Archiv für Mai, 2007

Immer wieder!

Kakanien Mai 29th, 2007

Was haben sie uns verfolgt! Die bösen Italiener, die in die Schlafzimmer unserer sauberen Sportler eingedrungen sind und ihnen brutal mit der Hand gedroht haben. Die internationale Presse, die von Doping geschrieben hat und anderen Sachen, die KEIN, ich wiederhole: KEIN ÖSTERREICHISCHER SPORTLER zu sich nimmt.

Und jetzt? Na?

Jetzt werden österreichische Trainer auf Lebenszeit von den olympischen Spielen gesperrt, weil sie ein paar Blutkonserven oder so bei sich hatten.

Das soll Doping sein?

Daran erkennt man sofort, dass die Welt sich gegen uns verschworen hat. Wie damals. Sie wissen schon. Damals hat auch niemand nichts gewusst.

Und woher soll so ein unschuldiger Trainer oder Arzt wissen, dass Blutdoping verboten ist?

Eben.
Das hat einfach Tradition bei uns.
Und jetzt, wo jede komische Vogelart unter Naturschutz gestellt wird, wird es Zeit, dass diese zutiefst ÖSTERREICHISCHE Lebensart zumindest als Weltkulturerbe anerkannt wird.

Museum Mistelbach

Kakanien Mai 23rd, 2007

In Mistelbach gibt es ab dem 24. Mai 2007 ein Museum für Hermann Nitsch!

Diese Sensationsmeldung geistert dieser Tage durch Österreichs Medien. Manche werden nicht wissen, wer Herrmann Nitsch ist, viele nicht, worum es sich bei Mistelbach handelt. Beides ist entweder einfach oder gar nicht zu erklären. Beginnen wir mit dem Einfachen.

Mistelbach liegt “im Herzen des Weinviertels” und hat daher eine eigen Homepage. Die öffnet sich mit einem Eingangstext, den man schnell lesen muss, weil unvermittelt ein unübersichtliches Bild erscheint, das alle Aktivitäten der Gemeinde zusammenfasst.

Am 26. Mai 2007 tagt in Mistelbach (merken Sie sich diesen Namen, sonst hat das MZM keinen Sinn!) um 14 Uhr der Pensionistenverband im Restaurant Diesner mit dem Thema “Kegeln”. Danach geht es um 18:00 Uhr weiter mit dem Treffen der “Selbsthilfegruppe für Menschen mit Tinnitus, Hörsturz und Morbus Meniere”.

Schon eine halbe Stunde später, um 18:30 Uhr, ist von der Gebietskrankenkasse Niederösterreich der Workshop “Entspannung leicht gemacht” angesagt.

Kurz gesagt: in Mistelbach ist immer etwas los!

Am 24. Mai jedenfalls die Eröffnung des MZM, des Museumszentrums Mistelbach, das sich ganz Hermann Nitsch widmet.

Das MZM ist “das flächenmäßig größte monografische Museum in Österreich”. So heißt es stolz auf der Museumsseite im Internet und bekanntlich kann dieses nicht irren.

Herrmann Nitsch, heißt es dort, “weist Verbindungslinien zum Wiener Aktionismus auf, dessen Initiator der Künstler war.”

Und damit alles klar wird: “Inspiriert durch den Tachismus und den abstrakten Expressionismus beschäftigt sich Hermann Nitsch in den späten 50er und frühen 60er Jahren mit Malerei und veranstaltet zum Teil gemeinsam mit Otto Mühl und Adolf Frohner „theatralische Malaktionen“, in denen die sogenannten Schüttbilder entstehen.”

Wer noch nicht verstanden hat, worum es geht, darf sich auf der Homepage des MZM durch viele Sätze quälen, um am Ende festzustellen: alles nicht so einfach. Aber immerhin, es gibt bereits eine Kunstvermittlung im Museum und Sonderprogramme für Pfingsten und danach.

Und bald wird alle Welt Mistelbach kennen!

Hoffentlich.

Ach so. Wo bleibt das Komplizierte, werden Sie fragen.

Ehrlich gesagt ist die Welt oft einfacher als sie scheint: Kunst ist zum Beispiel Kunst und Geld ist jedenfalls Geld. Am besten ist daher jene Kunst, die Geld bringt.

Ob in Mistelbach, Paris oder Wien bleibt sich letztlich egal.

“Unzielführende Vorgangsweise”

Kakanien Mai 21st, 2007

Nein, dieser Begriff stammt nicht aus dem Aufsatz eines Volksschülers, der in der Presse einen Artikel gelesen hat! Diesen Begriff prägte ein Professor der Universität Innsbruck!

So nannte Professor Mangott (nein, nicht mein Gott!), der neue Russlandexperte, das Vorgehen der russischen Behörden. Die hatten ein Interview mit dem ORF wegen “unfreundlicher Berichterstattung” abgesagt.

Während die meisten HörerInnen des Mittagsjournals von Ö1 noch über diese rätselhafte Aussage nachdachten, folgte ich krampfhaft den weiteren Ausführungen.

Kritik, noch dazu öffentliche, wie das die deutsche Bundeskanzlerin Merkel formulierte, ist an sich ja schrecklich. Allerdings, man (gott) ist ein Fähnchen im Wind, sei Putins Vorgehensweise irgendwie doch nicht demokratisch.

Jedenfalls seien Proteste beim Besuch von Putin in Wien nicht zielführend (”unzielführend” sozusagen).

Oh Gott! Was für eine tiefschürfende Analyse.

Anton Pelinka ist in Budapest.

Mangott in Innsbruck.

Susanne Scholl, bitte verlass uns nicht auch noch!

Rettet Paris

Kakanien Mai 15th, 2007

Unter dem Motto “Was uns bewegt” haben vor wenigen Tagen der Aloysl aus Tirol - das ist der mit den Proseccodosen - und Baumeister Lugner aus Wien - das ist der mit dem Mausi und der City - gegen die Gefangennahme von Paris Hilton protestiert. Kampfmaßnahmen wurden angedacht und ein Handlungsbedarf in Erwägung gezogen. Ein Charity mit dem Slogan “Rettet Paris vor den USA” ist im Gründungsstadium, Hansi Hinterseer soll den Ehrenschutz übernehmen. Der Hansi weiß von dem noch nichts, aber innovative Ideen sind immer super.

Und nun der Rückschlag aus Kalifornien!

Dort regiert ein echter Steirerman, also ein Österreicher.

Und was sagt diese steirische Eiche?  Sie muss sich um wichtigere Dinge kümmern als um eine reiche Hotelerbin. Der Mann scheint seine roots, also Wurzeln vergessen zu haben! Wäre er ein echter Österreicher geblieben, kann das nicht sein. Hierzulande gilt zwar auch das Gesetz für jeden, aber nicht für alle. Schon gar nicht für Reiche und ihre Erben.

Deshalb muss Paris befreit werden aus den Fängen der USA! Das sind wir unserem Prosecco schuldig.

Päpstliche Sorgen

Kakanien Mai 13th, 2007

Es ist immer wieder eine Freude, wenn der Papst die Wahrheit spricht. Nämlich die katholische Wahrheit, die sich von anderen religiösen Wahrheiten bekanntlich unterscheidet. Auch von den religiösen Wahrheiten der anderen Kirchen, was dazu führt, dass wir unendliche Wahrheiten haben, was der Definition des Wortes Wahrheit zuwiderläuft.

Keine Sorge, es folgt keine philosophische Diskussion über den Begriff, es folgt nur die wichtige Nachricht für Katholikinnen und Katholiken:
Sex vor der Ehe bleibt Pfui und Spaß machen soll das Ganze auch nicht, weil das Wichtigste die Kinder sind. Besser gesagt: die Vermehrung. Nicht ganz so wichtig ist, ob es den Kindern gut geht. Es dürfte sogar bis in den Vatikan vorgedrungen sein, dass in Entwicklungsländern Kinder verhungern, aber das ist, wie gesagt, nicht so wichtig

Das ist in gebotener Kürze der Inhalt der Papstreise nach Brasilien.

Außerdem überlegte der gute Benedikt noch, ob man Minister exkommunizieren soll, die Abtreibungen nicht unter Strafe stellen. Die Täterinnen müssen übrigens nicht mehr verbrannt werden, woran der fortschrittliche Charakter der Kirche direkt ablesbar ist, es genügen ein paar Jahre Gefängnis. Jedenfalls soll ordentlich bestraft werden.

Von den Exkommunikationen haben Seine Heiligkeit sich distanziert, nachdem etliche Menschen empört darauf reagiert hatten. Hätte auch ein bisserl blöd ausgeschaut, wenn Hitler damals nicht, ein Minister aus Brasilien, der Abtreibungen nicht verbieten will, heute schon ausgeschlossen wird.

Ganz sicher sind Ihro Papst aber, was Jungfräulichkeit in der Ehe anlangt. Daran führt kein Weg vorbei. Das ist eine der absoluten Wahrheiten der katholischen Kirche.

Nur der katholischen Kirche?
Gibt es da nicht, weit, weit weg, aber immer näher kommend eine Religion, die sowas Ähnliches fordert?
Und ist die etwa deshalb so erfolgreich, weil dort die Menschen noch bestraft werden, wenn sie vor der Ehe es miteinander lustig haben?

So oder ähnlich mögen die Überlegungen gewesen sein.

Hoffentlich dämmert auch im Vatikan allmählich der Gedanke, dass die Ursachen von Armut nicht mit Keuschheit bekämpft werden können. Und dass Lebensfreude nicht an ein Sakrament gebunden sein kann. Und zur Freude gehört auch die Sexualität, so gerne die Herren im Vatikan beides am liebsten abschaffen würden.

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