Archiv für November, 2007

Ein Senior sieht rot!

Kakanien November 28th, 2007

“I schau mir des reläxd an, wie der Wiener sagt.”

Oha! Ein Wiener, der nicht untergeht und relaxed ist? Wer spricht denn hier? Das kann kein Wiener sein.

Erraten. Es ist der heilige Anderl aus Tirol, der Herr Khol.

Der steht laut eigener Aussage in der zweiter Reihe seiner Partei und ist nicht mehr Klubchef, obwohl die Sozialdemokraten - so sagte er vor zwei Jahren - frühestens in 118 Jahren wieder in der Regierung sein werden. Ein kleiner Irrtum, aber für einen Politiker kholscher Qualität kein Problem. Der hat nämlich immer Recht und das bleibt auch nach einer Niederlage so.

Die “Diskussion” zwischen dem Seniorenführer Khol der ÖVP und dem einstigen “Juso” Czap der SPÖ war eine Peinlichkeit, die nur mehr durch die Ergebnisse von PISA unterboten werden kann. Wobei es dem Herrn Khol immerhin gelungen ist, Herrn Czaps Niveau zu unterlaufen.

Dass ein Interviewpartner eine Journalistin derart unverschämt und untergriffig angreift, ist sogar für Österreich Verhältnisse sensationell.

Alter macht weise.

Nicht immer. Beweist uns schlüssig Herr Khol, ehemaliger Nationalratspräsident.

Advent, Advent

Kakanien November 28th, 2007

Stimmt, ich bin etwas zu früh dran, möchte es aber der Innsbrucker Verwaltung gleich machen: die hat sich selbst übertroffen und mir bereits heute das Qualitätsblatt “Innsbruck informiert” geschickt.

Ich habe sofort mit dem Familienspiel SDH (such die Hilde) gestartet und sie bloß 15 Mal gefunden. Das ist nur deshalb verständlich, weil es im Dezember etwas noch Bedeutenderes als die Stadtkönigin gibt: die Hungerburgbahn!

Sie wird endlich eröffnet und “Innsbruck feiert die neue Hungerburgbahn”, wie die Überschrift verkündet. Kein Wunder, denn die Preise für die Fahrt Richtung Nordkette sind günstig.

“Die Fahrt hin und retour kostet für TirolerInnen 4,50 €.”

Nahezu geschenkt, allerdings sind die BurgenländerInnen und andere AusländerInnen extrem benachteiligt. Für sie gibt es nicht einmal eine Preisangabe. Man kann sich vorstellen, was Franzosen bezahlen müssen, von den ChinesInnen wollen wir gar nicht erst schreiben.

Ein wenig ist die Frau Bürgerfürstin dennoch traurig.

“Ich weiß, dass viele mit der alten Bahn Erinnerungen verknüpften und an ihr hangen.”

Oder doch eher hängten? Egal, gücklicherweise wurden diese Romantiker rechtzeitig abgeknüpft, damit sie nicht Hungers sterben, während ein Stück weiter fröhliche Menschen mit dieser “architektonischen Sensation” hinauffahren.

In diesem Sinne:
feiern Sie mit der Stadtverwaltung!

Und wenn Sie keinen Platz finden, gehen Sie einfach auf den Christkindlmarkt. Den gibt es mittlerweile auf vier Plätzen. Damit die Alkoholiker wissen, dass die Stadt auch etwas für sie macht.

Wir kommen! Oder doch nicht?

Kakanien November 22nd, 2007

Normalerweise ist man von BZÖ oder FPÖ gewohnt, dass sie den harten Mann markieren. Das war schon bei jener Wahlfeier so, als ein BZÖ-Bodyguard einen “Verräter” leicht malträtierte und als Herr Strache noch als Jugendsünder bei jener Organisation war, die  schon mal übt, wie einer leise umzubringen ist.

Aber nun mimt man die Friedfertigen.

Österreicher in den Tschad? Nein danke! VIEL zu gefährlich. Denn Soldaten sollen friedlich sein und nicht gefährdet werden.

Wie bitte? Schickt Österreich seine jungen Soldaten und neuerdings Soldatinnen in ein Kriegsgebiet?

Naja, nicht so ganz. Es handelt sich um 160 Menschen, die sich für diesen Einsatz gemeldet haben. Weil sie Berufssoldaten sind. Und dieser Beruf unterscheidet sich laut Erich Reiter vom Verteidigungsministerium von dem Beruf eines Sängerknaben. Nicht nur vom Alter her.

Warum sind BZÖ und FPÖ also plötzlich gegen Einsatz?
Weil er dem Frieden dient?

Das wollen wir ihnen nicht unterstellen. Obwohl der Gedanke nahe liegt.

Danke, lieber Bildungsvize!

Kakanien November 12th, 2007

Wenn die Bildungsexperten nicht können, muss eben der Chef her. Dachte der Vizekanzler und Finanzminister und schrieb einen Brief.

Seither weiß ich, warum der Beiname “Pater Wilhelm” keine Erfindung der Medien sein kann. So süßlich lächelt höchstens noch unser aller Kardinal Schönborn. Und was will er mir sagen? Nein, nicht der Kardinal, sondern der Finanzminister?

“Der Schulalltag ist nicht immer leicht.”
Aber geh! Woher stammt plötzlich dieses Wissen? Waren Sie nicht damals auch schon in der ÖVP, als Stunden gekürzt wurden und das Geld für Bildung reduziert wurde?

“Das hat weniger mit der Organisationsform der Schule zu tun, sondern viel mehr mit geänderten Lebensumständen.”
Ach so! Da habe ich was missverstanden - ich hielt überfüllte Klassen immer für eine Organisationsfrage, dabei sind sie bloß Lebensumstände. Aber bitte, ich bin nur ein einfacher Kleinstadtlehrer.

“Lehrer arbeiten oft mit Humor, manchmal mit Strenge. Und immer mit viel Herz.”
Da haben Sie Recht! Ehrlich gesagt, ohne Herz würde ich es nicht mal in die Schule schaffen. Technisch und medizinisch gesehen. Und Humor brauche ich täglich, wenn ich lese, was Ihre Partei an pädagogischen Inhalten präsentiert.

Bis dahin klang alles furchtbar nett, als wären Nikolaus und der Osterhase gemeinsam am Fabulieren gewesen.

Und dann der Schluss!  Hier folgt eine kräftige Ohrfeige für uns LehrerInnen:
“Es sind die Lehrerinnen und Lehrer, die unsere Schule prägen.”

Das ist nach dem letzten Abschneiden bei PISA oder OECD-Studien eine Beleidigung!

Bildungs GesmbH

Kakanien November 12th, 2007

Vor kurzem traf sich im ORF die österreichische BildungsGesmbH, die Gesellschaft mit beschränktem Horizont. Es handelt sich um die Bildungspolitiker der Parteien und sie zeigten exemplarisch an sich selbst, warum Bildung politisch nichts bringt.
Die Bildungsmänner von FPÖ und BZÖ nahmen den Anlass sofort zum weiteren intellektuellen Verfall und meckerten in unvollständigen Sätzen darüber, dass „die“ Ausländer schuld sind. Warum? Naja, eben überhaupt. Denn ohne Sündebock müssten sie darüber nachdenken, ob der Untergang der Bildung gar mit ihnen zusammenhängt.

Schuld sind immer die anderen, eigentlich sind sie die Hölle, aber das ist beinahe ein Zitat - noch dazu von Jean Paul Sartre. Und den kennt entweder kein FPÖ- oder BZÖ-Funktionär oder er hat ihn zumindest nicht verstanden, sonst müsste er aus seiner Partei austreten.

Außer diesen Ahnungslosen saß noch ein Vertreter der ÖVP da. Er lächelte permanent, und dazu hat er einen triftigen Grund: der Njet-Partei ist es vorzüglich gelungen, Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich zu verhindern. Aus den Gesamtschulen wurde ein weiterer Schulversuch.

Österreich „versucht“ die Gesamtschule nämlich erst seit 33 Jahren an einer Schule, aus Sicherheitsgründen soll die Dauer auf ein knappes Jahrhundert verlängert werden. Ein paar Schulen sollen das gewagte Experiment durchführen, aber nur dann, wenn ein Gymnasium und eine Hauptschule in der Nähe sind. Das hat vor 25 Jahren in Deutschland nicht funktioniert, die Chancen auf einen Misserfolg der „Neuen Mittelschule“ – so nennt sich das, was einmal eine Gesamtschule werden sollte - stehen gut! Das wäre dann ein klarer Erfolg der ÖVP.

Im christlich-ständischen Lager kann die Wissenschaft nämlich hundert Mal belegen, dass die Gesamtschule in jeder Hinsicht besser ist als Trennung von zehnjährigen Kindern in gute und schlechte: die Erde bleibt eine Scheibe.

Oder eine Schildkröte, denn Argumente sind ein Werk des Teufels und bringen alles durcheinander. Da vermischen sich Akademiker- mit Bauernkindern, womöglich gar mit Arbeiterkindern. Am Ende weiß niemand mehr, wo oben ist und wo unten. Da können die Industriellenvereinigung für die Gesamtschule sein, die Steirer und die Kinderfreunde – die ÖVP will ein Erbrecht auf Bildung. Aber ohne Erbschaftssteuer.

Als Beilage zu dieser schlecht schmeckenden Melange (=Mischung) gab es den SPÖ-Sprecher, der den faulen Kompromiss als Erfolg verkaufen musste und einen grünen Oppositionspolitiker, der kaum zu Wort kam. Macht aber nichts, er hat sinngemäß bloß behauptet, dass die Erde eine Kugel ist. Zu seinem Glück lebt Österreich schon im 18. Jahrhundert, sonst wäre er verbrannt worden.

Ein Wissenschafter war auch da, aber der zählt bekanntlich nichts, weil er an die Vernunft glaubt.

Kein Wunder, dass die einzige Frau des Abends, die Moderatorin, fassungslos um Worte rang. Alle Zuschauer, die noch nicht in Ohnmacht gefallen waren, fühlten mit ihr.