Archiv für Februar, 2008

Der Meister kehrt zurück!

Kakanien Februar 11th, 2008

Lange haben wir ihn vermisst, den abgetretenen König Wolfi den Ersten. Am Freitag kehrte er in der ZiB 2 auf die Bildschirme, die einst seine Welt bedeuteten, zurück. Und zeigte sich in großartiger Form.

Armin Wolf stellte eine Frage, und der Meister der Weitschweifigkeit begann zu antworten. Zuerst teilte er sein Mitgefühl für die Hinterbliebenen eines Unglücks mit. Die Miene staatsmännisch wie eh und je, der Inhalt weit entfernt von der Frage. Daraufhin folgte eine Erklärung, um die niemand gebeten hatte und ich sprte schon, wie mein sonst von Schlafstörungen geplagter Freund neben mir so tief atmete, dass ihn nur mehr Sekunden vom Tiefschlaf trennten.

Ich trat ihn kurz gegen sein Schienbein, damit er die nächsten zehn Minuten wach bleiben würde. Vielleicht konnte er auf diese Weise die Antwort hören.

Vorläufig hörte er seine Majestät, das Traummännlein nur daruf hinweisen, dass der Journalist ihn ausreden lassen solle, schließlich müsse er die Frage in seiner ganzen Breite ausloten und in ihrer Tiefe erkennen, damit er sie in seinem ganzen Quader (Breite mal Tiefe mal Länge) beantworten könne.  Der Journalist schwieg betreten, wahrscheinlich wurde er jäh an seine Schulzeit erinnert und fürchtete eine Eintragung ins Klassenbuch.

Es ging eigentlich um eine Banalität. Der höchste Beamte des Bundeskriminalamts (ÖVP) warf seinen Ministern (ÖVP) vor, dass sie die Ermittlungen im Fall Kampusch verzögert hätten. Naja, und angeblich sollten auch Informationen über den BAWAG-Skandal (SPÖ)  zuerst an die ÖVP-Zentrale gemeldet werden, schließlich war Wahlkampf.

Keine wichtige Sache also, wer vertraut schon Politikern? Und wegen diese Lappalie musste seine Hoheit, der ehemalige Bundeskanzler, zu diesem lästigen Journalisten ins Studio. Kein Wunder, dass er sich wiederholtes Fragen strengstens verbat. Journalisten sollen zuhören und mitschreiben, nicht diskutieren.

Mit dieser traditionellen Methode gelang es dem Ex mühelos, die Sendezeit zu verlängern und den Journalisten zornesblass zurückzulassen. Ein Lehrstück für künftige Politikergenerationen!

Und die Schlafforschung! Mein Freund schnarchte nämlich trotz meines Trittes bereits nach ungefähr sechs Sätzen des Politikers. Das hat bisher kein Medikament geschafft.

Wie muss es da erst der Demokratie gehen?

Der Hexamter

Kakanien Februar 10th, 2008

Die österreichische Medienlandschaft gehört biologisch bekanntlich zu den Monokulturen. Kein entwickeltes Land der Welt hat eine derart geringe Quantität an Tageszeitungen, von Wochenzeitungen wollen wir gar nicht reden. Die Qualität hält mit der Quantität Schritt und so kommt es, dass Kronenzeitung, Österreich und Co den Bildungsstandard festlegen.

In den Bundesländern gibt es ergänzendes Papier, das Tag für Tag mit schwarzen Buchstaben bedruckt wird und Wunderlichkeiten kundtut. In Tirol vor wenigen Tagen die Existenz des Hexamter. Damit meint der “Journalist” ein Versmaß, das Hexameter heißt und ein klassisches Versmaß ist.  Homer dichtete seine “Ilias” im Rhythmus unbetont-betont-unbetont-unbetont. Darum wird der Hexameter auch auf der zweiten Silbe betont.

Mein Lateinlehrer erlitt beinahe einen Herzinfarkt, als ein Mitschüler den Hexameter als Hexameter betonte. Mein Lateinlehrer ist glücklicherweise schon gestorben, andernfalls wäre er beim Lesen der Überschrift in der Tiroler Tageszeitung gestorben:
“Die Poesie der ‘Odyssee’ fängt Kurt Steinmann in seiner Hexamter-Übersetzung ein.”

Hotel halten!

Kakanien Februar 3rd, 2008

So lautet der Tagesbefehl für die österreichischen Soldaten im Tschad, die sich derzeit im Keller eines Luxushotels aufhalten. Schreibt die Kronenzeitung und dann stimmt es auf jeden Fall. Jedenfalls bleiben diese Räumlichkeiten vorderhand das Aktionsgebiet und dürfen keineswegs verlassen werden. Außerhalb des Kellers sei es etwas unruhig, aber innerhalb habe man alles unter Kontrolle.

Der Verteidigungsminister sagt ebenfalls, dass keine Gefahr droht, denn wenn eine drohen würde, riefe er die Soldaten sofort zurück. Ein Soldat in Gefahr ist für Herrn Darabos eine unmögliche Vorstellung, schließlich war er einstens Zivildiener.

Der militärische Befehlshaber der Truppen im Tschad meinte zwar, dass den Befehl zum Rückzug nicht der österreichische Verteidigungsminister geben kann, aber da kennt er die österreichische Entschlossenheit nicht: wo wir eine Gefahr wittern, sind wir auch schon dahin. Selbst die sonst so tapferen Männer von BZÖ und FPÖ sind für einen Rückzug.

Na dann!

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