, weil er den Koffer vom Jörgi so brav getragen hat, ein wenig aufhorchen lassen, als er wegen falscher Zeugenaussage verurteilt wurde. Das Urteil sei von “roten Staatsanwälten” gefällt worden und ein Zeichen der staatlichen Verfolgung, der er seit Jahren ausgesetzt sei. Er berief auf der Stelle und deshalb ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Obwohl der Arme ständig verfolgt wird, ist er seit kurzem nicht mehr Spitzenkandidat des BZÖ. Hat natürlich nichts mit dem (Fehl)Urteil zu tun, sondern zeigt bloß von der ausgeklügelten Strategie des Jörgls, äh, natürlich des Vorsitzenden Westenthalers. Der Jörg hat nämlich gesagt, es gibt demnächst eine große Überraschung, was den Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl angeht.

Er, der Jörgi, kenne ihn, aber er sage niemandem, wie er heißt. Nicht einmal dem Westenthaler, der irgendwie Vorsitzender ist. So geht das halt zu in einer demokratischen Partei.

Und nun beginnt das große Rätselraten: wer ist der geheimnisvolle Unbekannte? Eine Frau ist es gewiss nicht, denn mit denen hat der Jörgi schon öfter Schiffbruch erlitten. Die Heide Schmidt hat eine eigene Partei gegründet, die Frau Gastinger ist vor der letzten Wahl aus der Partei ausgetreten, auf die Weiber ist kein Verlass, das weiß ein echter BZÖ-ler.

Hier weiß nicht einmal Kakanien mehr Rat und muss raten:
Ist es der Karli-Heinzi, weil er als Manager von Julius Meinl so erfolgos war?
Oder der Pepi Hickersberger, der die österreichische Nationalmannschaft bei der EM immerhin zur Teilnahme führte?

Oder heißt der Unbekannte schlicht und einfach Jörgi?

Alles ist möglich und nix ist fix.
By the way, wie wir Jungen sagen:

Wie wär’s mit Reinhard Fendrich?
Oder doch … nein, nicht! Hilfe!

Kabarettist als keifender Keppler

Kakanien Juli 24th, 2008

Seltsam, seltsam, dass in Österreich sogar Satiriker dem “Herrn Karl” Helmut Qualtingers ähnlicher sind als etwa dem Sir Karl Popper. So auch Alfred Dorfer, den ich bis vor kurzem als kritischen Denker eingeschätzt habe.

Leider war das eine bloße Schätzung, denn nachdem Herr Alfred (die Namensgleichheit mit Kanzler Gusenbauer ist vielleicht kein Zufall) vor einigen Wochen über die Nabelfreiheit einer grünen Politikerin berichtet hatte, kamen mir Zweifel.
Ist Kleidung von Frauen noch immer ein Gradmesser für politische Inhalte?
Zumindest bei Frauen?
Und sollten Satiriker nicht zumindest ein paar Meter über den Horizont eines Gartenzwergs hinausgehen?

In der Zeit vom 17. Juli 2008 bestätigt der österreichische Kabarettist, dass es auch anders geht und er in erster Linie kleinkariert ist: fest hinhauen, am besten unter die Gürtellinie, wenn’s geht mit falschen Inhalten.

Der Herr Alfred machte sich in einem Artikel darüber lustig, dass die Grünen kostenlosen öffentlichen Verkehr fordern. [Immerhin unterließ er den Hinweis auf sexuelle Schäden, die dadurch entstehen könnten. Aber er findet die Forderung lächerlich, sie sei eines Don Quijote würdig.]

Hätte der lustige Kerl sich informiert, im Radio oder im Internet etwa, wäre ihm aufgefallen, dass die Forderung von E-Control-Chef Walter Boltz erhoben wurde, weil derzeit schon 70 Prozent der Kosten von Steuern, also uns allen, getragen werden.

Und ein “Grüner” wie Martin Bartenstein findet die Idee im Wirtschaftsblatt interessant.
Übrigens will auch Herr Westenthaler Öffis gratis, aber das ist für den satirischen Schlaumeier wohl nur ein weiterer Beweis für die Lächerlichkeit der grünen Forderung.

Und so keift sich der Herr Alfred Woche für Woche durch die Zeit, die ansonsten eine tolle Zeitung ist.
Schade, dass der Österreichbeitrag typisch österreichisch ist.

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