Archiv für August, 2007

Poesie - hochprozentig

Kakanien August 31st, 2007

Alkoholiker gibt es bekanntlich in jeder Bildungsschicht, besonders in einer höheren. Hicks. Gut, das war jetzt ein wenig “fishing for compliment” wie wir Griechen sagen. Daher: back to the hups. Also roots. Und damit meine ich Wurzeln.

Wein & Co ist ein Weingeschäft, das aufgrund seiner Preise, ich meine: Qualität auf jene Zielgruppe fixiert, die privat gerne der Poesie zugeneigt ist. Außer mit schlichtem Trinken beschäftigt man sich dort mit Kunst, die mindestens so hoch sein muss wie die Weinpreise.

Teuer ist aber schon so alltäglich, dass Wein & Co Poesie mit Wein vermanschen muss, um einigermaßen aufzufallen. Besser gesagt: cuveetieren muss. Hier der Cuvee einer Werbezusendung des verblassenden Sommers 2007.

In Südtirol gibt es, nach Jahrzehnten des “Kalterer Sees” neuerdings Winzer, die “anders sind in vielerlei Hinsicht, als Winzer und als Mensch”.

Gut, das haben wir verstanden: Winzer ist nicht gleich Mensch.
Wenn aber das eine mit dem anderen zusammentrifft - wie bei Alois Lageder - , dann geht’s rund in Südtirol!

“Die Idee einer Symbiose zwischen Natur und Technik, Himmel und Erde, Geschichte und Zukunft, als Auslöser für unsere ehrgeizigen Projekte zu schaffen - Ein ganzheitliches Wirtschaften, bei dem Mensch und Umwelt im Mittelpunkt stehen.” (Grammatikfehler stammen aus der Werbebroschüre.) Dass bei diesen hehren Zielen noch ein Wein rauskommt, ist nahezu ein Wunder! Aber lesen wir weiter, dann verstehen wir es.

“Wer Alois Lageder über seine Projekte reden hört und den ultimativen (?) Keller betrachtet, versteht seine Weine besser. Hier wird mit Solarzellen Strom erzeugt, Kühle durch den Fels in den Keller transportiert, Fässer mit Musik beschallt (naja, Fässer werden beschallt, weil es sich um die Mehrzahl handelt, aber wie gesagt, hier wird jeder Grammatikfehler original übernommen), die sich nach der Intensität des Windes richtet (Bach beruhigt den Wein!) und allerorts finden sich positive Materialien.”

Ob mit Bach der Komponist gemeint ist oder fließendes Wasser, darüber schweigt der Prospekt. Immerhin, wir wissen nun, dass Bach beruhigt.

Das sieht man auch an den Mitarbeitern, die überall rumstehen:

“Lächelnde, in ihrer Mitte ruhende Mitarbeiter.”

Was sie getrunken haben, weiß man nicht. Ich nehme an, es handelt sich nicht um den “extrem limitierten Top-Merlot”, den uns Wein & Co um schlichte 44 Euro zur Verfügung stellt.

Die Ösis kommen!

Kakanien August 27th, 2007

Keine Angst, liebe Griechen! Das Feuer wird gelöscht, wir kommen.

Einige Tage nach der Bitte Griechenlands an die EU um Hilfe gegen die zahlreichen Feuer schickt Österreich 20 Mann und ein Flugzeug nach Griechenland. Tja, in Sachen Tempo bleiben wir unangefochten die Nummer 1 der Welt.

Nur der ORF hinkt ein bisschen hintenach. In der Wettervorschau vom 26. August 2007 wird als Tipp für Städtreisende neben London … Athen genannt.

Peinlich?
Aber geh! Niemand ist perfekt. Schon gar nicht der ORF.

Saubere Aktien

Kakanien August 26th, 2007

Robert Musil wunderte sich im vorigen Jahrhundert darüber, dass Rennpferde als genial beschrieben werden. Er empfand das als Niederlage des Denkens und Schreibens. Der Begriff „Genie“ sollte Menschen vorbehalten bleiben. Im neuen Jahrtausend gelangen „Kicker-Aktien“ in den Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung. Das Pferd wurde zum Genie, der Sportler zur Aktie. Warum nicht? Was dem Inhaber von Nike-Aktien recht ist, soll dem Sportfan billig sein. Wobei billig hier symbolisch gemeint ist.

„Weiß ich was ein Reis ist, ich kenne nur seinen Preis“ dichtete Bert Brecht einst. Wer heute Aktien von Manchester United kauft, kennt das handelnde Finanzkapital sogar mit Namen: Christiano Ronaldo und Wayne Rooney zum Beispiel. So menschlich ist der freie Waren- , pardon: Menschenhandel heute geworden! Statt in anonym arbeitende Massen wird in konkrete Menschen investiert. Ein Fortschritt, der von Kapitalismuskritikern leider ignoriert wird.

Ökonomisch gesehen ist das Investment riskant, wie ein gewisser Herr Fey, Fußballexperte beim DAI (Deutsches Aktieninstitut), warnt. Die Aktien von Borussia-Dortmund sind von elf Euro auf derzeit zwei Euro gesunken. Vom Gewinn her gesehen gleicht das einer Katastrophe, sportlich gesehen ist es eine selbstlose Förderung des Spitzensports.

Den brauchen alle um zu begreifen, dass Sport ungesund ist.
Beim Berufssport geht es bekanntlich um einen kranken Geist in einem kranken Körper, der Spitzenleistungen hervorbringt, die niemand braucht. Abgesehen von den Unternehmen, die über den Umweg Tour de France, Fußball-WM oder Olympia in die Medien gelangen.

“Kampftrinken” entspricht zwar dem olympischen Gedanken (Dabeisein ist alles), wird aber sportlich noch nicht anerkannt. Ein Berliner Wirt muss sich vor Gericht dafür verantworten, dass sein Gegner, ein 16-Jähriger, im fairen Kampf gestorben ist. Die Alkohollobby hat hier, im Vergleich mit der Sportlobby, noch einiges aufzuholen.
Was spricht dagegen, das illegale Doping bei Radfahrern und Co um die legalen Freuden des Alkoholtrinkens zu ergänzen?

Disziplinen gäbe es in Hülle und Fülle. Etwa der einfache „Biersprint“ – wer schafft die meisten Maß in der Minute? Ein Bewerb, in dem die Bayern als Favoriten gehandelt werden. Oder der „Weinmarathon“ – wie viel Zeit benötigen die Sportler für das Leeren eines kleinen Eichenfasses. Hier sind die Südländer im Vorteil, wobei das kleine Österreich sich Chancen auf einen Spitzenplatz ausrechnet. Oder das „Klarspülen“ – es wird so lange Schnaps getrunken, bis nur mehr einer stehen kann.

Natürlich gäbe es eine Nationenwertung, Staffeltrinken und alle Bewerbe im Sitzen, Stehen und Liegen.

Unsere Weinbauern könnten Sportvereine gründen mit so klingenden Namen wie „Vorwärts Gewürztraminer“ und „AC (=Alkoholclub) Riesling“, die sich alsbald in börsennotierte Unternehmen verwandeln. Einem Alk-DAX stünde nichts mehr im Wege.
Und irgendwann sitzen wir alle mit Karottensaft vor dem Fernseher und lassen Berufssportler für uns saufen! Das freut dann auch die Krankenkassen.

Billig ab 130

Kakanien August 25th, 2007

Nein, nicht ab 130 Jahren, sondern ab 130 IQ. Für alle, die weniger haben, die Erklärung:

IQ ist die Abkürzung für Intelligenzquotient und mit 100 entspricht der Mensch seinem Durchschnitt. Wer mehr Punkte hat, ist theoretisch intelligenter, aber nicht unbedingt klüger.

Die Universitäten von Freiburg und Konstanz bewerben alle, die mehr als 130 IQ haben. Sie dürfen drei Semester ohne Gebühren studieren. 21 Studentinnen und Studenten haben es dieses Sommersemester geschafft. Kein toller Erfolg, aber ein Rufzeichen für die Ratlosigkeit der deutschen Universitäten! Bisher dienten Schulnoten als Aufnahmekriterium, nun soll es der IQ werden? Wer auf diese Idee gekommen ist, muss jedenfalls sein Studium ab dem ersten Semester bezahlen.

Kindkosten

Kakanien August 14th, 2007

Im Studium der Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft etc.) werden gerne die Kosten für Sachen ausgerechnet, um es einfach auszudrücken. Unter den “Sachen” sind natürlich - ob die Natur das so sieht, ist eine andere Frage - auch die Personalkosten gemeint.

“Was kostet ein Mensch” ist ein wichtiges Thema. Schon Bert Brecht dichtete “Weiß ich, was ein Mensch ist, ich kenne nur seinen Preis”. So wundert es nicht, wenn im heutigen Mittagsjournal die durchschnittlichen Kosten eines Kindes berechnet wurden.

Kurz gefasst: billig ist so ein Kind nicht! Man bekommt dafür locker mehrere Autos, sogar ein kleines Häuschen geht sich aus. Dafür erspart man sich jede Menge Ärger. Damit sind nicht nur die pubertären Probleme gemeint, sondern so einfache Dinge wie Kindergarten oder Kinderkrippe. Nein, nicht Kindergrippe, die fällt unter Krankheitskosten, sondern das schlichte Aufbewahren, während die Eltern arbeiten.

Österreich belegt bei der Kinderbetreuung international einen der hinteren Ränge, ungefähr den der hiesigen Fußballmannschaft. Dafür müssen Eltern sich neun Jahre nach der Geburt bereits damit herumschlagen, wohin das Kind zur Schule geht: ins Gymnasium oder in die Hauptschule? In die Schule der Besseren oder der, naja, nicht SO Guten.

Kein Wunder, dass in Schweden oder der Schweiz mehr Kinder zur Welt kommen als im ach so familienfreundlichen Österreich. Da sind die Kosten nur ein weiteres Argument dafür, lieber kinderlos zu bleiben.

Next »