Archiv für Juli, 2008

Standard? Nein danke!

Kakanien Juli 6th, 2008

Neulich das Angebot einer österreichischen rosa Zeitung bekommen, sie für vier Wochen kostenlos zu lesen. Sie heißt Standard und gehört angeblich der Süddeutschen Zeitung. Zumindest teilweise.

Ob die in München wissen, was die hier in Österreich schreiben? Oder halten sie sich an Kurt Tucholsky, der schon im vorigen Jahrhundert wusste, dass die hier - gemeint ist Österreich - keine Zeitung schreiben können?

Habe dem Gratisangebot zugestimmt und bekomme nun täglich eine gehobene Tageszeitung, fast schon eine Qualitätszeitung. Gehoben ist relativ und im Angesicht der Kronen Zeitung nicht allzu schwer. Leider messen sich die Macherinnen und Macher nicht an ihrem Eigentümer sondern an der Kronen Zeitung, was den Inhalt anlangt. Bei der Form, also den Wörtern hinken sie der Massenzeitung hinterher.

Am 5. Juli 2008 war ein Text über die „üblen Folgen“ unverständlicher Sätze zu lesen, gleich neben der Kolumne „personal moves“. Nein, das ist kein englischsprachiger Teil der Zeitung, es gehört schlicht und einfach (easy and simple sozusagen) zum guten rosa Ton, denglisch zu sprechen.

Zurück zum Artikel über die unverständliche Sprache der Chefs. Die heißen im Text „Chief Executive Officer“, also CEO – es sind schlichte Geschäftsführer, aber warum einen Artikel zum Thema Verständlichkeit verständlich schreiben?

Genau. Schließlich fordern der Innsbrucker „Linguistiker Menz“ (Sprachforscher wäre schon wieder viel zu einfach für eine Qualitätszeitung) und der „Managementprofessor Stahl“ einen Kampf gegen „Worthülsen“.

A propos Hülsen: an welcher Universität ist der Mann Professor? Das stand leider nicht im Text, aber wir wollen nicht kleinlich sein – irgendwo ist er sicher Professor, schlimmstenfalls an einer österreichischen Mittelschule à la AHS oder BHS, dort sind schließlich alle Lehrenden Professoren und –innen.

Aber jetzt auf in den Kampf gegen die Worthülsen! Am besten mit „Relevanzmanagement“. Damit könne man hervorragend „die Fehler des ballistischen Entscheidens eliminieren“. Denn durch ihre unverständliche Sprache berauben sich Manager laut Stahl & Menz „einer riesigen Chance mit einer sehr attraktiven Input-Output-Ratio“.

Wer hätte das gedacht?
Bisher hätten die Menschen „noch ein überwiegend Sender-zentriertes Kommunikationsmodell statt eines Empfänger-zentrierten“. Daher sollte man „Metaphern wohlüberlegt und konsistent verwenden und diese nicht an Hypes anlehnen.“ Schließlich ist es wichtig, Sprache als „Ressource zu betrachten“.

Gö, do schaugst, sagt der Bayer zu solch tiefsinniger Erkenntnis. Zusätzlich sind die beiden Forscher noch „interprofessionell“ einig, dass eine immer größere Beliebigkeit stattfindet. So entstehe ein „immer enger werdender Brei“.

Dem kann ich nach der Lektüre aufrichtig zustimmen, auch wenn ich beim Kochen noch nie einen enger werdenden Brei erlebt habe. Aber ich bin nur ein einfacher Mensch, der gerne der Aussage des Herrn Menz zustimmt:

„In der Ambiguität liege eine Chance, Neues entstehen zu lassen, geht er gegen die irrige Annahme aus, das Allheilmittel für jeden Fall sei spielraumlose Klarheit: Sprache ist auch vage, das ist auch eine Chance.“

Sage ich auch immer, wenn mich niemand verstehen soll. Und überhaupt, warum steht ein solcher Text in einer Zeitung statt im Mistkübel zu landen?

„Die beiden halten gemeinsam Vorlesungen und sind so etwas wie „early adaptors“ eines Trends in Österreich: Unternehmen beginnen sich in der Tiefe die Frage zu stellen, warum ihre Stakeholderkommunikation nach innen und nach außen oft nicht so klappt.“

Tja, in der Tiefe der Frage ist leicht versinken, vor allem wenn der Brei immer enger wird.

Und wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, glauben es handle sich bei den Zitaten um Satire, dann kaufen Sie den Standard vom 5. Juli 2008.

Dabei habe ich die Ausgabe noch gar nicht fertig gelesen – es muss nicht immer Wirtschaft sein, auch der Kulturteil ist immer für furi- und kuriose Formulierungen gut.

Darüber ein andermal – natürlich können Sie auch selbst Beispiele schicken. Kakanien freut sich über immer mehr Konsistenz in der One-Way-Kommunikation der CEOs und alternative communities. Oder so.

[Alle grammatikalischen Fehler der unter Anführungszeichen zitierten Stellen © by standard]

Vorbild Österreich?

Kakanien Juli 3rd, 2008

Wenn Österreich als Vorreiter für die Entwicklung des alten Europas gelten kann, dann kann man nur sagen: “Verkauft’s mei Gwaund, i fohr in Himme!” (Verkauft meine Kleidung, ich gehe ins Paradies ein. Übersetzung vom Autor.)

Bekanntlich hat sich die “Sozialdemokratische” Partei Österreichs von ihren Grundsätzen seit langem entfernt. In den letzten Tagen deutlicher als sonst, indem ihre Anführer - selbstverständlich ohne Parteibeschlüsse, man lebt in der Monarchie -  einen Brief an das Medienmonopol Kronen Zeitung schrieben.

Darin krochen sie vor einer Boulevardzeitung zu Kreuze, die in den letzten Wochen gegen die EU (und immer wieder gegen Ausländer) hetzte. Weil man im Gegensatz zum italienischen Premier Berlusconi keine Medien hat,  muss man sich einem greisen Eigentümer unterwerfen.

Die SPÖ werde in Zukunft - so heißt komischerweise auch eine Zeitschrift für Intellektuelle in der SPÖ, die aus Mangel an entsprechenden Menschen kaum gelesen wird - Volksabstimmungen zum Thema EU verlangen.

Lob für die “Aktion” des Kanzlers und seines Nachfolgers gibt es aus Polen und Tschechien, jenen Ländern, die wie Österreich am meisten von der EU profitiert haben und nun, nach Erhalt der Gaben, nichts vom Geschenk wissen wollen.

“Raus aus der EU” lautet die logische Folgerung. Zurück zum Schilling, zu den teuren Milchprodukten, zu Grenzbalken und den “Gastarbeitern”. Die werden sich hüten, hierher zu kommen und gleich weiter wandern. Vor allem, wenn sie gebildet sind.
Es ist ihnen nicht zu verdenken. Schon jetzt - also NOCH in der EU - wurde und wird ihnen das Leben nicht leicht gemacht.

Vorwärts, nicht vergessen!
Beim Hungern und beim Essen,
die ….
die ….
die ….

Da war doch noch ein Wort?
Egal. Nicht so wichtig.

Der Herr Karl lebe hoch!

Balkanien

Kakanien Juli 2nd, 2008

Nein, nicht Balkonien, Balkanien. Österreich wird demnächst in Balkanien umgewidmet werden, obwohl das beinahe eine Beleidigung des Ostens ist. Was sich im kleinen Alpenland abspielt, kann sich höchstens noch Berlusconi vorstellen.
Eine Zusammenfassung gefällig?

Beispiel 1:
Kanzler und zukünftiger Kanzler-Nachfolger schreiben gemeinsam einen Brief an das Zeitungsmonopol Kronen Zeitung. Sie versichern dem Herausgeber, einem Medienkaiser in fortgeschrittenem Alter (ca. 90), dass sie seine Kampagne gegen die EU zur Kenntnis genommen haben und daher für eine Volksabstimmung in Sachen EU sind.
Der geistig helle Greis freut sich - die Demokratie weint.

Beispiel 2:
Im Grunde will der Medienmonarch das Beste für sein Volk. So sagt er und wir wollen ihm das glauben, denn Widerrede ist sinnlos. Drei Millionen Leserinnen und Leser sind oberflächlich gesehen ein gutes Argument.
Und so veröffentlichte er nach dem Brief der Doppelkanzler ein Gespräch mit der Außenministerin. Seiner Meinung nach sei diese im Inneren - im Herzen, dem Magen, Darm oder wo auch immer - gegen die EU. Das habe er in einem trauten Dialog von ihr erfahren. Gerade erst.

Gegenbeispiel 1:
Die angesprochene Außenministerin machte etwas Ungewohntes: sie widersprach. Dem Kaiser der Medien. Dem Mann Dichand (so heißt der Eigentümer der Kronen Zeitung).
Ungeheuerlich! Wenn nicht tapfer.
Und eine solche Eigenschaft wird in diesem Land, das die Unterwürfigkeit zu höchster Perfektion gebracht hat, nicht gern gesehen. Sie habe mit dem Herrn D. vor ungefähr einem Jahr gesprochen und er habe ihr ein unanständiges Angebot gemacht.
Nein, kein sexuelles, so umnachtet ist der Herr nicht.
Ein politisches. Sie könne die Regierung retten, wenn sie, die Außenministerin, für eine Volksabstimmung sei.
Frau Plassnik - und diesen Namen sollten sich alle merken - hat dieses Angebot abgelehnt.
Bravo!
Immerhin, es gibt Widerstandskämpfer.
Eine Widerstandskämpferin, genau gesagt. Das ist eine Seltenheit in diesem Land. Dabei muss Frau Plassnik gar nicht riskieren erschossen zu werden.
Wenn selbst das als mutige Tat gesehen werden muss, kann die Welt sich vorstellen, wie gut der Gedanke der Demokratie in Balkanien verankert ist.

Alte Politik mit neuen Gesichtern

Kakanien Juli 1st, 2008

Eines muss man dem neuen Landeshauptmann Güntha zugute halten: er hat bei Wolfi Schüssel brav gelernt. Mit Elan hat er alle Konkurrentinnen bei Amtsantritt entfernt, nur den Bauernchef Steixner musste er - klar, wir sind in Tirol - halten.

Frau Zanon, die sich vorlaut zu Wort gemeldet hat, wird abgeschoben. Nein, nicht in den Kosovo, so hart ist selbst der Noch-Innenminister nicht, aber immerhin weit weg vom Machtzentrum. Frau Zanon ist nämlich sachlich und intelligent, so ein Mensch kann gefährlich werden.

Frau Hosp, die Ziehtochter des vorigen Landeshäuptlings, will in die Privatwirtschaft. Das ist nicht schlecht, denn als Politikerin trat sie ohnehin kaum in Erscheinung.

Der Landesrat für Bildung, Herr Koler, verschwindet in der Versenkung, schließlich war auch er ein Gefolgsmann von Herrn Staa.

Bleiben wird, neben Herrn Steixner, “der Hannes”, aber flott. Ein schlechtes Wortspiel, aber warum soll Kakanien nicht auf das Niveau der Politik sinken? Die schaut in Tirol derzeit so aus, dass persönliche Freund- und Feindschaften gehegt und gepflegt werden. Für das Land ein Fiasko, für die (wenigen) Damen und vielen Herren eine wahr Freude!

Und die Wählerinnen und Wähler?
Bloße Nebenerscheinungen.

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