Archiv für Oktober, 2006

Wahlanalyse

Kakanien Oktober 30th, 2006

Eigentlich wollte ich heute über Senilität schreiben, aber nach der wissenschaftlichen Analyse des ehemaligen Präsidenten des Nationalrates und Seniorenvertreters Andreas Khol konzentriere ich mich auf ihn. Senilität und Khol passen nicht zueinander, das weiß jeder in Österreich. Spätestens seit seinen Gedanken zur Wahl. Noch selten wurde eine Wahlniederlage so treffend und in sich schlüssig kommentiert.

Wer ist schuld an der Niederlage der ÖVP? Bisher rätselten viele Ahnungslose, einer meinte sogar, die Bildungsministerin habe der Partei mindestens zwei Prozentpunkte gekostet. Dabei ist in unseren Schulen alles in bester Ordnung, das hat Frau Gehrer selbst gesagt, und sie muss es schließlich wissen.

Nein, die Schuld trägt Josef Taus!

Nun werden sich viele fragen, wer dieser Taus ist, der eine Volkspartei in die Niederlage reitet. Kakanien sagt es Ihnen
Josef Taus war einmal ein führender ÖVP-Politiker, der gegen Bruno Kreisky in den Ring trat. Dort verlor er durch technisches K.O. und wechselte irgendwann in die Privatwirtschaft. Genauer gesagt, blieb er bis 1991 Abgeordneter der ÖVP und “persönlich widmete er sich dem Aufbau eines Konzernbetriebes”, wie das in der Biographie der Wiener Zeitung genannt wird.

Dieser Mann hat den ehemaligen BAWAG-Direktor Elsner besucht und damit der ÖVP den Sieg vermasselt. Weil nämlich, und jetzt wird Andreas Khol nahezu psychoanalytisch, daraufhin die SPÖ-Wähler nicht Zuhause blieben, sondern zur Wahlurne gingen und bei der SPÖ ihr Kreuzerl machten.

Das Ergebnis der Wahlen ist also ein Trotzverhalten der Wählerinnen und Wähler, verursacht durch Josef Taus!

Eine blendende Analyse! Josef Taus findet sie zwar “eigenartig und beinahe lächerlich” (Standard vom 28. Oktober), aber er ist ja erst seit 50 Jahren Mitglied der ÖVP und kennt sich daher dort noch nicht so gut aus.

Wenn man der Analyse folgt, liegt es auf der Hand, dass Andreas Khol am liebsten Neuwahlen hätte. Dann darf Josef Taus eine Zeitlang nicht seine Wohnung verlassen, Herr Elsner ihn nicht besuchen und die trotzigen SPÖ-Wähler wechseln logischerweise zur ÖVP. Oder so ähnlich.

Wer sonst, außer er, wird dann gewinnen - unser Kanzler Schüssel!

Auf einen neuen Wahlkampf. Wenn es nach Khol geht.

Njet!

Kakanien Oktober 23rd, 2006

Österreich verhandelt. Das heißt: zwei Parteien verhandeln miteinander. Die eine nennt sich “Volkspartei” und will vor allem eins: dass nichts anders wird. Ihr gegenüber erscheint die Sowjetunion der 50-er Jahre als Hort der Flexibilität. Damals nannte die westliche Welt die UdSSR die “Njet-Regierung”, weil sie zu allem Nein sagte.

Die ÖVP sagt entschieden Nein zu einer Gesamtschule. Dieses Bildungssystem wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: die sozialen Unterschiede der Jugendlichen sind geringer als in unserem Schulsystem, das Bildungsniveau insgesamt höher. Ein alter Hut, wie Herr Neugebauer sagt. Der ist Funktionär der Gewerkschaft und hat vor lauter Interessensvertretung vergessen, dass Bildung alle angeht. Und wenn die Gesamtschule auch ein alter Hut ist, das Schlimme ist, dass die ÖVP einen noch viel älteren Hut aufhat.

Es scheint sich um einen Helm aus den Bauernkriegen zu handeln.

Der Papst hat’s leicht

Kakanien Oktober 11th, 2006

Österreich siegte vor kurzem.

Gegen Liechtenstein, knapp und unverdient, aber immerhin mit 2:1 – kein Wunder, schließlich konnte Italien auch erst Weltmeister werden, als Berlusconi abgewählt und Prodi Kanzler war. Bei uns ist noch Mister Schüssel, Kanzler von Gottes Gnaden, an der Macht, also kein Sieg gegen ungefähr gleich große Nationen. Wir können dennoch guter Hoffnung sein: Gusenbauer wartet und Österreich darauf, mit ihm Europameister zu werden!

Der Papst hat’s da leichter, er schafft an und die Hölle einfach ab. Vorerst nicht für die Österreicherinnen und Österreicher, obwohl die unverschuldet an den Nachwahlkrämpfen leidern, sondern bloß für die ungetauften Kinder. Die mussten bisher in die Vorhölle, was immer das ist.

Die Wege des (katholischen) Christentums sind ja genauso merkwürdig wie die anderer Religionen. Daher wundert es niemanden, dass ungetaufte Kinder nicht in den Himmel kommen. Aber damit soll nun Schluss sein. Genug gelitten, liebe ungetauften Kinder, ihr dürft ab ins Paradies. Naja, nicht so direkt, aber immerhin nicht in die Vorhölle. Sagt der Papst, und der muss es wissen.

Schlechter haben es die Menschen erwischt, die vor Jesus Geburt auf der Welt waren. Sie müssen weiterhin in der Vorhölle schmoren, weil sie das Sakrament der Taufe nicht erwischen konnten. Klar, es gab die Sakramente noch nicht und wie soll man etwas kriegen, was es nicht gibt? Das ist selbst in der heutigen, sehr fortgeschrittenen Konsumgesellschaft nahezu unmöglich. Und erst damals!

Wahrscheinlich ist es die Sünde der frühen Geburt, im Gegensatz zur Gnade der späten, wie schon der deutsche Kanzler Kohl sagte. Die muss bestraft werden, auf Teufel komm raus. Pardon: auf Vatikan komm raus.

Der schlafende Zwerg

Mindestens so rätselhaft wie die Wege des Katholizismus sind jene des ORF. Zeit im Bild heißt eine Sendung, die früher Informationen auf die Fernsehschirme brachte. Am Freitag – es war der 6. Oktober – gab es beispielsweise Berichte über eine neue Krebsimpfung, das Wetter, Charlie Chaplin und des Bundespräsidenten Besuch beim Papst.

War da nicht noch etwas?

Genau: Wahlen! Und angeblich eine Schlägerei der Verlierer. Und Entscheidungen über Österreichs Zukunft. Und was sagte die Zeit im Bild dazu?

Nichts.

Sie schwieg, wie der Bessere, der Kanzler, der vielleicht bald keiner ist. Naja, FPÖ-BZÖ und ÖVP gingen sich ja noch aus. Warum nicht? Dann bliebe der Kanzler der gleiche und alle kennten sich aus. Aber noch ist nichts gewiss, niemand weiß, welche Meinung gefragt, also die richtige ist.

Der gelernte Österreicher ist bekanntlich so vorsichtig wie die gelernte Österreicherin. Wer weiß, wer in die Regierung kommt. Solange das nicht klar ist, kann sich die Zeit im Bild nicht auf die richtige Seite schmeißen. Denn ORF heißt bekanntlich:

Österreichischer Regierungs Funk.

Deshalb wird es noch einige Zeit dauern, bis der ORF weiß, welche (Regierungs)Nachrichten er senden soll. Und darum übt er sich bis dahin in der Qualität des Noch-Kanzlers: des Schweigens.

Warum allerdings, frage ich mich, muss ich dafür auch noch zahlen? Für Nachrichten, die keine sind? Denn all den übrigen Unsinn sehe ich auf anderen Kanälen ebenso: Starmania, Armin Jauch, ein Fall für CSI und zwei.

Gratis. Und meistens besser.

Ihr ORF-Zwangsgebühren-Zahler
Erich Ledersberger

Nichts gelernt?

Kakanien Oktober 4th, 2006

Herr Lopatka grämt sich. Das ist gut, er hat allen Grund dazu. Leider läuft der Vorgang weitgehend ohne Argumente ab.

“Die SPÖ hat im Wahlkampf extra Argumente gegen den Bundeskanzler gesucht.” So seine Aussage laut ORF-Tirol.

Hätte die SPÖ extra keine Argumente suchen sollen? Wie stellen Sie sich das vor, Herr Lopatka? So in Richtung “Topf statt Schüssel”? Oder “Politik statt nix verstehn”? Oder 300.000 AusländerInnen und 1 Schüssel raus aus Österreich?

Das alles sind keine Argumente, aber Töne ihrer zukünftigen Partner. Zumindest, wenn es nach der Meinung einiger ÖVP-Funktionäre geht. Die können sich tatsächlich eine Koalition Schwarz-Blau-Orange vorstellen.

Vielleicht gehen Sie in sich und lernen den Unterschied zwischen Argumenten und Hetze. Bildung schadet nicht, auch wenn sie Nebenwirkungen auf das Wahlverhalten hat.
Am besten, Sie nehmen gleich die Frau Innenmisterin Prokop mit. Die hält die Forderung nach einem Grundeinkommen für eine “urkommunistische”.
Sie hätte vorher mit einigen christlichen Organisationen reden sollen. Die nennen sich nicht “Urkommunisten” und wollen trotzdem ein Grundeinkommen für alle Menschen in Österreich.

In diesem Sinn:
Lachen macht Spaß.
Denken auch!

Zwei Nachrichten

Kakanien Oktober 2nd, 2006

Die schlechte Nachricht zuerst:
Kakanien hat sich geirrt! Der “einfach Bessere” (Eigendefintion der ÖVP), Bundeskanzler Schüssel, wurde nicht wiedergewählt, obwohl das vor einiger Zeit von mir vermutet wurde.

Die gute Nachricht:
Es gibt die Chance auf einen Wechsel von Biedermeier und Schrebergartenmentalität zu einem weltoffenen Österreich.

Derzeit finden allerdings noch die Nachwehen statt, mit originellen Schlußfolgerungen.

Herr Lopatka, Geschäftsführer der ÖVP, fürchtet sich vor einer rotgrünen Koalition mit Unterstützung des BZÖ.
Wie? War es nicht die ÖVP, die mit ehemaligen Freiheitlichen, die sich von der damals gewählten FPÖ verabschiedeten, eine Koalition bildete? Das BZÖ gibt es, weil die ÖVP das so wollte.
Angst vor den selbst erfundenen Freunden?
Schämen Sie sich, Herr Lopatka!

Der Herr Intschenör, der bestmöglichste Kandidat des BZÖ, verwechselt wiederum seine eigenen Parteizugehörigkeiten. Er will “Oppositionsarbeit leisten wie in den 90-er Jahren”.
Aber Herr Intschenör: damals gab es das BZÖ doch gar nicht! Damals waren Sie noch bei der FPÖ.
Wie soll mit so einem schlechten Gedächtnis Oppositionsarbeit gemacht werden?

Die Herren werden sich im Laufe der Zeit beruhigen. (Abgesehen von Herrn Westenthaler, der braucht die Aufregung wie ein Tour de France-Sieger sein Dopingmittel.) Und wenn Österreich Glück hat, ändert sich die Bildungspolitik.

Aber darauf wette ich nicht viel. Wer weiß, vielleicht hat Kakanien schon wieder nicht recht.