Archiv für April, 2007

Innsbruck informiert

Kakanien April 29th, 2007

Wer im Westen Österreichs - beispielsweise in Innsbruck - wohnt, kann sich seines Lebens freuen. Auch in medialer Hinsicht. Hier trudeln ununterbrochen Zeitungen im Postfach ein, oder sagen wir besser: bedrucktes Papier.

Monatlich zum Beispiel das bunte Magazin “Innsbruck informiert”, wobei der Zusatz “die Landeshauptstadt” ein wenig kleiner gesetzt ist.

Kaum ist die Broschüre da, beginnen die Leser sogleich mit dem beliebten Spiel “Wie oft ist die Bürgermeisterin abgebildet”. Im Mai gab es einen Jahresrekord 2007, Frau Zach gelang es 15 Mal im Medium zu erscheinen.

Nicht schlecht, aber steigerungsfähig.
Nach meinen Zählungen lag der Zach-Weltrekord bei 17 Mal. Vielleicht kann sie sich im Juni steigern.

Neben den Fotos der Frau Bürgermeisterin gibt es noch viele andere spannende Sachen zu lesen. Etwa Eheschließungen, Sterbefälle und Geburten. Im Juni gab es einen satten Überhang der Geburten gegenüber den Sterbefällen, was ein gutes, um nicht zu sagen göttliches Licht auf die Landeshauptstadt wirft.

A propos göttlich:
Sollten Sie einmal nach Igls kommen, besuchen Sie unbedingt den neuen Igler Kirchplatz. Der wird gerade mit hübschen Kopfsteinpflaster belegt und am 6. Mai von - erraten! - Bürgermeisterin Zach eröffnet. Damit sie und der Fotograf dort nicht alleine rumstehen und ratlos das Pflaster anstarren, kommt auch Dekan Roth vorbei und segnet das steinige Platzerl.
Wenn Sie also über diesen Platz gehen, wundern Sie sich nicht über ein leises Beben, das Sie überkommt. Sie betreten dort geweihten Boden.

Das und vieles mehr erfährt man exklusiv in “Innsbruck informiert”.

Kein Wunder, dass dieses Blatt in einer Auflage von 100.000 erscheint und an jeden Haushalt Innsbrucks und seiner Umgebung geliefert wird.

Und wer, fragen Sie sich, bezahlt das alles?

Die Magistratsabteilung Innsbruck natürlich!
Oder können Sie sich vorstellen, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen damit Erfolg haben kann?

Ein Mann namens Schäuble

Kakanien April 25th, 2007

Der deutsche Innenminister heißt Schäuble und sitzt im Rollstuhl. Dorthin hat ihn eine Attentäterin, wenn man will: Terroristin gebracht.

So könnte eine psychologische Analyse beginnen, die zu erklären versucht, warum dieser Mann Gesetze vorschlägt, die jeder Demokratie Hohn sprechen.

Es gibt allerdings auch Menschen, die kämpfen gemeinsam gegen den Terrorismus, obwohl die eine die Mutter eines mutmaßlichen Attentäters und die andere die eines Ermordeten ist. Und zwar mit friedlichen Mitteln, weil es keinen Sinn hat, die Symptome des Terrorismus zu bekämpfen, während seine Ursachen bleiben.

Das war in etwa der Inhalt einer Meldung im Ö1-Mittagsjournal.
Die eine Frau hat einen Sohn, der für den Anschlag auf das World Trade Center in New York zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, die andere ist die Mutter eines Opfers. Sie haben einander bei einem Flug kennen gelernt und wollen die Welt darauf aufmerksam machen, dass Krieg das dümmste Mittel gegen Terror ist. In erster Linie geht es um den Kampf gegen die Ursachen des Terrors.

So viel Weitsicht hat Herr Schäuble nicht. Er wollte bereits bei der Fußball-WM in Deutschland militärische Flugzeuge einsetzen, die jedes Stadion überwachen sollten.

Nun fallen ihm in Sachen „Terrorbekämpfung“ folgende Ideen zu:
Die Unschuldsvermutung soll fallen. Es ist nicht mehr Sache der Polizei, jemandem im Falle des Delikts „Terror“ die Schuld nachzuweisen, sondern dieser Mensch muss seine Unschuld beweisen. Andernfalls ist er schuldig.

Das betrifft Sie nicht?
Doch.

Denn bald danach werden Sie nach einem Kauf in Ihrer Lieblingsdrogerie beweisen müssen, dass Sie die Ware bezahlt haben. Ich hoffe, Sie haben die Rechnung gut aufbewahrt, wenn die Polizei Sie besucht und fragt, ob Sie Ihre Zahnpasta auch bezahlt haben. Es liegt schließlich an Ihnen, das zu beweisen.

Eine andere Idee von Herrn Schäuble lautet, dass die Polizei auf Ihren Computer zugreifen darf. Also auf alles, was sich auf Ihrer Festplatte befindet. Sie können sich glücklich schätzen, wenn Sie Ihre Aufzeichnungen altmodisch mit Zetteln organisieren. (Aber verstecken Sie sie gut und haben Sie sie stets zur Hand. Vielleicht müssen Sie ja Ihre Unschuld – siehe oben – beweisen!)

Mit ehelichen Seitensprüngen oder kleinen Steuerbetrügereien, mit intimen Tagebucheintragungen oder Schimpftiraden auf den bösen Nachbarn kann es dann schnell ein gerichtliches Ende haben. Wer weiß, vielleicht ist der beobachtende Beamte Ihr Nachbar oder der/die betrogene Ehemann/Ehefrau.

1984 – Sie erinnern sich an den Roman von Georg Orwell? – ist lange vorbei.
Wir schreiben 2007.
Herr Schäuble lässt grüßen.

Relaunch Haider

Kakanien April 24th, 2007

Das Auftauchen von Jörg Haider aus der orangen Senke kann nur mit dem englischen Wort “relaunch” beschrieben werden. Das versteht kaum jemand und so ist es mit der neuen Sensation aus dem südlichen Bundesland:
Kärnten führt als erstes die Gesamtschule ein.

Ist Haider ein roter Linkssozi geworden?
Oder ist es nur die Freude an der Schlagzeile, die ihn die “Gleichmacherschule” toll finden lässt?

Und was sagt die Vorgesternpartei ÖVP dazu?
Keine Überraschung, sie findet die Idee natürlich schlecht. Der neue ÖVP-Führer Molterer wollte zwar als junger Mensch auch die Gesamtschule, ist aber nun “klüger geworden” - sagte er zumindest dem Kurier.

Naja, mit der Klugheit ist das ein Problem, schließlich fand auch Frau Brinek (ÖVP) keine wissenschaftliche Untersuchung, die eine Gesamtschule besser findet als unser “supermegatittengeiles” Schulsystem.
Sie hätte bloß den Bericht der “Zukunftskommission” lesen müssen, den ihre Kollegin Gehrer erstellen ließ. (Und dann darüber schwieg, weil die Ergebnisse nicht in ihr Weltbild passten.)

Vielleicht ist in Teilen der ÖVP nur das wissenschaftlich, was die Oberen denken. Oder nicht be-denken.

Jedenfalls: Gesamtschule in Kärnten.
In ganz Kärnten?
Nein. In zwei Städten.

Wer einen Schulversuch “Gesamtschule” scheitern lassen will, braucht nur einen Fehler zu machen: ihn nicht flächendeckend und verpflichtend anzubieten.

Das zeigen die Erfahrungen in Deutschland und jene in Skandinavien.
Die deutsche Gesamtschule blieb ein weiterer Zweig unter vielen. Die “besseren” Schüler wanderten ins Gymnasium ab. Das Ergebnis, unzufriedene Schüler und Eltern, war keine große Überraschung.
Die skandinavische Gesamtschule, mit ihrem Fördersystem und weitgehend einheitlichem Lehrplan hingegen war und ist erfolgreich. Nicht nur, was die Leistungen angeht, sondern auch in Hinblick auf Zufriedenheit aller Beteiligten.

Wenn Kärnten die Gesamtschule wieder nur als Schulversuch startet, dann ist das Scheitern vorprogrammiert.

Übrigens: Gesamtschulversuche gibt es in Österreich seit derzeit 36 Jahren. Sie wurden auch wissenschaftlich begleitet. Allerdings machten, mit einer einzigen Ausnahme, nur Hauptschulen diesen Schulversuch. Weil die Gymnasien sich weigerten, daran teilzunehmen. Deshalb halten wiederum manche die Untersuchungen für nicht repräsentativ.

Tja, der Hase Gesamtschule kann so schnell laufen, wie er will.
Gegen zwei Igel kommt er nicht an: die ÖVP, die Augenohrenzu spielt und die SPÖ, die schweigt.

Ausnahmen gibt es immerhin: die neue Ministerin Schmied. Eine ÖVP-Abgeordnete aus der Steiermark. Überwiegend Frauen, fällt einem auf. Irgendwie klappt das mit der Emanzipation noch nicht so, wie wir Männer uns das vorstellen. Frau Thatcher war da irgendwie moderner. Männlicher. Sozusagen.

Neues aus Wien

Kakanien April 23rd, 2007

Hauptstadt

Ein paar Tage in Wien gewesen. Missmutige Gesichter in den Straßenbahnen, alle vom Wien-Virus befallen. Alles wie damals.

Nicht ganz.

Da sind renovierte Häuser, wunderschön. Straßenbahn und U-Bahn funktionieren. Nur Wahnsinnige fahren hier noch mit dem Auto, wo die „Öffis“ schnell und zuverlässig unterwegs sind.
Seit ich meine Heimat nur mehr besuche, gefällt sie mir – abgesehen von den Wienern.
Die werden immer weniger. Leider fallen die meisten Zugewanderten auch dieser unbestimmbaren Krankheit zum Opfer, die sich in einer Mischung aus Raunzen, Jammern und „Da-kann-man-nichts-machen“-Stimmung äußert.

Schon in meiner Studentenzeit hatte ich ausschließlich Freunde aus den Bundesländern. Sie waren von einer Freundlichkeit und Offenheit, die ich in meiner Kindheit vermisste. Das fiel mir erst später auf, als ich geflüchtet war und bemerkte, dass an anderen Orten die Menschen anders waren.

Andererseits funktionieren in Wien so scheinbar simple Dinge wie die Müllabfuhr. Wer glaubt, das ist normal, fahre nach Innsbruck. Dort finden sich überquellende Mistkübel, ekelige Müllinseln, wo Windeln neben kaputten Flaschen und abgestellten Fernsehern liegen.
Irgendwas macht die Stadtverwaltung falsch. Dabei ist Wien 15 Mal größer als Innsbruck und heißt in Tirol die Partei, die die Bürgermeisterin stellt, „Für Innnsbruck“. Das ist eigentlich die ÖVP, die hier unter so vielen Namen kandidiert, dass man vor lauter ÖVP die anderen Parteien nicht sieht. Der Erfolg gibt ihr Recht. Ich meine wahltaktisch. Nicht, was die Müllabfuhr oder die Öffis betrifft.


Untersuchungsausschuss

Wer gegen einen Untersuchungsausschuss war, der kann keine Zweifel mehr haben: er ist ein sinnvolles Instrument der Demokratie. Was bisher an Skandalen präsentiert wurde, rechtfertigt einen permanenten Untersuchungsausschuss.

Eine Pressekonferenz um knapp € 100.000,00 ist eine wunderliche Sache und jedes Milchmädchen fragt sich, warum andere Pressekonferenzen nicht einmal ein Zehntel kosten. Hat das etwa mit dem Eurofighter zu tun?
So wenig, wie ein Darlehen oder Kredit oder Geschenk an die Frau jenes Mannes, der als hoher Beamter sich für den Teurofighter einsetzte. Es handelt sich um schlappe € 89.000,00.
Zugegeben, etwas weniger als eine Pressekonferenz der Firma Rumpold. Aber immerhin.

In den vergangenen Jahren hat sich dieses “Spendenwesen” arg verbreitet, man denke nur an die Homepage von Herrn Grasser, der schönsten PowerPointPräsentation der Republik. Der wusste bekanntlich auch nichts davon, dass sein Mitarbeiter im Vorzimmer eine Homepage über ihn bastelte, die zwischen € 150.000 und € 250.000 kostete und vom Industriellenverband bezahlt wurde.

Ahnungslosigkeit scheint ein bestimmendes Merkmal der hiesigen Zwetschkenrepublik gewesen zu sein. Selbst dann, wenn es um die teuerste Anschaffung der Republik geht, die wir alle bezahlen.

“Hier fliegt Ihre Pension.”

So lautete ein Werbeschlager der SPÖ bei den letzten Nationalratswahlen. Viele haben diese Partei gewählt, weil sie den Kauf ablehnten.
Wie die derzeit regierende SPÖ handelt, sieht es so aus, als ob Ihre Pensionen weiter in der Luft fliegen würden, statt bei Ihnen anzukommen.

Übrigens: das Thema betrifft die Jugend ebenfalls. Dort oben werden nicht nur die Pensionen fliegen, sondern auch die Ausbildung. Dagegen ist der Entfall der Erbschaftssteuer ein Klacks.

Die sind bloß so hoch wie die Studiengebühren.
Und wer braucht schon AkademikerInnen, wenn die (Rüstungs)Geschäfte so gut laufen?

Vortschreitende Ferblödung

Kakanien April 18th, 2007

Nein, mein Rechtschreibprogramm hat sich nicht verabschiedet, ich habe bloß eine Ausschreibung des Tiroler Zukunftszentrums gelesen. Das schreibt einen Wettbewerb für Video aus mit dem Thema:

“kids&jobs”

Früher hätte das “Beruf und Kinder” geheißen und jede/r hätte den Titel verstanden. Aber wir leben schließlich in einer Elitegesellschaft und was zeichnet die Elite dieser Gesellschaft am ehesten aus? Genau: unverständliches Deutsch, in diesem Fall unverständliches Denglisch.

Denglisch nennt man jene Krankheit, die sich als Sprache ausgibt. Es handelt sich um ein Kuddelmudddel (neudeutsch Mix) aus Englisch und Deutsch. Das versteht kaum jemand und deshalb muss das Gewäsch furchtbar gescheit sein. Nichts imponiert bekanntlich dem echten Untertanen mehr als etwas, das er noch nie gehört hat.

Die Wirtschaftsuniversität Wien machte vor einigen Monaten einen “Tag der offenen Tür”. Weil das zu einfach klingt, nannte man das Ganze “competence day”. Die Oberen wollten sich angeblich dem einfachen Volk nähern, aber irgendwie doch nicht. So stellten sie sich im ORF als “first mover” auf dem Gebiet der Wissenschaft dar. (Nein, das ist keine Übertreibung, so nannten die Organisatoren sich tatsächlich.)

Auf die Frage eines Anrufers (gut, zugegeben oder “okay” wie wir Dengländer sagen, das war ich), warum sie sich nicht verständlich ausdrücken, antwortete der Herr Universitätsprofessor:

“Wir möchten modern sein. Aber keine Sorge, die Vorlesungen sind in deutscher Sprache gehalten.”

Schade.
Ich habe nichts gegen englische Vorlesungen.

Ich habe etwas gegen die Verluderung der eigenen Sprache.
Auch wenn das nicht modern ist.

Apple Pie oder Apfelkuchen?

Apple pie oder Apfelstrudel?

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