Archiv für Januar, 2008

Kein eigener Beitrag

Kakanien Januar 31st, 2008

“Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland

In der Vergangenheit habe nicht nur die Union, sondern hätten alle politischen Parteien sich in einer Kampfrhetorik überboten, die der Integrationspolitik nicht dienlich gewesen sei. “Dabei musste die Union erkennen, dass Deutschland de facto ein Einwanderungsland ist”, schreiben die Unionspolitiker laut “Zeit” Sie gaben jenen Deutsch-Türken recht, die in der Zeitung geschrieben hatten, die beste Prävention gegen Jugendgewalt sei Bildung, individuelle Förderung und die Eingliederung der Eltern.

Koch hatte seinen Wahlkampf in Hessen auf die Frage der Gewalttätigkeit bei ausländischen Jugendlichen zugespitzt - und musste bei der Wahl erdrutschartige Verluste für die CDU hinnehmen.

Nein, hier hat nicht eine kommunistische Partei gesprochen.
Nein, es war auch nicht die Sozialdemokratische Partei Österreichs.

Ja, es war die Schwesternparte der ÖVP, die CDU.

Herr Bundeskanzler, denken Sie sich etwas dabei, wenn eine christlich-konservative Partei sozialer ist als Ihre?

Oder denken Sie lieber daran, wie Sie beim nächsten Flug wieder in die Business Class gelangen? Damit zumindest Sie die klassenlose Gesellschaft erreicht haben.

Neulich im Flugzeug

Kakanien Januar 22nd, 2008

“Grüß Sie, Genossin Stewardess. Das ist aber nett, dass Sie mir einen Champagner bringen. Obwohl ich mehr auf Rotwein steh. Gell Schatzi?”

Der nette Mann wendet sich an seine Begleiterin.

“Aber da wollen wir nicht so sein und einen auf die AUA haben. Toll, wie es bei euch in der Economy Class zugeht. Ist der Chef auch nett zu euch?”

Die Stewardess nickt freundlich.

“Wunderbar. Ich rede ihm auch immer gut zu, damit er weiß, ihr seid der Fels, auf dem ich baue. - Super, diese Beinfreiheit! Wenn ich denke, wie das in meiner Jugend war. Da konnte man höchstens mal nach Moskau fliegen. Und war dann so dankbar, dass man gesund angekommen ist, dass unsereins gleich den Boden geküsst hat. Aber dafür sind Sie ja viel zu jung als dass Sie wüssten, wie elend die Zeit damals war. Und auch schön. Wir wussten noch, wofür wir gekämpft haben. Für den Sozialismus! Für Gerechtigkeit. Für soziale Wärme.
Und heute haben wir das alles erreicht. Zu Ihrem Glück, Fräulein Genossin.
Früher sah höchstens die Business Class so aus wie heute die Economy Class.
Von Freiheit keine Spur, nicht mal für die Beine.
Und heute wird jeder mit Champagner begrüßt. Super, gell Schatzi?”

Schätzchen nickt freundlich.

“Das Menü war übrigens ausgezeichnet. Sagen Sie das dem Economykoch. Und ich weiß, wovon ich rede! Gutes Essen ist die erste Bürgerpflicht, sage ich immer. Neben dem Trinken. Und das Wichtigste: es muss für alle sein. Wir waren immer gegen eine Klassengesellschaft, in der die da oben das verzehren, was die da unten erarbeiten. Was habe ich gearbeitet für eine klassenlose Gesellschaft. Am Boden und in der Luft. Sozialismus muss überall sein. Finden Sie nicht, Genossin Fräulein?”

Die Genossin lächelt verlegen.

“Könnten Sie mir noch eine kleine Flasche von dem Champagner bringen? Das Glas ist ja schneller leer als ich voll bin. - Pardon, das war ein Witz unter meiner Würde. Wenn ich daran denke, wie das früher war! Da hat sich ein Finanzminister eine Fahrkarte für die Economyclass gekauft und sich gratis updaten lassen. Ungeheuerlich! Und heute - die Economyclass sieht aus wie die Businessclass. So soll es sein. Darauf stimmen wir die Internationale an:

Völker höret die Signale
auf zum letzten Gefecht
wir sitzen alle economy
und dort sitzt man nicht schlecht.”

“Freddy, bitte sei still. Wir sitzen doch in der Businessclass.”

Da erblasste der Kanzler und sagte:

“Das habe ich nicht gewusst. Diesen Flug fliegen wir noch zu Ende. Aber wenn das an die Öffentlichkeit dringt, zahle ich gnadenlos den Aufpreis und sage, dass Sie mich, Genossin Stewardess, gezwungen haben hier zu sitzen.”

Kunst braucht Strom!

Kakanien Januar 17th, 2008

Wissen Sie, was ein Visualist ist? Oder eine Visualistin?

Ich sage es Ihnen: die machen Kunst.

Auch wenn niemand genau weiß, was Kunst ist, wimmelt es heutzutage von Künstlerinnen und Künstlern, dass einem Außenstehenden wie mir ganz schwindlig wird.

Kaum gibt es ein neues technisches Gerät, schon gibt es dazu passend die Kunst.

Okay, das Handy wird noch nicht als Kunstgerät verwendet, wenn man davon absieht, dass in Finnland ein bekannter Wettbewerb darin besteht, ein Handy möglichst weit nach hinten zu werfen. Das klingt eher nach Sport, obwohl es noch keine olympische Disziplin ist. Zwar wirft Nokia in Deutschland gerade einige Tausend seiner ArbeiterInnen raus, aber auch das genügt nicht, um olympiareif zu werden.

Zurück zur Kunst.
Oder dem, was der Kunstbetrieb als solche definiert.

Visuals sind Dinge, die heute jeder Kunstbegeisterte hat. Zumindest, wenn er/sie das Wort schon mal gehört hat.

Weil ich nicht zu jenen gehöre, habe ich mir im Radio (auf meinem Liebelingssender Ö1) erklären lassen, worum es sich handelt.

In aller Kürze:
Wenn ein Mensch mit einem Computer und jeder Menge Software zu einer Veranstaltung geht und dort alles macht, was Gerät und Programme hergeben - und das ist ganz schön viel! - , das Ganze mit einer Filmkamera (neudeutsch: Camcorder) verbinden, einen Projektor (neudeutsch: Beamer) dranhängen und das alles auf eine Leinwand projizieren, während sie tolle programmierte Effekte einsetzen, dann ist das eine Kunst, die Visuals heißt.

Visualisten sind um einige Geräte erweiterte DJs, könnte man vereinfacht sagen. Und schon die kamen mir irgendwie komisch vor: wenn es Kunst ist, einen Plattenspieler in einem bestimmten Rhythmus hin- und herzubewegen, dann ist es auch eine Kunst, einen schönen Tisch herzustellen.

Womit nichts gegen Tischler gesagt werden soll. Eher gegen DJs. Zumindest, wenn sie sich gegenüber dem Tischler erheben wollen.

Ehrlich gesagt finde ich den Begriff Kunst, wie er derzeit angewandt wird, ziemlich doof. Das ist kein kakanischer Ausdruck, aber er kommt rein klanglich gut an das ran, was unter dem Sammelsurium “Kunst” subsummiert wird.

Alsda sind Galerien, die ihre Objekte als “Aktien” für den Sammler verkaufen.
Alsda sind Veranstaltungen wie “Starmania”, wo junge Menschen als KünstlerInnen verkauft werden.
Alsda sind Auktionen und Versteigerungen, in denen Produkte von Menschen zu Preisen verkauft werden, die jene Zeit ihres Lebens nicht bekommen haben.
Alsda sind geschickte “Künstler”, die sich so gut im Kunstbetrieb verkaufen, dass sie selbst nicht einmal merken, dass sie keine Künstler sind.

Und nun also die Visualisten, die Werbeträger der AKW-Lobby.

Ohne Strom würde sich ihre “Kunst” in der Leere des Alls auflösen - nehmt ihnen die Steckdosen weg und ihre Kunst befindet sich im Nirwana der Stromindustrie.

Aber darum geht es nicht: schließlich kann jedes technische Gerät zu allem benutzt werden. Die Videokamera für eine Dokumentation, für eine Nachrichtensendung des ORF, für ein “Visual” oder für ein Geburtstagsvideo.

Was davon ist Kunst?

Über eine Antwort würden sich viele freuen!

Lesen!

Kakanien Januar 8th, 2008

Nein, ich will heute nicht über Politik schreiben. Es reicht, wenn unser Finanzminister, der im Nebenberuf Vizekanzler ist und Molterer heißt, als einen Minihöhepunkt seiner politischen Arbeit Ball spielt. Also nicht er ist der Ball, sondern er spielt den Ball kokett seiner Ministerfreundin KKKKdolsky zu.
Die darf laut lachen. Und hat damit den Kern des Pudels “Politik” für alle verständlich erläutert.

Nein, heute nichts von Politik, besser: Parteipolitik.
Deren Vertreterinnen und Vertreter sindUrsache fürunsere Verdrossenheit.
Es gibt keine Politikverdrossenheit, sagte der Politiologe Filzmaier vor kurzem, nur eine Politikerverdrossenheit.

Ja, ich habe wieder mal ein Buch gelesen. Es bleibt einem vor lauter Verdrossenheit kaum Zeit fürs Nachdenken. Aber ich habe den Schweinehund in mir eins auf den Kopf gegeben und mir etwas in ihn.

Das Buch heißt “Haus, Friedens, Bruch” und die Schriftstellerin Margit Schreiner.

“Vielleicht ist es ja das eigentliche Ziel der Literatur, die Literatur aufzulösen.”
Ach, dächten doch auch Politiker … nein, ich habe versprochen, nichts zu diesen Untoten zu sagen.

“Haus, Friedens, Bruch” ist eine Wohltat.

Kein wehleidiges Jammern über die Welt und kein Verschweigen dessen, was weh tut.

Keine unverständlichen Wortgirlanden für Kritiker und Germanisten und keine Banalitäten.

Keine Kunst um der Kunst willen und ein Kunstwerk.

“Weil irgendwann haben die Deutschen und die Österreicher entdeckt, dass Schriftsteller anderer Länder weitaus witzigere und unterhaltsamere Bücher schreiben, und da haben sie sich gedacht: Heben wir die Trennung zwischen U und E auf und schreiben wir auch witzige und unterhaltsame Bücher. Nur: Das gelingt halt nicht immer. Was dem Engländer möglicherweise im Kolonialblut liegt, muss dem Deutschen noch immer nicht unbedingt aus der Blockwartmentalität herausspringen.”

Margit Schreiner ist wahrscheinlich gar keine Österreicherin, auch wenn sie in Linz geboren ist.
Man kann auch dort Engländerin werden.
Ganz ohne Kolonialismus.

Wer das Buch nicht gleich kaufen will, kann sich auf der Website von Margit Schreiner umsehen:
www.margitschreiner.com

Viel Vergnügen beim Lesen!

Es lebe die Anarchie!

Kakanien Januar 5th, 2008

Wer hätte das gedacht!

War ein Anarchist vor wenigen Jahren noch das Schreckgespenst aller Parteien, hat sich nun das Blatt gewendet:
alle Regierungsparteien haben sich dem Programm der Anarchie verschrieben. Bloß die hilflose Opposition beharrt stur darauf, dass Gesetze einzuhalten sind.

Liebe Opposition, gib endlich aus!

Österreich hat den am höchsten Zustand des Staates erreicht - es hält ihn für überflüssig. Woran die EU noch scheitert, in unserer Heimat ist jener Punkt erreicht, an dem demokratisch gewählte Menschen anderen Gesetze verordnen, die niemand einhalten muss.

Gut, das ist noch nicht der Idealzustand - in dem nämlich kein Gesetz erlassen wird, aber dieses striktest einzuhalten ist - , aber immerhin, das Paradies ist in Sichtweite!

Der Haider aus dem Süden hat es jahrelang vorgemacht , wie man als Politiker eine Verfassung, auf die man den Eid geschworen hat, nicht beachtet.

Nun folgen die Landesfürsten aus Niederösterreich, Salzburg und Burgenland.

Mal geht es um ein Gesetz bezüglich Pflegehilfe, das alle “solidarisch” beschließen, um es kurz darauf nicht zu vollziehen, dann will das Burgenland partout Militär an einer Grenze patroullieren lassen, die per Gesetz nicht mehr existiert.

Mal verstellt man eine Ortstafel um ein paar Meter, damit sie nicht zweisprachig beschrieben werden muss, dann verkleinert man den slowenischen Schriftzug so, dass diese Bevölkerungsgruppe sich zurecht verarscht, pardon: verunglimpft fühlen muss.

Mal beschließt der Nationalrat, dass alle Kammern in die Verfassung kommen, mal verlängert er die eigene Arbeitsperiode von vier auf fünf Jahre. Damit produktiver gearbeitet wird, sagen die Politiker und müssen die Hand vor den Mund halten, um nicht laut loszuprusten.

Mit anderen Worten:
Es lebe die Anarchie!

Und, liebe Christgenossen und Mariagenossinnen:
alles Gute für 2008!