Archiv für Februar, 2008

Weizenbaum, Joseph

Kakanien Februar 28th, 2008

Warum ich Gebühren für den ORF bezahle wird mir leider nur klar, wenn ich Ö1 höre. Der Rest des Programms gehört großteils entsorgt, aber bitte, immerhin: Ö1.

Dort war ein “Menschenbild” - so heißt eine Reihe - mit und über Joseph Weizenbaum. Der Mann ist mittlerweile über 80 Jahre alt, war ein Computerpionier und hat, weil er die Materie besser kennt als die meisten, viele Bücher über den Unfug geschrieben, der sich als Fortschritt tarnt: e-learning, e-commerce und was noch alles unter e’s so läuft. Viel Lärm um nichts, außer der Tatsache, dass diese Computer in all ihren Formen die Gesellschaft auch zerstören.

Darüber schreibt und spricht Joseph Weizenbaum.

Nich resignativ, nicht pessimistisch, bloß realistisch. Und das gibt so viel Anlass zur Hoffnung wie die Atomkraftwerke, die plötzlich wieder auferstehen. Gefährlich sind sie beide geblieben. Bloß bei Computern wird die Sachlage noch öfter verkannt als bei Atomkraftwerken.

Computer - als Hilfsmittel wunderbare Gegenstände, die mir beispielsweise das Schreiben und Veröffentlichen erleichtern - werden nach wie vor als Wundermittel ohne Nebenwirkungen angepriesen.

Nur die Benutzer sind anderer Meinung. Sie kämpfen sich durch immer neue Programmversionen und sind damit beschäftigt, die richtigen Tasten zu finden. Ob “Timemanagement” oder “Singletreff” - der Computer verspricht die Lösung aller Probleme. Und ist nur ein neues, das weder unsere Einsamkeit noch unser Zeitproblem löst. Dafür sind wir mit ihm beschäftigt, das scheint seine hervorragendste Qualität zu sein.

Ob 100 $ Notebook für die 3. Welt, ob schnellerer Ablauf der Bürokratie, ob Lernen und Lehren: der Computer ist die Lösung.

Nicht wirklich, aber zumindest virtuell. Um ein gebräuchliches Wort aus der EDV zu gebrauchen.

Die realen Probleme bleiben:
Wie lösen wir die Arbeitsplatzprobleme?
Wie den Hunger in der 3. Welt?
Die Armut in der 1. Welt?
Und wie sieht es in der 2. Welt aus?

Wenn Computer alles können, wozu braucht es uns Menschen?

Es gibt Computerexperten, die über eine “bessere Welt” ohne Menschen nachdenken.

Joseph Weizenbaum gehört glücklicherweise nicht dazu.

Deutschland kein Vorbild

Kakanien Februar 23rd, 2008

Zumindest keines im Bereich der Steuerfahndung, antwortete der österreichische Finanzminister auf die Frage, ob er ebenfalls eine CD mit Hinweisen auf Steuerflüchtlinge gekauft hätte.

Steigerung der Produktivität à la Deutschland ja, Steuerhinterziehung konsequent verfolgen nein.

Vielleicht hat Herr Molterer - so der Name des Ministers und Vizekanzlers - dabei verschmitzt gelächelt und mit einem Auge geblinzelt. Unter dem Motto: liebe Steuerhinterzieher, bei uns wäre euch das nicht passiert. Aber es war nur ein Radiointerview, daher konnte man das nicht sehen.

Und als die EU Österreich - mit Liechtenstein und der Schweiz - als Steueroase bezeichnete, da war der Herr Finanzminister fast empört. Nein, eine Steueroase ist dieses Land nicht.

Recht hat er. Das bestätigt ein Blick auf meinen Gehaltszettel.

Ich bin eben keine Stiftung. Und Steuern hinterziehe ich auch keine. Kein Wunder, dass meine steigende Produktivität zu nichts führt.

Alle gegen alle!

Kakanien Februar 22nd, 2008

Sind “die da oben” nun völlig durchgedreht?

Während Österreichs Bevölkerung sich Sorgen macht um Bildung, Kindergartenplätze, Einkommen, Grundstückspreise und Inflation - um nur einige wenige Probleme zu nennen - , tobt die politische “Elite” und wirft mit Schlammbatzen um sich.

Die ÖVP spricht vom Frust eines ihr nahestehenden Menschen, der - aus welchen Gründen auch immer - schlicht und einfach behauptet, die Wahrheit zu sagen. Schon das eine Ungeheuerlichkeit in den Augen der österreichischen Konservativen. Dazu kommt, dass dieser Mensch sich moralisch verpflichtet fühlte, diese Wahrheit öffentlich zu sagen!

Alles was schlecht und noch schlechter ist: aber das passt nicht in das konservative Weltbild hiesiger Kleinpolitiker. Wahrheit ja, aber nur zu Hause. Also innerhalb der Parteizone. Wo kämen wir hin, wenn jeder die Wahrheit sagt!

Konservativ heißt bei ihnen nicht Achtung von Werten, sondern konservieren der Lügen. Jedes Volk hat angeblich jene Regierung, die es verdient. Aber das ist zu viel der Übel - so schlimm ist das Volk nicht. Nicht einmal ich.

Geschichte nix gut!

Kakanien Februar 22nd, 2008

Am 12. Februar demonstrierten die JUSOS, eine weitgehend unbekannte Gruppe junger Menschen, die glaubt, dass die SPÖ eine sozialdemokratische Partei ist.

Sie erinnerte daran, dass im ÖVP-Parlamentsklub nach wie vor ein Foto von Engelbert Dollfuß hängt. Der war Gründer des Ständestaates Österreich - einer netten, kleinen Diktatur a la Mussolini - und verantwortlich für die Ermordung österreichischer Arbeiter.

So weit, so schlecht. Nun könnte man annehmen, dass mehr als 70 Jahre nach dem österreichischen Bürgerkrieg eine Demokratie es aushält, an diese Zeit erinnert zu werden.

Dem ist nicht so. Eine ÖVP-Gemeinderätin zeigte die Demonstration an, worauf die Polizei die Kundgebung auflöste.

„Das ist doch niveaulos!“ findet die Gemeinderätin, womit sie nicht die Auflösung der Demo meinte. „Wenn das das politische Klima sein soll, dann müssen sie damit rechnen, dass wir uns auch anders verhalten.“

Anders? Wie ist das gemeint? A la Dollfuß? Das wollen wir nicht hoffen, selbst wenn allmählich immer klarer wird, was eine Journalistin vor einigen Tagen sagte: „Die österreichische Politik ist schon sehr balkanesisch.“

Intern in Tirol

Kakanien Februar 21st, 2008

Seit einigen Wochen weiß der alphabetisierte Teil Österreichs, dass es im Innenministerium ein BIA gibt. Nein, nicht eine Pia - so heißt höchstens eine Sekretärin - , sondern ein BIA, das “Büro für interne Angelegenheiten”.

Ein Büro im Büro, damit sich das eine Büro nicht einsam fühlt. Aber kontrolliert! Denn das BIA kontrolliert das Ministerium, das vom Minister geführt wird. Der ist gleichzeitig Chef des BIA.

Eine vornehme österreichische Lösung, bei der kein Skandal jemals entdeckt wird. Wer wird schon seinem Chef sagen, dass er kein guter Chef ist? Eben. Kein Wunder, dass den Beamten fad wurde und sie in Tirol ermittelten. Wie es dazu kam, weiß kein Mensch - oder will es bloß nicht sagen. Jedenfalls bestätigte das BIA, dass unser Tiroler Landeshauptmann den Joschka Fischer “Schwein” genannt hat (Standard online vom 16.2.).

Das kann nicht stimmen, entgegnet sogar Herr Dinkhauser, denn in Tirol heißt es “Sau” und nicht “Schwein”.

So schlüssig und klug hat noch niemand gesprochen - dieser Mann sollte Politiker werden. Leider ist er schon einer und tritt bei den nächsten Wahlen als Reserve-ÖVP an, damit sich an den politischen Verhältnissen im Land nichts ändert.

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