Archiv für Juni, 2007

Prifju Tage

Kakanien Juni 16th, 2007

Der ORF ist nicht nur auf seinem Werbesender Ö3 flott unterwegs in Sachen Neusprech. Auch Ö1 bemüht sich modern zu sein, um einen Professor der Wirtschaftsuni Wien zu zitieren. (Siehe Splitter “Vortschreitende Ferblödung” in der entsprechenden Kategorie.)

Die Tage der alten Musik in Innsbruck beginnen demnächst, kündigte die Sprecherin heute Vormittag im Radio an.
Und es gäbe auch “Prifju Tage”.

Wie bitte? Ach so: Preview Tage.
Also Vorschau Days!

Na dann - nichts wie hin.
Die Besprechung der Afterschaudays folgt wahrscheinlich in einer Woche. Also in a week, sozusagen.

Rachefeldzug an Innsbrucks Uni!

Kakanien Juni 15th, 2007

Tirols Medienlandschaft ist geprägt von einem Niveau, das die Kronenzeitung in die Sphären einer Qualitätszeitung rückt. Neben einem Monatsmagazin der Landesregierung (”Innsbruck informiert” mit Fotos der Bürgermeisterin samt Todes- und Hochzeitsanzeigen) landet auch “Das Stadtblatt” im Briefkasten. Darin stehen die gesammelten Ungeheurlichkeiten der Woche, zumindest jene, die von der Redaktion dazu gemacht wurden.

Der Widerwille der “JournalistInnen” gegen das Schreiben leuchtet aus jedem Satz der Zeitung. Aber, Arbeitsplätze sind rar, man und frau beißen sich durch und “berichten”.

“Bauer ortet Rachefeldzug!”
heißt es in der neuen Ausgabe des geduldigen Papiers. Damit ist diesmal kein Vertreter des Bauernbundes gemeint, sondern ein ehemaliger Kabinettschef namens Bauer.

An der Uni Innsbruck gibt es nämlich einen “Lehrstuhl für europäische Sicherheitspolitik”, den das Verteidigungsministerium finanziert. Alexander Siedschlag saß auf diesem Lehrstuhl, der nun leer ist. Der Herr Professor wurde vor zwei Wochen fristlos entlassen, so das Stadtblatt.

Ein bemerkenswerter Vorgang, der an Universitäten viel zu selten stattfindet. Herr Bauer erklärte das wissenschaftlich exakt so:
“Ein Watergate am Inn.”

Na dann. Alles klar. Die CIA hat zugeschlagen.

Auf der Uniseite steht allerdings, dass neun MitarbeiterInnen belastende Aussagen gemacht hätten. Hätten die Stadtblatt-”JournalistInnen” sich ein bisschen bemüht, hätten sie sogar im Standard nachlesen können, dass Herr Bauer nur die eine Seite der Wirklichkeit sieht oder sehen will. (Siehe Standard)

Herr Bauer, der angeblich Kabinettschef bei Verteidigungsminister Platter war, nutzt die Gelegenheit, um Anton Pelinka zu diffamieren:
“Ich bin entsetzt über die Vorgangsweise eines angeblich arrivierten Professors.”

Lieber Herr Bauer: ich fürchte, Herr Pelinka ist sowohl bekannter als auch arrivierter als Sie.
Sie brauchen sich dafür nicht zu schämen.
Und nicht Innsbruck mit Washington zu verwechseln!

Maria Theresia & die ÖVP

Kakanien Juni 14th, 2007

Man muss nicht Anhänger der Monarchie sein, um sich Maria Theresia als ÖVP-Politikerin zu wünschen. Die hatte bekanntlich die Schulpflicht eingeführt, damit alle Menschen in ihrem Reich schreiben und lesen lernten.

Derzeit sind für die Bildung von christlich-sozialer Seite leider ein gewisser Herr Neugebauer – übrigens gewählter Vertreter der Lehrerinnen und Lehrer! – und Werner Amon als „Bildungs“sprecher zuständig.

Sollten Sie die beiden Herren nicht kennen, Sie können beruhigt sein: Ihnen ist in den letzten Jahren kein wichtiger Gedanke entgangen.

Die herrschenden Kräfte in der ÖVP setzen auf die Werte der Dollfußära, den Ständestaat: alles soll so bleiben wie es ist. Der untere Stand bleibt unten, der obere oben.

Gesamtschule ist daher in sich (per se sagt der gebüldete ÖVP-Funktionär, weil er sich das aus dem Lateinunterricht gemerkt hat und sich deshalb für enorm gebüldet hält) verderblich, zwanghaft, undemokratisch und … also jedenfalls sozialistisch, reine Ideologie undsoweiter undsofort.

Denn was soll dabei rauskommen, wenn Fräulein Amon mit dem Herrn Maier, dem Sohn des Hausmeisters, in eine Schule geht?

Nichts wie Chaos!

Womöglich lernt Amon junior die Welt der Arbeit kennen! Und der Sohn des Hausmeisters besucht Papa Amon, bei dem gerade der höchste und breiteste Lehrervertreter Österreichs zu Gast ist.

Eine Unordnung auf höchster Ebene!

So oder so ähnlich müssen die Überlegungen der ÖVP lauten.

Anders ist es nicht zu erklären, dass ein fundamentalistischer Rest sich gegen jede wissenschaftliche und milchmädchenhafte Erkenntnis wehrt – sogar die so genannte „Wirtschaft“ fordert mittlerweile Gesamtschulen, von den Steirern wollen wir gar nicht reden.

Das wäre ja fast so, als weigere sich jemand, die Erkenntnisse Darwins anzuerkennen!
Ach so, Sie meinen, das erinnert Sie an einen gewissen Kardinal?
In den USA wollen bestimmte Kreise ja die Lehre der Evolution verbieten.

Bush, Schönborn und die Fundi-ÖVP - das Traumteam des Zeitalters vor Maria Theresia?

Nein. So schlimm wird es schon nicht sein.
Oder?

Kurt Waldheim ist tot
Achja, Schönborn. Der Kardinal aus adeligem Haus, dessen Name ein Palais und ein Park in Wien zieren. Zum Tod von Kurt Waldheim – er starb heute 88-jährig - fällt ihm ein, dass Waldheim „Opfer einer politischen Intrige“ wurde.

War da nicht noch etwas?
Die Schilderung seiner Offizierstätigkeit als „Pflichterfüllung“?
Nein. Kurt Waldheim war kein Kriegsverbrecher.

Aber sich für diese Art der Pflichterfüllung zu schämen, statt sie zu rechtfertigen: das hat Kurt Waldheim nicht geschafft.

Und Kardinal Schönborn fällt nichts Besseres ein als das zu rechtfertigen.

Altes Kakanien

Kakanien Juni 13th, 2007

Kakanien wurde im Jahr 2000 n. Chr. gegründet - die Eingangsseite mit “alten” Texten finden Sie hier:

www.Kakanien.EU
oder hier:

www.Kakanien.com

Oder Sie sind ohnedies von dort gekommen.

Hier geht’s zurück zu den Wurzeln.

Mister Thatcher siegt!

Kakanien Juni 12th, 2007

Die Unzufriedenheit mit einer bestimmten Regierungspolitik hängt offenbar nicht direkt mit Erkenntnis zusammen. Sonst hätte Frankreich nicht die französisch-männliche Version der Mrs. Thatcher zum Präsidenten gewählt.

Wahrscheinlich ahnt das Land noch nicht, dass der energiegeladene Sarkozy davon ausgeht, dass alle mindestens so viel Energie haben wie er, aber großteils weniger Einkommen. Zumindest Letzteres soll so bleiben.

Das macht aber nichts, denn zuerst wird an das Nationalgefühl appelliert, dann an den Leistungswillen und schließlich wird das goldene Kalb der Industrieländer angebetet werden: die Arbeit.

In der Folge werden die Gewerkschaften demonstrieren und protestieren. Doch Monsieur Thatcher weiß, wie’s geht - auch wenn er nicht das Glück des österreichischen Kanzlers haben wird, dessen gewerkschaftlicher Gegner sich bekanntlich selbst den ko-Hieb versetzte.

Sarkozy ist klug genug, seine Politik durchzusetzen. Die Wählerinnen und Wähler glauben derzeit noch, dass sie davon profitieren werden. Das ist ein Irrtum. Es wird nur ein winziger Prozentsatz sich freuen können.

Vive la France!

PS:
Es könnte natürlich auch sein, dass die Wählerinnen und Wähler einen politischen “time-lag” haben, der über mehrere Jahre dauert.
Dann werden sie bemerken, dass dieser Herr, den sie 2007 gewählt haben, der gleiche Mann ist, der vorher, unter Chaques-Chirac dessen ungeliebte Politik mit bestimmte.

Seien Sie also vorsichtig, Monsieur Thatcher!
Auch Herr Wolfi der Erste aus Österreich ist über die eigene, stetig wachsende Arroganz gestolpert.

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