Archiv für die Kategorie 'Dummspeak'

Spontananfrage

Kakanien März 4th, 2008

Das Wort “Spontananfrage” hat gute Aussichten, am Ende des Jahres einen Stockerlplatz zu ergattern.

Damit wir nicht vergessen:
Vor einigen Wochen hat die deutsche Regierung eine DVD mit Steuerhinterzieherun gekauft. Möglicherweise nicht ganz legal, jedenfalls sind auf der Scheibe viele Verdächtigte und mittlerweile betragen die Strafzahlungen und Rückzahlungen durch Selbstanzeigen der Betrüger, die sich noch schnell gemeldet haben, bereits über 20 Millionen Euro.

Nun sind, das wusste man bald, auf dieser DVD auch Menschen genannt, die Österreichs Finanzämter sehr interessieren. Also intreessieren sollten.

Denn ganz im kakanischen Sinn haben zwar elf Länder bereits in Deutschland um Rechtshilfe angefragt - nur Österreich ist nicht dabei.

“Da genügt eine Spontananfrage”, äußerlte sich ein Beamter im Radio.

Und spontan sind wir ganz selten. Das sagte  er zwar nicht dazu, meinte es ganz sicher so.

Peinlich, peinlich. Darum sprang der Finanzminister wie ein Held aus dem Busch und sagte ganz ernsthaft, dass man natürlich sofort und jederzeit und überhaupt auf der Stelle, also wenn da etwas, das müsse man sofort. Und zwar, klar und wahr und…

Spontan halt.

Der Hexamter

Kakanien Februar 10th, 2008

Die österreichische Medienlandschaft gehört biologisch bekanntlich zu den Monokulturen. Kein entwickeltes Land der Welt hat eine derart geringe Quantität an Tageszeitungen, von Wochenzeitungen wollen wir gar nicht reden. Die Qualität hält mit der Quantität Schritt und so kommt es, dass Kronenzeitung, Österreich und Co den Bildungsstandard festlegen.

In den Bundesländern gibt es ergänzendes Papier, das Tag für Tag mit schwarzen Buchstaben bedruckt wird und Wunderlichkeiten kundtut. In Tirol vor wenigen Tagen die Existenz des Hexamter. Damit meint der “Journalist” ein Versmaß, das Hexameter heißt und ein klassisches Versmaß ist.  Homer dichtete seine “Ilias” im Rhythmus unbetont-betont-unbetont-unbetont. Darum wird der Hexameter auch auf der zweiten Silbe betont.

Mein Lateinlehrer erlitt beinahe einen Herzinfarkt, als ein Mitschüler den Hexameter als Hexameter betonte. Mein Lateinlehrer ist glücklicherweise schon gestorben, andernfalls wäre er beim Lesen der Überschrift in der Tiroler Tageszeitung gestorben:
“Die Poesie der ‘Odyssee’ fängt Kurt Steinmann in seiner Hexamter-Übersetzung ein.”

Education macht high!

Kakanien Dezember 11th, 2007

Ein Professor der Wirtschaftsuniversität Wien begründete die Umbenennung des “Tags der offenen Tür” in “Competence Day” in einem Radiointerview damit, das sei modern. Und man brauche sich keine Sorgen zu machen, die Vorlesungen am “Competence Day” seien ohnehin in deutscher Sprache.
Solcher Logik, noch dazu von einem echten Universitätsprofessor vorgetragen, kann niemand sich entziehen

Auch nicht die Betreiberinnen und Betreiber der Seite www.bildung.at.

Dort werde ich auf der Startseite mit drei Registerkarten empfangen, die Verweise auf die Seiten “Education”, “Higher Education” und “Adult Education” haben.

Das klingt modern und unverständlich!
Und was ich nicht verstehe, muss ungeheuer gescheit sein. Weil einfach gescheit bin ich selber.

Seltsamerweise führt mich der Link bei “Adult Education” bloß auf die Seite “Erwachsenenbildung”, was ja eine matte, weil verständliche Sache ist.
Unmodern quasi sozusagen, meine ich mal.

Oder, um den kurzen Artikel mit den Worten des Herrn Professors zu finalisieren: das kann’s doch nicht sein.  Erwachsenenbildung!

Darum habe ich mich per Mail an die Damen und Herren gewandt und um Auskunft gebeten. Die sind aber noch more intelligent als ihre Registerkarten und haben gar nicht geanswered.

Naja, vielleicht habe ich zu wenige englische Fachausdrücke verwendet.

Deutschaufgabe

Kakanien August 4th, 2007

Deutschlehrerinnen ist die Lektüre des Innsbrucker Stadtblatts zu empfehlen! Die kostenlose Zeitung, die Woche für Woche in meinem Postkasten landet, ist eine Fundgrube für Rechtschreibfehler und inhaltliche Leere.

“Kein politisch gewählter Mandatar gibt gerne zu, überfahren zu werden” heißt es in einem zündenden Kommentar. Die Aussage gilt auch für den Rest der Menschheit, aber bei einem Politiker scheint das besonders schlimm zu sein. Noch dazu, wo er danach in der Universitätsklinik landen würde. Dort geht es wild zu.

“Chirurgie wird ein schwarzer Block!” lautet die Überschrift auf Seite eins.

Ich befürchtete bereits, das Spital sei in die Hände der Anarchisten gelangt, da klärte mich der Schreiber auf. Es sei geplant gewesen, das Gebäude schwarz anzustreichen. Ein Operationshaus samt Bettenstation als Sarg, so viel Symbolik wollten die Chirurgen nicht und so habe man sich auf ein dezentes Grau geeinigt.
Tja, eine fröhliche Farbe tut immer gut.

Es gibt auch gute Nachrichten:
“Tankstellen retten Hungernde” - nein, die Erdölkonzerne haben sich nicht entschlossen, einen Teil ihrer Gewinne der 3. Welt zu spenden. Es geht um den Einkauf am Sonntag. Weil der moderne Mensch zwar weniger arbeitet, aber mehr “Freizeitstress” hat, bleibt keine Zeit für den Einkauf während der Woche.

So kommt es, dass am Sonntag tausende, wenn nicht hunderte Innsbrucker am Hungertuch nagen. Für sie gibt es Tankstellen, die ihnen das Überleben ermöglichen.

Wenn das keine Sensation ist, dann nur mehr die Meldung über zwei Betrüger:
“Die Ausländer, die jedoch Deutsch gesprochen haben waren dunkel gekleidet und haben schwarzes Haar.”

Ausländer, die Deutsch sprechen!
Die Kriminellen werden immer raffinierter.

Fakten - hart und weich

Kakanien Juli 7th, 2007

Die Sprachhülsen breiten sich aus. Im heutigen Ö1 Mittagsmagazin äußerte ein Meteorologe seine Ansichten zum Thema “Klimaveränderung”.

Er unterschied zwischen harten Fakten und weichen Fakten.

Nun ist ein Faktum etwas “Gegebenes”, etwas, das vorhanden ist. Ob das hart ist oder weich, hängt vielleicht vom Gegenstand ab. Beton wäre dann ein hartes Faktum, Styropor ein weiches. Zumindest, wenn einem das eine oder das andere auf den Kopf fällt.

Was aber hat man sich in der Wissenschaft unter einem weichen Faktum vorzustellen? Eines, das einem angenehmer ist als ein hartes Faktum, wenn man darauf stößt?

Oder handelt es sich beim weichen Faktum um etwas Vorhandenes, das es vielleicht gibt - oder auch nicht? Dann ist das weiche Faktum kein Faktum, sondern eine Vermutung.

So wie die Wettervorhersage für die nächste Woche. Wahrscheinlich dachte der Meteorologe daran, als er seine Fakten unterteilte in weiche und harte.

Der Ökonom als Pädagoge

Noch schlimmer wird es, wenn ein Wirtschaftsjournalist über Schulsysteme schreibt. Im Trend weiß ein Herr Martinek, warum es falsch ist, SchülerInnen mit einem “Nicht genügend” aufsteigen zu lassen.

“Die Bedrohung des Sitzenbleibens in der Schule zu überwinden wappnet gegen die echt schmerzhaften Möglichkeiten des Durchfallens im späteren Leben.”

Echt wahr, nicht wahr? Deshalb haben wir Österreicher auch jede Menge Nobelpreisträger, während die Amis, die keinen echten Schmerz in der Schule kennen lernen, eine echt matte Wirtschaft und echt wenig tolle Wissenschafter.

Gut, dass uns das endlich jemand gesagt hat.

Außerdem ist das Durchfallen nicht so teuer wie “Kinder in Extrakursen, die von zusätzlichen Lehrern abgehalten werden, in den entsprechenden Fächern weiter zu schulen.”

Warum das Schulsystem von Schweden und Finnland trotzdem billiger ist, kann uns der Herr Journalist zwar nicht erklären, aber er hat ja auch das Kurssystem nicht verstanden.

“Verunsicherte Schüler, die keine Ahnung haben, warum sie für eine Prüfung lernen müssen, wenn ohnehin jeder in die nächste Klasse kommt. (Stichwort: Durchschnittsverwahrlosung.)”

Der Zusammenhang mit dem Stichwort ist rätselhaft und der vorige Satz falsch. (Er ist nicht einmal ein “weiches Faktum”.) Entweder der Herr hat noch nie einen Artikel zum Thema gelesen oder er möchte gerne Politiker werden. Vielleicht als Funktionär der ÖVP-Lehrergewerkschaft.

Viele Möglichkeiten hat er nicht mehr, allmählich setzt sich sogar in der ÖVP die Ansicht durch, dass nicht alle anderen Länder es falsch und wir es richtig machen. Noch dazu, wo die Erfolgsgeschichte des österreichischen Schulwesens knapp nach Maria Theresia endete - wenn man vom Wien der Zwischenkriegszeit absieht, als dort ein Otto Glöckel jene Reformen begann, die andere Länder fortsetzten.

Die Diktatur des Ständestaates und der Faschismus beendeten diese Entwicklung. Und danach wurde über Pädagogik und Schulwesen auf jenem Niveau diskutiert, das Herr Martinek im Trend fortschreibt.

Fritz Kortner, Theaterregisseur, soll einmal gesagt haben, “ich lache nicht unter meinem Niveau”.

Es wäre schön, wenn der Trend nicht unter seinem normalen Niveau schreiben ließe.

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