Archiv für September, 2007

Tiroler Minister macht Sprachtest!

Kakanien September 28th, 2007

Ein echter Tiroler ist ein echtes Mannsbild! Das beweist Minister Platter eindrücklich. Er stellt sich einem Sprachtest und will beweisen, dass ein Minister auch deutsch spricht. Ein Test reicht ihm gar nicht, denn:

“Sprachtests für Platter vorstellbar” meldet die Tiroler Tageszeitung.

Offensichtlich will Herr Platter gleich mehrere Tests schreiben. So ist es gut, denn viele Menschen zweifeln daran, dass unsere Herren Politiker - und auch die werten Damen - ihrer Sprache mächtig sind. Das Niveau ist, wie Herr Westenthaler vor kurzem so treffend meinte, sehr niedrig. Daher verabschiedete sich der BZÖ-Obmann kurzfristig von der Politik, stieg allerdings schneller wieder ein als sein Vorbild schauen konnte. Wahrscheinlich will er damit das Niveau heben.

Aber zurück zur Überschrift der TT, der Tiroler Tageszeitung:
Leider entpuppt sich die Ankündigung als Grammatikfehler, denn in Wahrheit will Herr Platter keinen Sprachtest für Politiker, sondern für die Fremdlinge im Land! Wenn diese erst einmal Deutsch könnten, trüge das ungeheuer zur Integration bei.

Werch ein Illtum, um Ernst Jandl zu zitieren.

Dann verstünden sie unsere Politiker noch lange nicht. Die sprechen nämlich eine Sprache, die in keinem Deutschkurs gelehrt wird. Glücklicherweise, muss man sagen. Denn “Wischiwaschi” ist eben keine Sprache.

Vielleicht sollten Sprachtests aber für Journalisten eingeführt werden. Denn wer in einem kurzen Artikel dazu fähig ist, gleich drei Mal “ex-Mitarbeiter” (TT vom selben Tag) zu schreiben, sollte sich aus Berufsgründen einem Sprachtest unterziehen.

Poesie hochprozentig

Kakanien September 27th, 2007

Alkoholiker gibt es bekanntlich in jeder Bildungsschicht, besonders in der höheren. Hicks. Gut, das war jetzt ein wenig „fishing for compliment” wie wir Griechen sagen. Daher: back to the hups. Also roots. Und damit meine ich Wurzeln.
Wein & Co ist ein Weingeschäft, das aufgrund seiner Preise - ich meine natürlich Qualität - auf jene Zielgruppe fixiert, die privat der Poesie zugeneigt ist. Schlichtes Trinken reicht dort nicht aus und deshalb beschäftigt man sich gleichzeitig mit Kunst, die mindestens so hoch ist wie die Weinpreise.
Teuer ist aber schon so alltäglich, dass Wein & Co Poesie mit Wein vermanschen muss, um einigermaßen aufzufallen. Besser gesagt cuvéetieren, so nennen die Weinbauern das Vermanschen, damit es besser klingt. Hier der Cuvée einer Werbezusendung des verblassenden Sommers 2007.
In Südtirol gibt es nämlich, nach Jahrzehnten des nur mit einem Grappa trinkbaren „Kalterer Sees” neuerdings Winzer, die „anders sind in vielerlei Hinsicht, als Winzer und als Mensch”.
Gut, das haben wir verstanden: Winzer ist nicht gleich Mensch.
Wenn aber das eine mit dem anderen zusammentrifft, dann geht’s rund in Südtirol!
„Die Idee einer Symbiose zwischen Natur und Technik, Himmel und Erde, Geschichte und Zukunft, als Auslöser für unsere ehrgeizigen Projekte zu schaffen - Ein ganzheitliches Wirtschaften, bei dem Mensch und Umwelt im Mittelpunkt stehen.” (Grammatikfehler stammen aus der Werbebroschüre.) Dass bei diesen hehren Zielen noch ein Wein rauskommt, ist nahezu ein Wunder! Aber lesen wir weiter, dann verstehen wir es.
„Wer XY (Name der Redaktion bekannt) über seine Projekte reden hört und den ultimativen (?) Keller betrachtet, versteht seine Weine besser. Hier wird mit Solarzellen Strom erzeugt, Kühle durch den Fels in den Keller transportiert, Fässer mit Musik beschallt (naja, Fässer werden beschallt, weil es sich um die Mehrzahl handelt, aber wie gesagt, hier wird jeder Grammatikfehler original übernommen), die sich nach der Intensität des Windes richtet (Bach beruhigt den Wein!) und allerorts finden sich positive Materialien.”
Ob mit Bach der Komponist gemeint ist oder fließendes Wasser, darüber schweigt der Prospekt. Immerhin, wir wissen nun, dass Bach beruhigt.
Das sieht man auch an den Mitarbeitern, die überall rumstehen:
„Lächelnde, in ihrer Mitte ruhende Mitarbeiter.”
Was sie getrunken haben, weiß man nicht. Ich nehme an, es handelt sich nicht um den „extrem limitierten Top-Merlot”, den uns Wein & Co um schlichte 44 Euro zur Verfügung stellt.

Deutschaufgabe

Kakanien September 25th, 2007

Leider wurde mir im September die Zeitung „Innsbruck informiert“ nicht zugestellt, daher kann ich nicht berichten, wie das Familienquiz SDH (Such die Hilde) richtig aufgelöst wurde. Zum Ausgleich kam das „Stadtblatt“. DeutschlehrerInnen ist die Lektüre dieser Qualitätszeitung unbedingt zu empfehlen! Die kostenlose Zeitung, die Woche für Woche in meinem Postkasten landet, ist eine Fundgrube für Rechtschreibfehler und andere Kuriositäten.
„Kein politisch gewählter Mandatar gibt gerne zu, überfahren zu werden” hieß es in einem zündenden Kommentar. Die Aussage gilt auch für den Rest der Menschheit, aber bei einem Politiker scheint das besonders schlimm zu sein. Noch dazu, wo er danach in der Universitätsklinik landen würde. Dort geht es wild zu.
„Chirurgie wird ein schwarzer Block!” lautete die Überschrift auf Seite eins.
Ich befürchtete bereits, das Spital sei in die Hände der Anarchisten gelangt, da klärte mich der Schreiber auf. Es sei geplant gewesen, das Gebäude schwarz anzustreichen. Ein Operationshaus samt Bettenstation als Sarg, so viel Symbolik wollten die Chirurgen nicht und so habe man sich auf ein dezentes Grau geeinigt. Tja, eine fröhliche Farbe tut immer gut.
Es gab auch gute Nachrichten, zum Beispiel diese:
„Tankstellen retten Hungernde“- nein, die Erdölkonzerne haben sich nicht entschlossen, einen Teil ihrer Gewinne der 3. Welt zu spenden. Es ging um den Einkauf am Sonntag. Weil der moderne Mensch weniger arbeitet und daher mehr Freizeitstress hat, bleibt keine Zeit für den Einkauf während der Woche.
So kommt es, dass am Sonntag tausende, wenn nicht hunderte Innsbrucker am Hungertuch nagen. Sie irren in den Straßen umher, leichenblass und am Rande der Ohnmacht: Mahnmale der postmodernen Unterernährung.
Wo das Elend groß ist, da naht bekanntlich Rettung. Und tatsächlich: Tankstellen bieten auch sonntags Nahrungsmitteln, die den Hungernden das Überleben ermöglichen.
Wenn das keine sensationelle Neuigkeit ist, dann kann nur mehr die Meldung über zwei Betrüger sie übertreffen:
„Die Ausländer, die jedoch Deutsch gesprochen haben waren dunkel gekleidet und haben schwarzes Haar.”
Ausländer, die Deutsch sprechen!
Die Kriminellen werden immer raffinierter.

Der arme Jesus und sein Gemächt

Kakanien September 23rd, 2007

Auf einer Innbrücke steht seit einigen Tagen ein neues Kreuz. Das ist nicht verwunderlich in einem Land, das Spitzenreiter im Verhältnis Kruzifix-je-Einwohner ist. Dennoch ist dieser Jesus ein ganz besonderer. Besser gesagt: ein nahezu normaler. Er ist nämlich nackt und hat dort, wo „man das Genital vermutet, eine Wölbung und kein Leinentuch bedeckt das Gemächt.“
So vornehm hätte ich das nicht ausdrücken können, das übernahm ein Tiroler Journalist einer bekannten Zeitung.
Wahrscheinlich wissen die meisten Menschen nicht, was ein Gemächt ist, deshalb hier eine Definition, die ich im Internet gefunden habe:
„die Zeugungsglieder bey Menschen und großen Thieren beider Geschlechter, besonders des männlichen“ - Oeconomische Encyclopädie (1773 - 1858) von J. G. Krünitz
Was ist daran erwähnenswert? Zum Beispiel, dass vor 20 Jahren der damalige Bischof das Kreuz wegen des fehlenden Schurzes nicht aufstellen ließ. Dass es daraufhin in ein Museum übersiedelte. Dass im 3. Jahrtausend es angeblich Menschen gibt, die diesen Jesus kastrieren wollen.
Ausgerechnet Jesus, jenen wunderbaren Menschen, der uns sagte, dass wir unsere Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Jesus, der zur Feindesliebe aufrief. Jesus, der Feindbilder verabscheute.
Glaubt wirklich jemand, er hätte keinen Penis gehabt?
Letzte Meldung
„Futterpreise für Tirols Bauern fast verdoppelt“ meldet eine Zeitung. Kein Wunder, dass die Bauern immer hagerer werden!

Papa ante portas

Kakanien September 7th, 2007

Gut, damals war es Loriot - dieses Mal ist es Eure Heuligkeit persönlich, der “vor der Tür” steht, also Mariazell besucht.

Deshalb wird der ORF für viele Stunden in OPF umbenannt: Österreichischer Papst Funk.

Sogar die Zeitung, die wie unser Land heißt, konnte vor Aufregung keine eigene Titelzeile produzieren und hielt sich an das große Vorbild in Deutschland, die BILD:

“Jetzt sind wir Papst!” - ja, wir schlagen zurück, wie in Cordoba, als wir die Deutschen mit 3:2 vernichteten.

Bereits gestern herrschte Aufregung, die nur mit einem Finale der österreichischen Mannschaft bei einer WM vergleichbar war - dabei spielt Österreich heute bloß gegen Japan.

Der Papst kommt, und wer nicht nass werden will in Mariazell, der darf per Handy ein SMS von ihm empfangen.

Von Wien pilgert der oberste General der katholischen Kirche nach Mariazell. Mit dem Hubschrauber, denn pilgern in neuen Zeiten ist hektisch.

Sein Topferl kommt auch mit, denn der Papst möchte nicht irgendwo, sondern auf vertrautem Boden Pipi machen. Das klingt so menschlich, dass unsereins fast darauf vergisst, dass der Mann mit dem hübschen Hütchen ja nahezu permanent mit dem lieben Gott in Kontakt ist. Das muss man sich vorstellen!

Aber dazu ist jetzt keine Zeit, denn im OPF läuft gerade das Spektakel und deshalb …. ich muss jetzt.

Nein, nicht Pipi!

Fernsehen!

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