Wohnen in Tirol
Kakanien August 17th, 2010
Gute Nachrichten aus Tirol: Grundstücke werden immer billiger! Continue Reading »
Kakanien August 17th, 2010
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Kakanien August 12th, 2010
Innsbruck baut schöne Zäune. Zum Beispiel in Kranebitten. Continue Reading »
Kakanien September 22nd, 2009
Am 20. September war es endlich so weit: das große Fest zu Ehren Andreas Hofers fand in Innsbruck statt. Tausende Menschen versammelten sich, um des Helden zu gedenken. Der hatte bekanntlich nicht nur alle bösen Feinde der Monarchie in die Flucht geschlagen, sondern war auch moralisch gut unterwegs gewesen. Man denke nur an seine wichtige Botschaft an die “Weibersleut”, sich züchtig zu bedecken. Vor allem die gewagten Ausschnitte waren ihm ein Dorn im Auge.
Daher verbot er gleich nach dem Sieg auf dem schönen Bergisel alle Bälle und Feste. Außerdem gab er einen Erlass heraus, in dem es hieß, die “Frauenzimmer” sollen “nicht mehr ihre Brust und Armfleisch zu wenig und mit durchsichtigen Hadern bedecken”. Die Verschleierung kannte er nicht, so durften die “Frauenzimmer” weiterhin ihre Gesichter unbedeckt der männlichen Schamlosigkeit ausliefern.
Viele Teilnehmerinnen des Festes im September 2009 erfüllten diese hoch gesteckten Anforderungen leider nicht, sondern offerierten in offenherzigen Dirndln alles, was die Brüste hergaben. Das war bisweilen so viel, dass die Alpen dagegen als pannonische Tiefebene erschienen.
Noch bedenklicher waren Transparente mit eindeutig anti-katholischem Inhalt. Die Forderung “Los von Rom”, also offensichtlich los vom Papst, erfüllte viele mit Gruseln. Ist der Antichrist noch immer nicht in die Flucht geschlagen?
In der vierstündigen Übertragung des ORFs übersahen die Reporter diese traditions- und respektlosen Andeutungen dezent und erfreuten uns mit spannenden Geschichten. Als hätte der 200 Jahre alte Sieg, der schließlich in einer Niederlage endete, vorgestern stattgefunden, berichtete ein Historiker von Dingen, die schon immer alle fragen wollten, sich das aber nicht getrauten. Anschaulich, als sei er selbst 1809 am Begisel gewesen, schilderte der Mann Scharmützel um Scharmützel, wusste von beinahe jedem Toten die gesamte Verwandtschaft aufzuzählen und nannte den Feind, was er war: der Feind. Mehr will niemand über Feinde wissen, sonst taugen sie bekanntlich nicht zur selbst ernannten Heldenpose. Ohne Feindbild, das wussten schon die alten Römer, sind dem eigenen Denken Tür und Tor geöffnet. Welcher aufrechte Tiroler Hofer- oder Habsburgfan will das schon?
Der offizielle ORF-Reporter unterstützt den Historiker und nahm immer wieder spannenden Bezug zu Wetter, Farbenpracht, Vielfalt – und was es eben an Floskeln gibt, die man sagen muss, weil man was sagen muss.
Kein Wunder, dass der Landeshauptmann mit den Tränen ringen musste. Und alle Zuseherinnen und Zuseher mit ihm. Bisweilen sogar mit den Lachtränen.
Kakanien Juni 14th, 2009
Weitgehend unbeachtet von der globalisierten Weltöffentlichkeit feiern die Tiroler Schützen ihren Andreas Hofer, der nichts mit Aldi zu tun hat. Letzterer ist ein Diskontgeschäft und hat keinen Vornamen, Ersterer ist ein edler Tiroler Freiheitsheld, der mit Gott und Kirche für Habsburger und gegen Demokratiesierungstendenzen der französischen Revolution gekämpft hat.
So weit, so schlecht.
Jedenfalls ist die ganze Geschichte nun 200 Jahre her und da muss das patriotische Tirol – wer immer sich dafür hält – den Anlass zur Sorge nehmen und feiern. Das geht am besten mit einem Museum.
[Der wunderbare Slogan des Volkskundemuseums ist bereits Legende: "Hier lebt Tirol." steht auf Plakaten und Fahnen. Hier, im Volkskundemuseum.]
Damit nicht genug, beinahe rechtzeitig – nächstes Jahr wahrscheinlich – gibt es ein nigelnagelneues Museum am Bergisel. Dorthin kommt auf jeden Fall das berühmte (?) Rundgemälde, auch wenn es dabei vielleicht kaputt geht. Das befürchten Experten, aber das heißt bekanntlich nichts, die haben auch die Wirtschaftskrise nicht vorhergesehen.
Aber irgendwie ist ein Gemälde ein wenig wenig für ein Museum.
Wie soll man das Gebäude also füllen?
Das Tiroler Nachrichtenmagazin “Echo” ist der Sache auf den Grund gegangen und hat als Ausstellungsstücke gefunden:
Wer den nicht kennt, ist leider zu jung für ein Museum. Billy Mo war ein schwarzer Sänger, der vor etwa 40 Jahre das berühmte Lied
“Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut
der steht mir so gut
der steht mir so gut.”
gesungen hat.
Ein deutlicher musealer Hinweis auf die Toleranz der Tiroler Aborigines: Hier sind alle Schwarzen herlich willkommen!
Vorausgesetzt sie singen. Oder sind zumindest politisch schwarz.
Kakanien März 14th, 2009
In der Tiroler Gratiszeitung “Echo am Freitag” wundert sich der Journalist Armin Muigg darüber, dass ein Prüfer sich selbst überprüft. Konkret geht es um den Tiroler Agrar-Landesrat Steixner, der im Nebenberuf gerne noch im Vorstand des Landwirtschaftskammer arbeiten möchte. Deshalb wird Herr Steixner bei der Landwirtschafftskammerwahl antreten.
Herrn Muigg kommt das seltsam vor, weil Herr Steixner – falls er gewählt werden sollte – als Agrar-Landesrat dann die Landwirtschaftskammer kontrollieren muss, also sich selbst sozusagen.
Wer mit den österreichischen Verhältnissen nicht vertraut ist, versteht nun vermutlich kein Wort, aber fassen wir zusammen: Der Kontrollor kontrolliert in der Folge sich selbst.
Das klingt zuerst seltsam, hat aber System.
In Oberösterreich findet zum Beispiel ein Schuldirektor nichts dabei, Personalvertreter an seiner Schule zu sein. Das sagte er im Fernsehen anlässlich der Diskussion um mehr Stunden für Lehrerinnen und Lehrer.
Für einen naiven Beobachter mag es seltsam erscheinen, dass der Direktor (= Chef) er selbst und gleichzeitig die gewerkschaftliche Vertretung seiner Untergebenen (= einfache/r LehrerIn) ist. Er könnte einwenden, dass in keinem privaten Betrieb der Geschäftsführer als Betriebsrat durchginge.
Halt!
Betrachten wir sachlich und in Ruhe die vielen Vorteile, die sich aus dieser Doppelbelastung des Direktors bzw. Personalvertreters ergeben.
Nehmen wir an, eine Lehrerin fühlt sich durch den Stundenplan des Direktors benachteiligt. Sie wendet sich nun an ihren Personalvertreter, der die Fakten emsig notiert und daraufhin zum Direktor geht. Dort findet eine angeregte Diskussion statt, die allmählich in einen Streit ausartet. Der Direktor ist empört, der Personalvertreter auch – und für die Lehrerin kommt nichts wie Ärger heraus.
Im Falle der Doppelfunktion ist alles viel einfacher. Die Lehrerin geht zu ihrem Direktor und sagt, dass sie ihn heute als Personalvertreter sprechen will. Daraufhin nickt der Herr Direktor, legt seine Krawatte ab und ist ganz kämpferischer Gewerkschafter. Er versteht alles und verspricht, die Sache energisch zu vertreten.
Die Lehrerin geht beruhigt aus dem Raum, der Personalvertreter bindet wieder seine Krawatte um und bespricht das Problem mit seinem Gegenüber, also sich selbst. (Wir wollen hier gar nicht auf die Belastung durch die einigermaßen schizophrene Situation des Gewerkschafter bzw. Direktors eingehen. Wir können nur feststellen, dass der Mann zweifellos mit seiner Doppelbegabung Höchstleistungen erbringt.)
Keine Frage, dass das Ergebnis konstruktiv und für die Lehrerin folgenreich ausfallen wird – und das ohne großen Zeitverlust! Woraus zu lernen ist: Das österreichische Schulsystem ist von hervorragender Effizienz. Warum dieses System nicht auf die Landwirtschaft übertragen?
Lieber Herr Muigg: Der workflow, wie wir Experten das nennen, wird durch die selbstgesteuerte Kontrolle noch schneller und gleichzeitig erspart sich die Republik eine Unmenge an Bürokratie. (Übrigens soll es diese interessante Form der Doppelfunktion nicht nur in Oberösterreichs Schulen geben, sondern auch in Tiroler Schulen!)
In diesem Sinn: Lasst Schülerinnen und Schüler ihre Schularbeiten selbst benoten, Schauspieler ihre Kritiken schreiben, Arbeiter ihren Lohn bestimmen und Manager die Höhe ihrer Haftstrafe, wenn sie ein paar Milliarden unterschlagen.
Und den Landesrat Steixner in den Vorstand der Landwirtschaftskammer!
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.