Archiv für März, 2007

Neapel sehen

Kakanien März 15th, 2007

und erben. So hieß ein ein TV-Film aus dem Jahr 1988.

Der Titel wird ab gestern verändert in:
In Österreich leben und erben. Denn die Erbschaftssteuer beträgt hier in etwa einem Jahr genau Null Prozent!

Das ist das Ergebnis sogenannt “sozialdemokratischer” Verteilungspolitik. Man könnte das auch die “real existierende Sozialdemokratie” nennen.

Beobachtern aus anderen Ländern muss nämlich gesagt werden, dass in diesem seltsamen Land die SPÖ als stimmenstärkste Partei den Bundeskanzler stellt, während die schwächere Partei, die ÖVP, bisher alle ihre Ziele erreicht hat.

Die SPÖ versprach den WählerInnen, dass es keine Eurofighter geben wird, wenn sie an die Macht komme. Demnächst landen die ersten Exemplare des teuren Spielzeugs und harren dann ihrer seltsamen Aufgabe: den Luftraum ohne Waffen zu überwachen.

Die SPÖ versprach den StudentInnen, dass sie keine Studiengebühren mehr bezahlen müssen. Das müssen sie auch nicht, wenn sie zu einem Stundenlohn von etwa € 6,00 pro Stunde so lange Nachhilfe geben, bis sie die Studiengebühren auf diese Weise bezahlt haben. Blanker Zynismus, meinen Sie? Nein, sozialdemokratische Politik von Herrn Gusenbauer. Kein Wunder, dass am Zentralfriedhof ständig ein leichter Wind weht. Bruno Kreisky dreht sich dort im Grab wie der Propeller einer Windmühle bei Windstärke 10.

Die SPÖ forderte in aller Klarheit - ein ehemaliger Minister der wunderlichen Partei BZÖ erfand diesen Slogan - die Beibehaltung der Erbschaftssteuer mit sozialer Komponente. Nun beugt sie sich dem Druck des Schwächeren und wartet auf Vorschläge des kleinen Partners, wie alles doch noch irgendwie gerecht verteilt wird. Die Minister der ÖVP werden eher an einem Lachkrampf über den Bundeskanzler sterben als eine Idee gebären. Und irgendwann werden auch die Österreicher draufkommen, dass immer weniger Steuern auch immer weniger Bildung oder Krankenhäuser bedeutet. Zumindest für jene, die kaum etwas zu vererben haben. Und das ist der größere Teil. Der andere Teil, die Minderheit also, wird noch mehr Geld sparen können und jederzeit eine Privatschule und ein Privatkrankenhaus aufsuchen können.

Die SPÖ forderte die Gesamtschule, damit in Zukunft die Kluft zwischen den sozialen Schichten etwas geringer wird. Von diesem Versprechen wird nicht einmal mehr gesprochen. Es fällt unter die Kategorie Kleinigkeiten.

Dabei haben die österreichischen Wählerinnen und Wähler sich für einen Kurswechsel ausgesprochen.
Die SPÖ unter Kanzler Gusenbauer ist vor lauter Buhlen um die Macht taub geworden.

Politikerelite

Kakanien März 13th, 2007

Eine österreichische Eliteuniversität nahe der ehemaligen Psychiatrie Gugging wird bereits gebaut, nun wird es Zeit, Politiker in die Grundschule des Denkens und der Demokratie einzuführen.

Zum Beispiel Herrn Platter, der bisher nur durch das brave Auswendiglernen und Aufsagen von Worthülsen aufgefallen ist.
Er forderte gestern - offensichtlich hatte er gerade einen eigenen Gedanken - die Einführung einer “Präventivhaft” für die Zeit der Fußball-EM. Deutschland habe das schließlich auch gehabt.

Präventivhaft heißt in einfachen Worten, dass jemand ins Gefängnis kommt, ohne eine Straftat begangen zu haben. Sie werden also auf der Straße von einem Polizisten angesprochen und dann geht’s ab ins Häfn. In Diktaturen eine übliche Methode, um politische Gegner beiseite zu schaffen.

Vielleicht wurde Herr Platter von seinem Kollegen aus Tirol angeregt, Herrn van Staa. Der forderte vorige Woche Internierungslager für Asylwerber und kann bis heute nicht verstehen, warum sich darüber Menschen aufregen.

Jedenfalls kam zur verqueren Idee der “Präventivhaft” auch gleich die Korrektur aus Deutschland:
Weder gab es bei der WM dort eine Präventivhaft noch sei jemals an so etwas gedacht worden.

Peinlich, peinlich.
Aber das ist ja seit vielen Jahren die bedeutendste Eigenschaft der österreichischen Zwetschkenpolitik.

Hab ich so gehört

Kakanien März 7th, 2007

Die österreichische Politik wird nur noch von der Länderpolitik untertroffen. Davon gibt es insgesamt neun Stück, wenn man den Freistaat Keantn ausnahmsweise noch dazuzählt.
Knapp vor der Schweiz liegt - vom Osten aus gesehen - Tirol. Das ist ein schönes Land. Leider hat es auch einen Landeshauptmann. Und der hat so seine Gedanken. Vielleicht lauten sie so:
“Hm. Also das mit der Sicherheit ist ein Problem. Wie könnten wir denn das lösen? Naja, vielleicht mit einem Internierungslager. Wäre doch eine feine Sache. Für Asylanten natürlich. Weil dann herrscht sofort wieder Ordnung und Ruhe und Sicherheit. Oder so. Klingt gut. Das machen wir. Und jetzt auf zur Pressekonferenz.”
Und dann kommt da noch die Nachricht, dass das Wiesentahl-Zentrum ihn - man stelle sich vor! Ihn, den Herrn Landesfürsten! - zum Rücktritt auffordert, bloß weil er einem ehemaligen SS-ler zum 90. Geburtstag gratuliert! Natürlich in einer öffentlichen Feier, wo denn sonst? Woanders kann er schließlich nicht fotografiert werden. Und der van der Bellen findet das auch noch in Ordnung! Also das ist doch, da fehlen einem die Worte.

Also zuerst war da die gute Idee mit den Internierungslagern.
Dann kam diese Ungeheuerlichkeit von diesem Dingsda, dem Zentrum halt.
Schließlich der Grüne, der van der Bellen.
Da reichte es dem Herrn Landesfürsten und er ließ die Katze aus dem Sack.
Der van der Bellen soll einmal bei sich selber schaun. War der Vater nicht selbst irgendwie ein Freund des Systems?
Wie sonst kam die Familie aus dem Osten ins schöne Tirol?
Das habe man ihm, dem Landesvater, zugetragen, dass da einiges nicht in Ordnung gewesen sei.

Das habe er so gehört. Und dann wird’s schon stimmen. Oder auch nicht. Aber das ist eh wurscht, weil immerhin vergessen alle, worum es eigentlich geht.
Oder doch nicht?

Über Kakanien

Kakanien März 3rd, 2007

Kakanien nannte Robert Musil jenen Staat, “der sich selbst überflüssig machte”.

Aus der k.u.k. Monarchie wurde Österreich - ein Schrebergarten im Herzen Europas. Und Europa folgt Kakanien nach.

Hier lesen Sie, wie der Untergang stattfindet.
Viel Vergnügen

Ihr/euer
Erich Ledersberger