Archiv für Juli, 2007

Endlich daheim Rufzeichen

Kakanien Juli 30th, 2007

Und schon gibt es wichtige Neuigkeiten. Im Postfach wartet die Innsbrucker Qualitätszeitung „Stadtblatt“ mit vielen Sensationen.
Zum Beispiel dem Projekt der Stunde, dem
Museum der Wehrhaftigkeit
„Zum Land stehen Rufzeichen“ heißt die Überschrift einer Kolumne zum Thema.
Rufzeichen sind ein Zeichen höchster Erregung – und dazu ist jeder Tiroler Journalist per Dienstvertrag verpflichtet. So auch David Nagiller, der erklärt, warum „Wehrhaftigkeit“ eine Tugend ist.
Er bezieht sich dabei nicht auf Ewald Stadler, den ehemaligen FPÖ-Wauwau und Erfinder des „wehrhaften Katholizismus“, sondern auf - erraten Rufzeichen – Andreas Hofer.
Es geht um die Schlacht am Bergisel, ein Ereignis, das außer- und großteils auch innerhalb Tirols kaum jemand kennt. Bestenfalls vermuten Einheimische und Touristen unter dem Begriff eine Schanze, die mindestens ein Mal im Jahr besprungen wird.
Aber das macht nichts, denn im „Museum der Wehrhaftigkeit“ soll das berühmte Rundgemälde, „ein bedeutendes Kulturdenkmal unseres Landes“, aufbewahrt werden.
1809 warfen die Tiroler Schützen sich in die Schlacht gegen die bösen Franzosen, die gegen Monarchie und für eine Republik kämpften. Die Monarchie siegte – und vergaß Tirol. Aber daran wollen wir nicht erinnert werden.
Jedenfalls gibt es ein hübsches Rundumbild der Schlacht, die lauter wehrhafte Tiroler zeigt.
Neues Konzept
Der Schreiber der Kolumne hinkt leider seiner eigenen Zeitung hinterher, denn ein paar Seiten weiter kann man lesen, dass jenes „Museum der Wehrhaftigkeit“ einem neuen Projekt gewichen ist, das den „Fokus auf eine europäische Geschichte der Neuzeit“ legt.
So unklar, so rätselhaft.
Uschi Schwarzl, Vertreterin der Grünen, klärt immerhin darüber auf, dass schlichte 6,5 Millionen Euro zur Finanzierung fehlen.
Eine andere Partei möchte, dass in dem neuen Museum (das klingt gar hübsch!) die „nicht verarbeitete Geschichte Tirols ihren Platz findet“.
Damit ist nicht das Verschwinden der Tiroler Juden gemeint, sondern das „Kaiserschützenmuseum und der Lückenschluss zur Besatzungszeit. Von dort kann man dann den Übergang zum Heute finden.“
Von wem diese gewundene Aussage stammt?
Erraten. Vom FPÖ Gemeinderat Christian Haager, der auch Obmann des Kaiserjägerbundes ist. Sagt jedenfalls das „Stadtblatt“.
Königin Hilde, die Erste
Innsbrucks Bürgermeisterin Hilde Zach ist ebenfalls wehrhaft. Sie wehrt sich gegen jeden Hauch von Demokratie und bestellt im Alleingang Aufsichtsräte in Gesellschaften, die der Stadt – also uns allen – gehören.
Ursprünglich hatte Demokratie etwas mit dem Volk zu tun.
Es sollte bei Entscheidungen ein Mitspracherecht haben. Zum Beispiel über seine gewählten Vertreter im Stadtsenat.
Hilde die Erste lebt in der Überzeugung, dass sie die gewählte Königin der Stadt ist. Sie vertrete die Stadt Innsbruck – also auch mich – und könne daher die Aufsichtsratsmitglieder bestimmen.
So habe ich mir die Demokratie nicht vorgestellt.

Vorsicht! Sportreporter

Kakanien Juli 18th, 2007

Seit es im österreichischen Fußball Erfolge gibt, sind Österreichs Sportjournalisten noch atemloser. Gut, die Erfolge beziehen sich auf die U20-Mannschaft und wenn Sie jetzt fragen, ob das die ehemaligen U19-Mannschaften sind. Nein, die gibt’s auch noch, aber dort sind wir noch nicht im Achtelfinale und deshalb wird darüber nicht berichtet.

Jedenfalls, diese Nacht geht es gegen Tschechien. Der österreichische Trainer - ein ungewöhnlicher Mann, weil er besonnen spricht - schätzt die Chancen für einen Sieg 50 zu 50 ein.

Jetzt ist die Minute des Sportreporters:
“Der österreichische Trainer ist bescheiden”, keucht er sinngemäß ins Mikrofon, als stünde der erste Angriff feindlicher Truppen bevor. “Meiner Ansicht nach sind die Chancen der Österreicher größer.”

Soll sein, jeder ist seiner Meinung Schmied. Aber der gute Mann begründet seine These auch, weil er hat sich was gedacht.

Warum also werden die Österreicher gewinnen?
“Die Österreicher haben nämlich vor einem Jahr mit der beinahe selben Mannschaft gegen Tschechien 3:1 verloren.”

Wenn das kein gutes Omen ist! Auf zum Sieg.

Ohne Gott geht’s besser

Kakanien Juli 16th, 2007

Morgens sehe ich manchmal das Morgenmagazin von ARD und ZDF. Dort gibt es jene Berichterstattung, für die ich ORF-Gebühren zahle. (Das österreichische Gesetz sieht bekanntlich vor, dass jede/r Gebühren zahlt, die/der einen Fernseher im Haushalt stehen hat. Egal, ob sie/er ORF sieht oder nicht. Im Sinne der Allgemeinbildung ist übrigens das Abschalten von ORF-Programmen zu empfehlen.)

Jedenfalls hörte ich im Morgenmagazin von einer Untersuchung unter BiologielehrerInnen. Acht Prozent von ihnen glauben demnach, dass die Welt in sieben Tagen von einem lieben Gott erschaffen worden ist. Bei den anderen LehrerInnen sollen es 15 Prozent sein, in der Türkei gar 80 Prozent.

Kardinal Schönborn wird diese Nachricht freuen. Wahrscheinlich gefallen ihm die Zahlen aus der Türkei in diesem Fall noch besser. Mir allerdings schwindet die Hoffnung, dass die Vernunft zwar “leise ist, aber letztlich siegt”, wie Sigmund Freud schrieb.

Knapp gesagt heißt das, Darwins Evolutionslehre ist - ungefähr 150 Jahre nach ihrem Erscheinen - noch nicht einmal bei jenen angekommen, die sie berufsmäßig verstehen sollten. Das erinnert an Galileo. Dessen Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist, wurde von der katholischen Kirche heftig bekämpft. Solange, bis jegliches Dogma nichts mehr nützte. Soll es im Fall der Evolutionslehre wieder so lange dauern?

Dabei wäre es an der Zeit, Gott als das zu bezeichnen, was er ist:
eine Erfindung des Menschen.

Das spricht nicht gegen ihn. Aber es rückt ihn an jene Position, die ihm gebührt.

Denn wohin führte der Glaube bisher?

Im Westen zur “Missionierung” der Indianer in der Vergangenheit, bis sie nahezu “verschwunden” waren und zu Mordanschlägen auf Ärzte, die Abtreibungen durchführen heute. Im Osten zu Schlachten zwischen Hindus und Moslems, zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Schiiten und Sunniten. Auch Afrika blieb von den “Glaubenskämpfen” nicht verschont, die immer schon ein Ersatz für andere Interessen waren.

Alles im Namen des jeweils einzigen Gottes. Der noch dazu alle Menschen liebt.

Dabei könnte alles ganz einfach sein: der Mensch ist nämlich gut. Nicht, weil ein Gott es ihm vorschreibt, sondern weil er das Gutsein zum Überleben braucht. Ein einfaches Naturgesetz, das sogar bei Schimpansen zu beobachten ist.

Funktioniert ganz ohne Gott. Und meistens besser.

Teifi eini!

Kakanien Juli 14th, 2007

Innenminister Platter ist ein echter Tiroler und daher ein Mann der starken Sprichworte:
“Man soll den Teufel nicht an die Wand spielen!” meinte er im heutigen Ö1-Mittagsjournal. Und da kann jeder Fußballfan nur zustimmen. Denn kaum an der Wand, ist der Teufel schon ein Spaß ohne Boden und lacht sich, auf Jesus komm raus, vom Regen in die Traube. Dort agiert er als Trubels Kren und dafür sind, dafür lege ich meine Wand ins Gemäuer, die drei fehlenden Gastrofighter verantwortlich.

Allerdings: die Journalistin - es ist nicht alles blond, was fragt- ließ keine Hoffnung fahren und fragte das Unsagbare.

Van Staa oder nicht van Staa? so lautet ihr Begehren. Und klar wie Honig kam des Helden Antwort:
Ich bleib, das Schicksal gewährt mir die Bitte, immer der Dritte.

Schlaf gut, Österreich!

Kakanien Juli 12th, 2007

Das heutige Datum wird ein fester Bestandteil der Geschichte Österreichs sein:
der erste Eurofighter ist gelandet!

Seit heute kann der Österreicher gut schlafen, weil jede Minute, jede Sekunde seine Österreicherin beschützt wird von einem Kampfflieger, dem kein Terrorist gewachsen ist.

“Derzeit einzigartig ist seine Fähigkeit, 9g-Manöver auch im Überschallbereich fliegen zu können (bis Mach 1.2).”

So steht es in Wikipedia und da bereits vier österreichische Piloten die Ausbildung zum Eurofighterpiloten absolviert haben, nehme ich an, dass es sich bei dem Flieger um einen Viersitzer handelt.

Außerdem schafft er es “binnen zweieinhalb Minuten locker auf 12.000 Meter.” (Standard

Da kann ich nur sagen. SUPER!
Ich weiß zwar nicht, was er dort oben will, aber dafür ist er “schneller dort”, wie Helmut Qualtinger schon sang, obwohl er den Eurofighter gar nicht kannte.

Jetzt kann gar nix mehr passieren, ich fühle mich beschützt wie Gretchen von seiner Großmutter. Noch dazu, wo die Piloten einen “Zentrifugentest” bestehen mussten - sie sind also waschmaschinengetestet und wenn Piloten sauber sind, kann gar nichts mehr schief gehen.

Ein wenig schade finde ich persönlich, dass dieses Luftgerät, wie wir Militärs sagen, keine Atombomben an Bord hat, aber man kann eben nicht alles haben.

Warum unser Verteidigungsminister, der ein hochdekorierter Zivildiener ist, sich die Begrüßung der Friedenstaube „Jäger 90“ (so hieß der Eurofighter einst) entgehen ließ, verstehe ich nicht. Denn wir Österreicher werden, wie Kommandant Höfler so treffend feststellte, “auf die neuen Flieger stolz sein”.

Dort oben fliegt zwar “meine Pension”, wie die SPÖ vor der Wahl feststellte, aber nach der Wahl sind wir alle froh, die Pension in unsere Selbstverteidigung investiert zu haben.

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