Archiv für die Kategorie 'Österreichsplitter'

Heil(lose) Verwirrung!

Kakanien September 29th, 2008

Was geht uns das Ausland an? erwiderte Jörg Haider (seit einigen Jahren beim BZÖ statt der FPÖ) sinngemäß auf die Aussage van der Bellens (Grüne), im Ausland wird man das Wahlergebnis als Rutsch nach Rechts kommentieren.

Herr Strache, der Haider junior von der FPÖ, findet das auch und hält seine Partei für eine “soziale Heimatpartei”. Da mag in fremdländischen Zeitungen wie der “Zeit”stehen, die FPÖ sei mit der NPD vergleichbar, das kümmert ihn nicht, vielleicht hält er das sogar für ein Lob.

In der Steiermark  denkt ein ÖVP-Politiker - er heißt Schützenhöfer und ist immerhin Stellvertreter des Landeshauptmanns - ähnlich und findet eine “bürgerliche” Koalition aus ÖVP-FPÖ-BZÖ ausgesprochen nett. Nach einer Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ wäre die ÖVP dann der kleine Partner der Rechtsparteien.
Weitermachen bis in den Untergang, das scheint die Losung einiger christlicher Betonköpfe zu sein.

Da werden sich die Bürgerlichen in der ÖVP aber freuen! Die gibt es noch - und es ist zu hoffen, dass sie endlich einen Aufstand der Vernünftigen innerhalb ihrer Partei starten.

Sonst bleibt Österreich, wie einst dem Kaiser, “nix erspart”.

Auch nicht der Weg zurück ins vorvorige Jahrhundert.

Die Ergebnisse sind unter folgender Seite genüsslich anzusehen: http://wahl08.bmi.gv.at/

Kleines Psychogramm der ÖVP

Kakanien September 20th, 2008

Wer die Wahlplakate der konservativen Partei Österreichs sieht, erkennt bisweilen einen hilflos dreinschauenden Mann, der Kanzler werden will. Er heißt Willi Molterer und stellt sich als Symbol für den Parteizustand zur Verfügung. Nirgendwo sonst ist so viel Ratlosigkeit vorhanden.

Die Wirtschaftskompetenz sinkt seit dem „parteilosen“ Grasser permant und verläuft derzeit parallel zum Kursverfall an den Börsen. (Natürlich vor dem sozialistischen Eingriff der USA zur Rettung des Kapitalismus.)

Die Steuerreform wird gegen den Wunsch aller anderen Parteien weiterhin verschoben, damit das – ohnehin nicht erreichbare – „Goldene Kalb Defizitschmälerung“ nicht geopfert wird.

Bildungspolitisch beharren Teile der Partei auf dem Stand des frühen 19. Jahrhunderts. Warum sich Menschen wie Bernd Schilcher oder Claus Raidl nicht durchsetzen, bleibt ein Rätsel, das nur durch ein autoritäres System nach dem Vorbild von Dollfuss erklärt werden kann.
In der Zeit wird Claus Raidl – seit 1991 Vorstandsmitglied der Böhler-Uddeholm AG und mehrfach als ÖVP-Minister im Gespräch - mit dem Satz zitiert:
„Was an einer gemeinsamen Schule des Teufels sein sollte, weiß ich nicht.“

Er sollte den Bildungssprecher der ÖVP und Gewerkschaftsboss der Lehrer– gleichzeitig, in Österreich ist vieles möglich, das es sonst nur in Afghanistan oder Nordkorea gibt –  fragen. Der weiß vielleicht, warum das gottgegeben so war, so ist und in Ewigkeit so bleiben wird. Der Mann ist “ein kraftvoller Kämpfer mit Steherqualitäten, wenn es um die Interessen der Arbeitnehmer geht.” Das sagt der Ex-Kanzler Schüssel über ihn.
Mit anderen Worten: der Mann ist eine schwere Bedrohung für Österreichs Bildung.

Gesellschaftspolitisch versucht man die FPÖ rechts außen zu überholen, was nicht gelingen kann, weil es rechts von der FPÖ nur das Verfassungsverbot gibt. Forderungen der ÖVP wie „Keine Gnade für Kinderschänder“ und „Deutschkurse für Ausländer“ sollen Wählerstimmen holen, die längst an FPÖ und BZÖ vergeben sind. Und das letzte Plakat der kleineren Regierungspartei tut so, als propagiere es eine Art von Schrebergartenfaschismus, der nur mehr in der Fantasie von Dollfußfanatikern existieren kann.
Da passt es gut, wenn Vizekanzler Molterer in einer TV-Diskussion die Ehe zwischen Homosexuellen ablehnt, weil „Österreich mehr Kinder braucht“.

Gute Nacht, Österreich!

Wortdurchfall junior

Kakanien September 13th, 2008

Interview mit der Jugendsprecherin der ÖVP im Mittagsmagazin. Silvia Fuhrmann heißt die geklonte Fassung von Susanne Riess-Passer. Wer in einem Wettbewerb der unverständlichenSätze mit mehr als zehn Silben pro Sekunden gewinnen würde, ist ungewiss.

Bei Frau Fuhrmann lautet der Inhalt etwa so:
Taramtatamtaramtatam. Besser kommunizieren. Tam. - Taramtatamtaramtatam. Stimmt nicht. Tam. - Taramtatamtaramtatam. Ganz falsch. Tam. - Taramtatamtaramtatam. Studiengebühren jawohl. Tam. - Taramtatamtaramtatam. Keine Gesamtschule. Tam. - Taramtatamtaramtatam.

Erst 26 Jahre alt ist die Frau, hat ihr Studium zwar noch nicht abgeschlossen, aber schon alle Stehsätze der Partei brav auswendig gelernt. So weit waren nicht einmal Schüssel und Molterer in ihrer Jugend! Die waren damals zum Beispiel noch für die Gesamtschule.

Die junge Generation der ÖVP hat andere Sorgen:
der Autoführerschein soll billiger werden, die Studiengebühren sollen bleiben und Herr Neugebauer als Bildungssprecher ist wunderbar.

Zur Information:
Herr Neugebauer ist Gewerkschaftsboss der mächtigen Lehrergewerkschaft und gleichzeitig Bildungssprecher der ÖVP. Analog könnte etwa der Vorstandsvorsitzende des Eurofighterunternehmens Verteidigungssprecher der SPÖ sein.

Alles gleich, Frau Fuhrmann ist in jungen Jahren angepasster als Herr Khol als Seniorensprecher und spricht und spricht und spricht.

Und daher schalte ich, bevor ein Gehörsturz mir Erleichterung verschafft, das Radio einfach.

Oh holde Stille!
Du sagst in einer Minute mehr als Frau Fuhrmann in drei Stunden.

Schule der Einfalt

Kakanien September 9th, 2008

Die Werbeplakate der ÖVP sind kaum mehr von denen der FPÖ zu unterscheiden, ausgenommen der Bildungsschwerpunkt. In diesem Bereich fällt die christliche Partei sogar hinter die Rechtspartei zurück. Eine Superleistung!

Die ÖVP behauptet, sie sei für eine Schule der Vielfalt und meint doch eine der Einfalt.

Vielfalt im Sinne der ÖVP-Fundamentalisten meint bloß, dass Kinder ab zehn Jahren getrennt werden in „gute“ und „schlechte“, genauer gesagt: in Kindern von gehobenen Schichten und Kindern von Bauern und Arbeitern.

Dieses System ist keines der Vielfalt, was so viel bedeutet wie bunt, durchmischt, spannend, widersprüchlich und aufregend. Es ist vielmehr ein System der Monokulturen – Akademikerkinder unter Akademikerkindern.
Was aus Monokulturen wird, weiß jeder Bauer: großes Wachstum am Anfang, danach Degenerierung durch Inzucht und schließlich Missernten durch Anfälligkeit für jegliche Krankheit.

Durchmischung verhindert das, um im Bild zu bleiben. Das nennt sich im pädagogischen Bereich Gesamtschule und ist in allen demokratischen und erfolgreichen Staaten der Welt das Grundprinzip.
Übrigens auch bei den wirtschaftlich erfolgreichen, liebe ÖVP! Nicht zufällig will die Industriellenvereinigung seit kurzem diese Schulform – fast schon verdächtig.

Aber das beeindruckt die derzeitigen ÖVP-Fundis genauso wenig wie der neue OECD-Bericht, der Österreich und Deutschland eine armselige Bildungspolitik bescheinigt. Die OECD, die doch jene Institution ist, die der ÖVP immer heilig war.

Wie lange wird es dauern, bis die dort regierende Altherrenrunde zur Vernunft kommt?
Sicher ist: nicht vor der nächsten Niederlage.
Und die wartet schon!

Österreich wird Kärnten!

Kakanien August 29th, 2008

Haider gegen Strache versprach Brutalität - und war zum Einschlafen. Von Jörgl (Haider) gegen Pater Willi (Molterer) war noch weniger zu erwarten.

Der ORF hat sich für die Zeit bis zu den Nationalratswahlen etwas ganz, ganz Tolles einfallen lassen:
Jeder gegen jeden, schließlich spielen Frauen in diesem Wahlkampf keine Rolle. Nicht mitspielen dürfen komischerweise alle Parteien, die zum ersten Mal antreteten.

Demokratieverständnis des Senders, der von allen bezahlt werden muss, die einen Radioapparat oder ein Fernsehgerät in der Wohnung haben.

Bleiben wir konzentriert, auch wenn das in Vorwahlzeiten schwierig ist.

Damit nach den langweiligen Diskussionen auch der einfache Mensch weiß, welche Meinung er haben soll, kommen nach dem verbalen Boxkampf zwei Experten zu Wort. Die sind sexuell ausgewogen, eine Frau und ein Mann, Frau Karmasin die Zweite und Herr Filzmaier, der Erste.

Die Sportredaktion hat’s mit einem Mann vorgemacht, dort analysierte bekanntlich unser Herberti (Prohaska) jedes Spiel und, ehrlich gesagt: wenn er die Politik analysieren würde, wär’s spannender als bei dem Expertenpaar Karmasin-Filzmaier.

Das spricht über die Politiker so allgemein und wischiwaschimäßig wie der gesamte ORF - niemand weiß, wie die Wahlen ausgehen und Vorsicht ist die Mutter jedes neuen Auftrages und jeder Anstellung. Und so ergehen sich die Experten in Stehsätze mit Wörtern wie “angriffig”, “zurückhaltend”, “zielgruppenorientiert”. Alles klingt als würde der Opernexperte, dessen Name mir aus geistiger Notwehr immer entfällt, von irgendwelchen Premieren berichten. Auch bei ihm geben sich alle immer irgendwie “tief ergreifend” oder “bravorös” oder “in der Rolle aufgehend”.

Was man halt so sagt, wenn einem gar nichts einfällt.

Viel wusste auch “Bruder Willi” nicht zu sagen, denn “unser Jörgl” befindet sich derzeit in schauspielerischer Hochform.

Österreich soll Kärnten werden, weil dort die soziale Wärme zu Hause ist. Und die Schulden, aber die sind kein Problem. Damit ist er mit vielen Wirtschaftsexperten einer Meinung, aber nicht mit dem christlichen Willi.
Der hat vom Wolfi gelernt, dass alle sparen müssen - wie der Karli-Heinz das vorgemacht hat. Nicht bei sich selbst natürlich, sondern bei den anderen.

Und so soll es bleiben! Das war die Botschaft von “Bruder Willi”, der ein bisschen wie die Maus aussah, die sich vor der Schlange fürchtet.

Dabei war “unser Jörgl” die Freundlichkeit in Person - und eine Koalition miteinander können sich die beiden Herren gut vorstellen.

Unter dem Bundeskanzler Jörg Haider.

« Prev - Next »