Archiv für April, 2008

Landeshauptmann neu

Kakanien April 17th, 2008

Der österreichische Innenminister Platter arbeitet beharrlich an seiner Rückkehr nach Tirol.

Besser gesagt: an seinem Rücktritt als Minister. Er will dem Untersuchungsausschuss des Parlaments, also unserer gewählter Vertreter, so wenig Unterlagen wie möglich geben. Er sei für den Datenschutz.

Ausgerechnet er, der am liebsten überall Videokameras anbringen würde, setzt sich für Datenschutz ein. Ein kurioses Unterfangen.

Ursache ist natürlich etwas Anderes:
der Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit Unregelmäßigkeiten in jenem Ministerium, das seit Jahren von der ÖVP geführt wird. Da ist zum Beispiel von Postenschacher und internen Mitteilungen an die ÖVP-Zentrale die Rede. Das muss geschützt werden!

Ein Minister dieser Denkart scheint er, laut einer Untersuchung der Tiroler Bezirksblätter, als Tiroler Landeshauptmann noch besser qualifiziert zu sein als der derzeitige van Staa.

Hoffentlich ein Irrtum des Meinungsforschungsinstitutes!

Rechts siegt!

Kakanien April 16th, 2008

Recht verliert.

Italien hat seinen reichsten Mann zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, obwohl er mehrerer Delikte angeklat war, die mit Recht nichts zu tun haben.

Der Senior ist ganz der Alte geblieben und musste über die Frage eines Journalisten herzlich lachen. Was der Herr Silvio davon halte, dass in Spanien mehr Frauen als Männer in der Regierung seien.

Das hat sich der Spanier selbst eingebrockt, grinste der neue Premier. Er sei gespannt, wie der die Frauen in Schach halten wird.

So viel zum Weltbild jenes Mannes, den die Mehrheit der Italiener (und wohl auch Italienerinnen) gewählt hat. Im Süden gibt es offensichtlich viele, die einen echte Macho schätzen. Vor allem, weil er viel Geld hat. Mit dem kann er das Volk erlösen.

Glaubt die Mehrheit des Volkes.
Es bekommt jene Regierung, die es verdient.

Italien wählt

Kakanien April 14th, 2008

Aber wen? Das ist bis heute Abend die große Frage.
Den reichsten Alten der Republik?
Oder den “Jungen”, der knapp über 50 ist?

Und wie viele wählen jene Partei, die sich “Rechts” nennt und das ganz ernst ist. Eine, die sich zur Wahl stellt, ist gar stolz darauf, eine Faschistin zu sein. Ihr ist die Enkelin von Mussolini zu progressiv, weil sie sich “mit Antifaschisten” herumtreibt.

Die “Dame” heißt Daniela Santachè und nennt Gianfranco Fini einen “blutleeren Weichling mit samtenen Hoden”.

So gesehen ist unser Peter Westenthaler ein höflicher Mann und Linksradikaler.

Irgendwie ist Italien nicht mehr das, was es einmal war. Wahrscheinlich haben wir allerdings nur das angenehme Klima mit unseren Illusionen multipliziert und geglaubt, das würde sich politisch decken.

EU: ja, bitte!

Kakanien April 10th, 2008

Ich gestehe:
ich war ein Gegner des EU-Beitritts.

Seit unsere Regierungen von Wahljahr zu Wahljahr ein niedrigeres Niveau erreichen bin ich glücklich, dass wir nicht mehr ausschließlich in der Hand dieser geistigen Tiefflieger sind.

Beispiel des Tages - nein, nicht des Jahres, nicht einmal des Monats oder der Woche - gefällig?

Frau Ministerin Kdolsky sagte Sonntag in der Pressestunde, dass sie kleine Fingerabdrücke und vielleicht noch ein paar “biometrische Daten” nett fände. Heute hat man sie bloß falsch verstanden, weil irgendwie ist das doch ein bisserl ein Eingriff in die Privatsphäre.

Privatsphäre?
Das Wort kennt der oberste Schütze des Landes, Herr Platter, gar nicht. Zugriff auf den privaten Computer in der Wohnung, auf dem neben dem Tagebuch auch ein paar private Fotos oder der Briefverkehr mit enem geliebten Menschen steht: kein Problem! Das schaun wir uns an, aber wir sagen es niemandem weiter.

Aber geh! Bitte sich bei dem Verleiher des “Big Brother Award” zu erkundigen, was die Beamten des Inneren so tun, wenn sie Menschen am Karlsplatz beobachten. (Die Sendung ist vom ORF produziert worden, einem Sender, dem anarchistische Tendenzen so unheimlich sind wie Herrn Platter Asylwerber.)

Dort wurde davon berichtet, dass den Polizisten, wenn ihnen langweilig ist - und das ist oft der Fall - vor allem junge Frauen per Videokamera nachspioniert wurde. Klar, die sind verdächtig, besonders für Männer.

Das kuriose Land

Kakanien April 1st, 2008

Nein, nicht das weite Land von Arthur Schnitzler, sondern die österreichische Wirklichkeit: von der soll wieder einmal die Rede sein.

Herr Fischler, ehemaliger EU-Kommissar und daher zu weitsichtig für Teile dieses Landes, fordert Herrn Schüssel - der war einmal Bundeskanzler hier - zum Rücktritt auf. Nicht als Bundeskanzler, das ist schon längst geschehen, sondern als Vor- besser: Rückreiter der ÖVP.  Das teilte er der Tiroler Tageszeitung mit, die hier als Avantgarde des Konservativismus agiert. (Siehe TT.)

Da bekamen es einige mit der Angst zu tun und warfen sich sofort für die Vergangenheit ins Zeug: ungeheuerlich oder so, das darf nicht sein, weil mit dem Kanzler, also dem Klubobmann, geht’s fröhlich vorwärts in die Vergangenheit und dort kennt man sich aus. Stimmenführend logischerweise Herr Platter, aber auch der “Neue”, Herr Pater Willi Molterer, durfte nicht fehlen.

Da passt die Nachricht des Standards gut, dass Herr Westenthalte, ehemals FPÖ, nun BZÖ, sich wegen falscher Zeugenaussage vor Gericht verantworten muss. Der Herr Intschenör hat sich angeblich dafür ausgesprochen, einen ehemaligen Freund - und dann Gegner - Mores zu lehren. Sitten also. Sitten im Sinne der FPÖ, pardon: des BZÖ.

Im Unterschied zu zahlreichen anderen Augenzeugen, die sich mehr oder weniger deutlich an einen Tumult oder zumindest an eine lebhafte Diskussion zwischen Westenthaler und Pöchinger rund um den Parteiaustritt von Gastinger erinnern konnten, für den der BZÖ-Chef offenbar ihren Sprecher mitverantwortlich machte, hatte Westenthaler unter Wahrheitspflicht zu Protokoll gegeben, ihm sei “nichts aufgefallen von Tumulten, Schlägereien”. Er habe “einen sehr, sehr fröhlichen Abend verbracht”.  (Zitat Standard)

Freund (oder Feind?) Pöchinger hatte jedenfalls ein paar Schrammen abgekriegt, die natürlich nicht - NICHTS! - mit Herrn Westenthaler zu tun haben. Sagt er.

Mit der Aussage des Staatsanwalts:
“Wie es bei Wirtshausraufereien so üblich ist, gibt es Zeugen, die relativ dumm daher lügen. Die werden noch von der Staatsanwaltschaft hören.”
ist natürlich nicht Herr Westenthaler gemeint.

Er bleibt ein österreichischer Politiker mit Anstand!

In diesem Sinn:
vielleicht sollte man über Österreich nur mehr unter dem Punkt “Demokratische Entwicklungsländer” berichten.