Archiv für Oktober, 2007

Neulich beim Minister

Kakanien Oktober 19th, 2007

Ort:
ein Ministerium in der Hauptstadt; vielleicht in der Herrengasse

Zeit:
Gegenwart

Ambiente:
Monarchie

Sektionschef (in der Folge kurz SC genannt):
Da wär da noch die Sache mit dem Trojaner.

Minister:
Abschieben. Klarer Fall.

SC:
Verehrter Herr Minister, ich meine keinen Ausländer, sondern das Pferderl.

Minister:
Einheimisch?

SC:
Jawohl!

Minister:
Soll dableiben. Was macht das Pferd?

SC:
Es späht Computer aus. Sie wissen schon, diese Geräte, mit denen man schreiben, lesen, Musik hören und Videos ansehen kann.

Minister:
Keine Details. Wie kommt das Pferd in den, na, wie heißt das Ding?

SC:
Computer.

Minister:
Sehr gut. Setzen. Also?

SC:
Per Internet.

Minister:
Sehr gut. Und wer soll das bezahlen? Die Bundesbahn wird immer teurer!

SC:
Nicht Intercity, Internet. Dabei handelt es sich um ein neues Medium, wie soll ich sagen? Also man kann damit alles Mögliche machen.

Minister:
Auch abschieben?

SC:
Mit dem Internet nicht, aber mit dem Trojaner, äh, dem Pferd.

Minister:
Sehr gut. Wir nehmen das Pferd. Ist es nicht ein wenig groß für einen Computer? Ich habe ja auch einen, der nennt sich Notbook, für Notfälle sozusagen.

(Lacht herzlich.)

SC: (lacht ebenfalls herzlich)
Unser Trojaner ist ganz klein, der passt überall hinein.

Minister:
Ach, Sie dichten auch, Herr Sektionsrat?

SC:
Wie bitte? Ach so. Nur in meiner Freizeit.

Minister:
Schade. Sonst hätten Sie mir meine nächste Rede in Versform schreiben können. Kommt sicher gut an. Jedenfalls, klingt alles sehr modern. Das machen wir. Jeder bekommt seinen Trojaner.

SC:
Wunderbar, Herr Minister.

Minister: (vertraulich)
Sagen Sie, wie sieht denn so ein Trojaner eigentlich aus? Ich meine: ist er gut integriert?

SC:
Er wiehert perfekt deutsch.

Minister:
Wunderbar! Das kann nicht einmal ich.

SC:
Deutsch?

Minister:
Werden sie nicht frech. Wiehern natürlich.

Der Wortakrobat

Kakanien Oktober 17th, 2007

Neulich gab es ein Soloproramm unseres Innenministers in der Zeit im Bild. Bisher hatte man ihn rein akustisch nur bruchstückhaft verstanden, seit einigen Sprechtrainings ist das besser geworden.

Was der Sache nicht wirklich gut getan hat.

Rätselte ich früher, was er gerade von sich gab, rätsle ich nun, wie der Minister einer christlichen Partei auf immer absurdere Ideen kommt. Zum Beispiel die der Deutschkurse. Nein, nicht für Minister, sondern für Zuwanderer. Die sollen statt 300 Deutschstunden demnächst 600 absolvieren.

Frau Zimmermann - der seltene Fall einer ORF-Journalistin, die hartnäckig nachfragt – erinnerte an die Kosten für solche Kurse. Das nützte ihr nichts. Herr Platter ist nämlich der Ansicht, dass „Österreich ein offenes Land ist“.

Daher ist es auch nicht vorgesehen, dass die „Familie von Arigona aus Bosnien zurückkehrt.“

Alles klar?

„Wir gehen einen guten Schritt“, verdeutlichte der Minister seine Worte und wollen „die Querschnittsmaterie diskutieren“.

Was immer diese Querschnittmaterie ist, jedenfalls „findet Integration bei den Bürgermeistern statt.“ Ob das der Wiener Bürgermeister weiß?

Und weil der Minister so flott wie undeutlich ist, will er die „Plattform früher einladen. Und dann die gesamte Bevölkerung.“ Das wird eine ordentliche Drängelei werden.

Macht nichts, Hauptsache „das Thema wird sensibilisiert.“ Bin gespannt, was das Thema dazu sagen wird. Jedenfalls handelt es sich insgesamt um ein ganzes „Maßnahmeket“.

Als Höhepunkt weist unser Wortakrobat noch auf eine „Wandererausstellung“ hin, die geplant ist.

Wie bitte? Will er den „Wirtschaftsflüchtlingen“ zeigen, wie sie rauswandern? Will er für den Tourismus in den Bergen werben?

Ach so!

Wanderausstellung hat er gemeint – jetzt habe ich glatt den wichtigen Schlusssatz versäumt. Aber die 600 Deutschstunden finde ich wirklich gut. Zumindest für manche Politiker.

Der arme Herr Dichand

Kakanien Oktober 15th, 2007

Wenn Sie nicht wissen, wer Herr Dichand ist, eine kurze Erklärung: ihm gehören 50 Prozent der österreichischen Kronenzeitung. Die ist mit Abstand Marktführerin und hat im kleinen Land Österreich eine Auflage von mehr als einer Million Stück.

Klar, dass der Geschäftsführer einer solchen Marke mehr Geld als der Bundeskanzler verdient, auch wenn der für einen Staat wichtiger ist als die Kronenzeitung. Zumindest theoretisch ist das so, praktisch ist seit Jahrzehnten kein Bundeskanzler ohne Unterstützung der Kronenzeitung denkbar.

Was verdient Herr Dichand als Geschäftsführer laut “Trend”?
700.000 Euro.
Nein, nicht im Jahr. Im Monat.

Kein Wunder, dass viele die Kronenzeitung kaufen müssen, um diesen Lohn für Herrn Dichand zu erwirtschaften.

Seit heute finde ich Herrn Dichand allerdings arm.

Heute wird im BAWAG-Prozess ein englischer Bankier ins Gericht kommen, der im Jahr 100 Millionen Euro verdient, also etwas 8 Millionen Euro im Monat.

Das Schöne an den Berufen der Bankiers und Geschäftsführer: sie müssen sich nicht alle vier oder fünf Jahre einer Wahl unterziehen, sondern dürfen so lange Millionen verdienen, bis ihnen etwas gründlich misslingt.

Dann bekommen sie eine ordentliche Abfertigung, mit der sie den Rest ihres Lebens, - wenn sie sich ein bisschen einschränken - über die Runden kommen.

Alles in bester Ordnung!

Kakanien Oktober 10th, 2007

Manchmal steht der Mensch mit dem Gefühl auf, dass die Welt nicht mehr so ist, wie sie am Abend zuvor war.

So ging es mir heute Morgen.
Was war geschehen?
War ein Terroranschlag mit Atombomben, wie das der deutsche Innenminister befürchtet, verübt worden?
Hat Liechtenstein Österreich den Krieg erklärt und wir waren wehrlos, weil die Eurofighter noch nicht betriebsbereit waren?
Waren auf unseren Kirchen über Nacht Halbmonde montiert worden?

Oder war, unglaublicher Fall, etwas Gutes vorgefallen?
Hatte über Nacht die Vernunft etwa die Menschen überwältigt?
Gab es Friedenserklärungen, Einsichten, Veränderungen?

Ein Blick in die morgendliche Zeitung beruhigte mich: alles in bester Ordnung!

Minister Platter ist laut einem seiner Vorgänger ein netter Mensch, nur ein bisserl “patschert”. Das wird die “Abzuschiebenden” nicht trösten, aber immerhin Herrn Platter.

Ein 16-jähriger soll in seine “Heimat”, die er immerhin einige Wochen kennen gelernt hat, abgeschoben werden, weil sein Vater vorbestraft ist. Hat aber gar nix mit Sippenhaftung zu tun, sondern entspricht den Gesetzen. Der junge Mann ist untergetaucht.

In Linz sticht sich ein Asylwerber mit dem Messer in den Bauch.

Die 15-jährige Arigona bleibt weiter im Untergrund, dabei will der Landeshauptmann Pühringer eh mit ihr reden. Wahrscheinlich möchte er gnädig sein und das Mädchen im Lande behalten. Auf jeden Fall dann, wenn Radio, Fernsehen und Zeitungsfotografen dabei sind.

Alles in bester Ordnung!

Nichts hat sich geändert, ich kann beruhigt den Alltag genießen.

Minister hart gegen Terroristen

Kakanien Oktober 6th, 2007

Kaum hat Minister Platter seine Sprachtests gemacht, schon wartet ein neues Problem auf ihn: ein Erpressungsversuch hinterhältiger Terroristen wurde dieser Tage bekannt.

“Der Staat kann sich nicht erpressen lassen!” donnerte er am netten Wolfgangs-Schüssel-See den Feinden des Rechts entgegen. Und wenn die Tiroler Schützen ihre Gewehre auspacken müssten: Recht muss rechts bleiben. Oder.

Ach ja, worum geht’s hier eigentlich? Wer erpresst mit welchen Waffen wen?

Eine 15-jährige ist die “Erpresserin” - sie sollte nach gelungener Integration in Österreich nach Albanien abgeschoben werden. Dorthin, wo nicht mehr ihre Heimat ist. Ihren Vater hat der “Rechtsstaat” bereits dorthin verfrachtet.

Den makabren Worten des Herrn Minister Platter vom “Erpressungsversuch” stehen geistreiche Anmerkungen der SPÖ zur Seite:

“Grauslich” nennt zum Beispiel der Bundeskanzler die Tatsache, dass eine 15-jährige in einer Demokratie ohne kriminelle Tat in den Untergrund ausweichen muss.

Ist ihm schon aufgefallen, dass er nicht mehr in der Sandkiste spielt, sondern echt Bundeskanzler ist?

Und wenn er dann aufgewacht ist, fällt ihm vielleicht ihm auch wieder ein, dass dieses Gesetz von ÖVP und SPÖ verabschiedet worden ist?

Und zwar nicht in der Koalition, sondern damals, als man noch in der Opposition war.

Schon vergessen?
Wir nicht.