Archiv für März, 2008

Kakanien März 28th, 2008

Eigentlich mag ich ihn, den Kabarettisten Alfred Dorfer. Ein handwerklicher Perfektionist, der seine Texte gleich lautend in Graz und Wien und Innsbruck spricht und dabei wirkt, als sei ihm alles gerade eingefallen.

Die Pointen sind witzig und intelligent, manchmal unterhalb der Schamgrenze, gerade so weit, dass sie nicht peinlich sind. Und doch.

Ja, was war das eigentlich, das mich bei der letzten Vorstellung allmählich müde werden ließ? Es waren kaum Wiederholungen aus dem letzten Programm, es gab keine Hänger, keine falschen Töne, keine - genau, es gab auch keine Meinung. Ein Kabarett für alle Meinungen, abgesehen von der Minderheit rechts draußen. Aber die sind ohnehin keine Zielgruppe als Kabarettbesucher, weil sie selbst eine Lächerlichkeit sind.

Alfred Dorfer kam mir unpolitischer als Karl Farkas vor und raunzig wie der alte Staberl in der Kronenzeitung: die Politiker sind alle pfui und wir können nix machen, außer sie zum Teufel wünschen.

Ist das nicht ein seltsames Kabarett, das jegliche Politik als Schmutz und Schund feiert? Und was folgt aus dieser Meinung, die zu nichts eine hat?

Was mich damals komisch berührte, bestätigte sich in der Kolumne von Alfred Dorfer in der Zeit.  (27. März 2008)

Dort findet er eine Rede von Frau Glawischnig unmöglich und fürchtet, dass sie im Frühling zu einem letzten Mittel greifen könnte:
“Sie tritt … im Hohen Haus wieder bauchfrei in Erscheinung.”

Hahaha, da lacht der Stammtisch aus vollem Herzen - oder dem, was darunter liegt. Denn der Alfred Dorfer sagt’s allen rein, sogar den Frauen. Zumindest den grünen.

Jetzt liegt der Scherz nahe, dass der Kabarettist nicht zufällig Dorfer heißt, sondern deshalb, weil er so provinziell ist. Sonst würde er ja Städter heißen.

Aber diesen niveaulosen Witz unterlasse ich selbstverständlich!

Die Wahrheit über die Koalition

Kakanien März 23rd, 2008

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist nicht zu glauben, aber Kakanien konnte die Wahrheit über unsere Regierung, die wunderbare Koalition von sozialen und christlichen Demokraten ausfindig machen!

Entgegen den Gerüchten, dass die Regierung nichts weiterbringt, weil sie in allen Inhalten entgegengesetzte Standpunkte vertritt, gelang es unserem Reporter, die Wahrheit zu fotografieren.

Oberhalb unseres Parlaments hat Bundeskanzler Gusi mit seinem Vize, dem Pater Willi, ein Haus errichten lassen, in dem permanent nachgedacht wird. Dort wird über die Einführung der Gesamtschule, eine Steuersenkung und andere revolutionäre Dinge beraten. Und bald tut sich was in unserer Heimat!

Zum Beweis das Foto, das mehr sagt als 1.000 Worte und niemals nicht lügt:

Geheime Kommandozentrale

Wir gehen guten Zeiten entgegen!

Wahlen in Tirol

Kakanien März 22nd, 2008

Nachdem der Landeshäuptling von Niederösterreich mit Unterstützung von Manfred Deix und anderen Künstlern so erfolgreich zum demokratischen Fürsten gewählt worden ist, hat der Tiroler Politadel beschlossen, sich ebenfalls dem Volk zu stellen.
Es wird gewählt - und zwar gleichzeitig mit dem Ankick zur Fußball-EM. Der Ball ist rund und die Politik kugelt im Abseits dahin, warum also nicht das Hysterische mit dem Ratlosen verbinden? Auswahl gibt es ohnehin keine, also frischauf zur Wahl!
Die ÖVP schickt nicht nur den Landeshauptmann ins Rennen, sondern zusätzlich ein Parteimitglied namens Dinkhauser. Der Mann tarnt sich als Opposition gegen die eigene Partei, wird von der aber nicht ausgeschlossen. Nach der Wahl darf er ein bisserl poltern und schäumen, aber als ÖVP-Mitglied wird er natürlich mit der ÖVP stimmen.
Die Grünen sind brav und tauchen nur ab und zu in der Gestalt des widerspenstigen jungen Gebi Mair aus der Versenkung auf.
FPÖ und BZÖ werden gegen Minarette, Moscheen und Minderheiten protestieren, aber irgendwie glauben nur mehr völlig Ahnungslose wie einstens der Herr Westenthaler an die Geschichte von Halbmonden statt Gipfelkreuzen. Sie erinnern sich?
In diesem Sinn: alles bleibt, wie es ist. Nur schlimmer.
Hoppla, beinahe hätte ich auf eine Partei namens SPÖ vergessen. Ja, es gibt sie, auch wenn niemand sie in der letzten Regierungsperiode bemerkt hat. Erwähnt werden soll sie, immerhin steht sie auf dem Stimmzettel dieser Wahl ohne Qual.

Be Berlin! Oder so

Kakanien März 12th, 2008

Nein, nicht “bäh! Berlin”, sondern “be” im  Sinne von “bi” und damit eine Anspielung auf die vielfältige Sexualität der Stadt. Dort ist man alles, auch bi.

Wichtig ist die Betonung. Im Werbefilm (”image spot”) sprechen zwei Japanerinnen vom Sein des kleinen Bären, indem sie “bi bärli” ins Mikrofon flüstern. Andere bringen die Wörter fast ins Bibbern: “bibberlin”. Und ob es “Börlin” oder “Bärlin” heißt, ist den meisten erst klar, wenn jemand es ihnen vorspricht.

Das macht nichts, denn alles ist Absicht. Berlin ist international und der Bürgermeister findet den Spruch ebenso, weil man ihn nicht nur in Deutschland versteht. Das meint er hoffentlich ironisch, denn erstens verstehen 40 Prozent der Deutschen kein Englisch und zweitens sprechen viel, viel mehr Leute chinesisch.

Aber darum geht es nicht: Hauptsache ist, dass man sich artig der amerikanischen Kultur unterwirft.

Vor einigen Jahrzehnten sagte ein gewisser JFK im Westteil der Stadt noch “Ich bin ein Berliner” (deutsch gesprochen!),  um westliche Solidarität mit Deutschland in Worten zu zeigen.

Heute biedern sich Werbefachleute und Bürgermeister von ihrer Heimat aus mit amerikanischem Denglisch der “weiten Welt” an.

Warum nicht gleich “Beep Berlin”? Würde den Inhalt der Werbekampagne ordentlich aufpeppen!

Sozialistischer Sieg!

Kakanien März 10th, 2008

Keine Sorge, das passierte nicht in Österreich, sondern in Spanien. Dort nennt sich eine Partei noch immer “sozialistisch”, während Österreich nur mehr eine sozialdemokratische Partei hat.

Die stellt - man merkt es kaum - den Bundeskanzler und unter seiner Führung ging man in die Landtagswahlen von Niederösterreich.

Für Auswärtige sei angemerkt: Österreich hat neun Bundesländer, das entspricht in etwa den Kantönlis in der Schweiz, allerdings ohne deren Demokratieverständnis. In den Bundesländern gibt es eine Art “Parlament”, das nicht so wichtig ist, weil über allen und allem thront der gewählte Landeshauptmann. Hier klingt unsere militärische Tradition an, die wir - zum Glück für alle Völker - nur selten praktisch umsetzen.

Jedenfalls siegte der konservative Kandidat mit 54 Prozent, legte also noch zu und die Partei des Kanzlers sank auf 25 Prozent. Die Partei des Bundeskanzlers hat also weniger als die Hälfte der Stimmen des Juniorpartners ÖVP.

Ein Wunder? Nein. Schließlich siegte die SPÖ in den letzten beiden Jahren andauernd. Da gab es keinen Bundeskanzler Gusenbauer.

Jetzt haben sie ihn. Und die Niederlagen.

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