Archiv für Juli, 2008

Kabarettist als keifender Keppler

Kakanien Juli 24th, 2008

Seltsam, seltsam, dass in Österreich sogar Satiriker dem “Herrn Karl” Helmut Qualtingers ähnlicher sind als etwa dem Sir Karl Popper. So auch Alfred Dorfer, den ich bis vor kurzem als kritischen Denker eingeschätzt habe.

Leider war das eine bloße Schätzung, denn nachdem Herr Alfred (die Namensgleichheit mit Kanzler Gusenbauer ist vielleicht kein Zufall) vor einigen Wochen über die Nabelfreiheit einer grünen Politikerin berichtet hatte, kamen mir Zweifel.
Ist Kleidung von Frauen noch immer ein Gradmesser für politische Inhalte?
Zumindest bei Frauen?
Und sollten Satiriker nicht zumindest ein paar Meter über den Horizont eines Gartenzwergs hinausgehen?

In der Zeit vom 17. Juli 2008 bestätigt der österreichische Kabarettist, dass es auch anders geht und er in erster Linie kleinkariert ist: fest hinhauen, am besten unter die Gürtellinie, wenn’s geht mit falschen Inhalten.

Der Herr Alfred machte sich in einem Artikel darüber lustig, dass die Grünen kostenlosen öffentlichen Verkehr fordern. [Immerhin unterließ er den Hinweis auf sexuelle Schäden, die dadurch entstehen könnten. Aber er findet die Forderung lächerlich, sie sei eines Don Quijote würdig.]

Hätte der lustige Kerl sich informiert, im Radio oder im Internet etwa, wäre ihm aufgefallen, dass die Forderung von E-Control-Chef Walter Boltz erhoben wurde, weil derzeit schon 70 Prozent der Kosten von Steuern, also uns allen, getragen werden.

Und ein “Grüner” wie Martin Bartenstein findet die Idee im Wirtschaftsblatt interessant.
Übrigens will auch Herr Westenthaler Öffis gratis, aber das ist für den satirischen Schlaumeier wohl nur ein weiterer Beweis für die Lächerlichkeit der grünen Forderung.

Und so keift sich der Herr Alfred Woche für Woche durch die Zeit, die ansonsten eine tolle Zeitung ist.
Schade, dass der Österreichbeitrag typisch österreichisch ist.

Italien verstehen

Kakanien Juli 22nd, 2008

Seit acht Jahren, seit Beginn dieses Jahrtausends, beschäftigte sich Kakanien überwiegend mit Österreich, einem Land, das als Reinkarnation von Karl Valentin (leider ein Ausländer, aber irgendwie doch Österreicher) gelten kann.

Nun, da Österreich den Weg Irlands beschreiten will, ist es Zeit, sich der Minderheit Europa anzunehmen.
Zeit, nicht nur nach Norden, zu den seltsamen Bayern zu blicken, sondern auch nach Süden.

Dort lebt das Volk der Italiener und das ist mindestens so kakanisch wie Österreich.
Schon vor einigen Jahren kam es manchem seltsam vor, dass die EU über Österreich den “Stab brach”, während in Italien ein seltsamer Mensch namens Berlusconi regierte.
Das soll keine Entschuldigung für die christliche Partei Österreichs, die sich “Volkspartei” nennt und mit einem Politiker koalierte (Haider ist sein Name), der sich nur an Gesetze hielt, die seinem Geschichtsverständnis entsprachen.
[Aus diesem Grund gibt es bis heute keine zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten. Schließlich soll hier “deitsch” gesprochen werden. Natürlich in der Kärntner Form, die a bißale von da uaspringlichen obwaicht.]

Es soll hier auf die Verhältnismäßigkeit hingewiesen werden: in Österreich ein kleiner Landesfürst, der ein Bundesland namens Kärnten mit einigen Tausenden Menschen in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Chaos führt, dort ein Ministerpräsident, der das Gleiche mit einigen Millionen macht.

Zugegeben, ein rein quantitativer Unterschied - aber erweitert um einen qualitativen.
Im schönen Süden - von dem Goethe nur in Metaphern sprach (”Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?”) - geht es nämlich noch weniger zivilisiert zu als in Österreich.

Das mag unwahrscheinlich klingen, aber es entspricht der Wahrheit.
Wo sonst in Europa ist es “demokratische” Wirklichkeit, dass ein Politiker über die Medien herrscht?

Wo sonst in Europa werden Staatsanwälte und Richter als rote Terroristen beschimpft?
Wo sonst in Europa regiert ein Premierminister, der mehrfach angeklagt wurde und die Gesetze so ändern ließ, dass er nicht mehr verurteilt werden konnte?
Wo sonst sitzen 70 Parlamentarier, die vorbestraft sind?

Wer dieses wunderbare Land kennen lernen will, möge den erhellenden Artikel von Petra Reski in der Zeit lesen.

Selten wurde in wenigen Sätzen so genau beschrieben, warum dieses Land in aller Schönheit stirbt.

Oder ist auch das nur ein Wunschgedanke?
Nein, nicht dass dieses Land sterben sollte.
Aber dass in dieser Form ist es untragbar für alle Menschen, die an Demokratie und Gerechtigkeit glauben.

Oder ist die Idee der Demokratie längst tot?
Wer sich im alten Kakanien (= Österreich und seine alten Nachbarn wie Bayern) und im Süden umsieht, könnte das glauben.

Wer hätte je gedacht, dass Spanien - so lange ist der Diktator Franco nicht tot - als Vorreiter der Demokratie und Trennung zwischen reaktionärer katholischer Kirche und Staat gelten kann?
Ich nicht.
Ich wurde eines Besseren belehrt.

Oder bin ich bloß ein Unbelehrbarer, weil Demokratie iin manchen Staaten zu einem Werkzeug für Diktatoren wird?

Sommerspiele in Österreich

Kakanien Juli 16th, 2008

Der Sommer 2008 steht im Zeichen der Politik, denn entgegen der Aussage unseres Noch-Bundeskanzlers, dass die Abgeordneten nach 16 Uhr nicht arbeiten, sind unsere Politikerinnen und Politiker sogar sommeraktiv.

Die neue Innenministerin Fekter schlug vor, das Alter von Häftlingen radikal zu senken. Sie möchte 13-jährige Rechtsbrecher einbuchten.
Ein wunderbarer Vorschlag, der die Bauindustrie freuen wird! Schließlich soll es eigene Haftanstalten für die kriminellen Kleinen geben. Nur Böswillige vermuten, dass die Frau Ministerin dabei an die familieneigenen Schotterwerke dachte. So viel Überblick ist den derzeitigen Politikern nicht zuzutrauen.

Nun gilt es, diese Idee ins Geniale zu erweitern.
Warum auf halbem Weg aufhören?
Gibt es nicht bereits in der Volksschule unbelehrbare Kinder?

Selbst im Kinergarten wird angeblich mit Spielzeug rumgeworfen und gemobbt, dass einem der Schnuller trocken bleibt. Da wird von entrissenen Windeln berichtet und besonders kriminelle Kleinkinder knallen mit Spritzpistolen um sich.

Warum nicht mutig das Alter für solche niederträchtigen Verbrechen auf Null senken? Schließlich braucht es für die Kleinsten auch nur kleine Gefängnisse, was auch im Sinne des Sparauftrages des Finanzministers wäre.

Und - dagegen wird es wieder irgendwelche Stimmen von Protestlern geben, aber das muss in Kauf genommen werden - warum nicht endlich die pränatale Videoüberwachung für Recht und Ordnung einsetzen?

Schon im Mutterbauch kann es zu kriminellen Handlungen kommen, die im Keim erstickt werden müssen. Ballt das Embryo die Faust? Onaniert es womöglich? Alles Tatbestände, die nicht länger im Dunkeln des mütterlichen Bauches bleiben dürfen.

Deshalb ein Dankeschön an die Frau Fekter - sie ist eine würdige Nachfolgerin des Herrn Platter!

Großartig!

Kakanien Juli 14th, 2008

Ein anderes Wort wäre glatte Untertreibung. Was die neue Innenministerin der staunenden Journalistin Marie Zimmermann sagt, haute selbst den stärksten Österreicher um.

Sie werde sich alles genau anschauen, meinte sie in etwa und dann erst handeln.

Österreichische Politik in Reinkultur, wobei sie darauf vergaß, dass es niemals zum Handeln kommen wird. Das ist unsere Stärke und deshalb gewinnen wir niemals ein Fußballspiel.

Wie es komme, dass der Leiter des BKA, also des Bundeskriminalamtes, nach einer Woche schon seinen Dienst beendet? Also nach sieben Tage Dienst bereits Ex-Leiter sei?

[Er wechselt nämlich zur Frau Innenministerin und gibt dort den Amtsdirektor. Eine Woche vorher hat er noch hoch und heilig versprochen, nicht in die Politik zu gehen.]

Das war denn doch eine zu direkte Frage und so holte Frau Ministerin aus, dass einem glatt die Äuglein zufielen. Wer das Ende der vielen Sätze ohne Beistrich und Inhalt erlebt hat, weiß jedenfalls, dass dieser Ex-BKA-Mann der beste ist in der Ministerin Hände.

Was immer das bedeutet, eines ist sicher: der Mann kommt zwar demnächst vor den Untersuchungsausschuss des Parlaments, weil er in diverse Protektionismen verstrickt sein soll, aber den erwischen sie bei keiner Lüge.

Das schwöre ich, so wahr ich Leiter des BKA bin!

Ach, damit’s niemand vergisst:
die neue Innenministerin heißt Fekter und war vorher Volksanwältin.

Zum Ausgleich ist die frühere Bildungssprecherin - ja, sowas hat auch die ÖVP! - nun Volksanwältin.

Und der frühere Innenminister ist, obwohl ihn niemand gewählt hat, nun Landeshauptmann von Tirol. Das liegt daran, dass in der ÖVP alle so kompetent und gut sind, dass sie praktisch alles können. Meinte der jetzige Landeshauptmann sinngemäß. Wahrscheinlich wird er demnächst zum Landeskaiser gewählt.

Genau: im September 2008 sind wieder Wahlen, weil sich niemand mehr auskennt. Das wird nachher nicht anders sein, aber Wahlen klingen irgendwie … demokratisch.

Es reicht!

Kakanien Juli 8th, 2008

Da hat er recht, der Herr Vizekanzler, als er gestern auf gut neudeutsch Neuwahlen „as soon as possible“ verkündete.

Ich fürchte, er hat nicht wirklich verstanden, was den Wählerinnen und Wählern reicht. Denn Neuwahlen werden nichts Neues bringen außer einen tollen Gewinn für die FPÖ.

Dann wird die Suche nach Koalitionen beginnen und die Bonsaireform im Bildungswesen wieder in der Versenkung verschwinden. Das ist zumindest zu befürchten. Auf anderen Gebieten hat sich sowieso nichts getan außer der Fortführung der alten ÖVP-Politik.

Von dieser Politik haben alle genug, bloß noch nicht die nötige Konsequenz gezogen, nämlich diese ÖVP abzuwählen. Vor allem weil die Alternative, die SPÖ, seit Regierungsantritt eine Lachnummer gibt, die auf keiner Dorfbühne Erfolg hätte.

Die Grünen bleiben die einzige bürgerliche Konkurrenz mit einem Programm, das letztlich sozialdemokratisch und christlich geprägt ist. Leider sind sie im Erscheinungsbild eher grau als grün, auch wenn der Großteil der Bevölkerung sie für links hält, was jedenfalls falsch ist. Außer man hält Sachlichkeit schon für links.

FPÖ und BZÖ bleiben die alten Populisten, die gegen Islam und Ausländer hetzen oder niedrigere Benzinpreise verlangen. Als würden sich BP oder Shell an Petitionen halten. Und wer eine Senkung der Steuern verlangt, muss – außer er lügt bewusst – auch sagen, dass dann soziale Einrichtungen wie Schulen, Spitäler, öffentlicher Verkehr etc. reduziert werden müssen.

Das europäische Modell der „sozialen Marktwirtschaft“ bringt allen etwas. Missstände sollten verhindert werden. Eine simple Verringerung der Steuern aber tut das nicht. Auch wenn es vordergründig gut klingt. Politik ist nämlich kompliziert, wie das ein anderer Kurzzeitkanzler der SPÖ einmal klug gesagt hat. Und das haben die Populisten entweder nicht verstanden oder sie benutzen die Vereinfachung als Karotte vor dem Stimmenvolk.

Letzteres ist meistens der Fall.

Und zur Demokratie in Österreich ist es noch ein weiter Weg.

PS: Broukal tritt übrigens als Wissenschaftssprecher zurück – er wollte sich einen Rest an Selbstachtung bewahren, nachdem die SPÖ nicht einmal die Chance nützte, mit (vorhandener) Mehrheit die Studiengebühren abzuschaffen.
Das wäre nach dem offiziellen Ende der großen Koalition möglich gewesen. Die SPÖ-Spitzen empfanden das anscheinend „unanständig“. Und das nach dem anbiedernden „Leserbrief“ von Gusenbauer und Faymann an die Krone. Wahrscheinlich finden sie das anständiger als im demokratisch gewählten Parlament abstimmen zu lassen.

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