Westi vulgo Hojac

Kakanien August 2nd, 2008

Es wächst zusammen, was zusammen gehört, sagte ein deutscher Politiker einstens, als Westdeutschland den fremden Nachbarn Ostdeutschland schluckte. Damals waren sie noch nett zu einander und nannten das “Wiedervereinigung”.

Österreich war zwar niemals mit Italien vereint, wenn man von den Urlauben in Caorle & Co absieht, aber was der Berlusconi kann, schafft auch unser Intschenör, der Herr Westenthaler.

[Der Mann ist Vorsitzender oder sowas Ähnliches beim BZÖ, einer Partei, deren Namen niemand kennt, die aber von Kärntnern noch immer begeistert gewählt wird, weil der oberste Chef Jörgi Haider, ein echter Kärntner aus Oberösterreich, heißt.]

Jedenfalls hat der Herr Westenthaler, despektierlich auch Westentaschler genannt, weil er den Koffer vom Jörgi so brav getragen hat, ein wenig aufhorchen lassen, als er wegen falscher Zeugenaussage verurteilt wurde. Das Urteil sei von “roten Staatsanwälten” gefällt worden und ein Zeichen der staatlichen Verfolgung, der er seit Jahren ausgesetzt sei. Er berief auf der Stelle und deshalb ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Obwohl der Arme ständig verfolgt wird, ist er seit kurzem nicht mehr Spitzenkandidat des BZÖ. Hat natürlich nichts mit dem (Fehl)Urteil zu tun, sondern zeigt bloß von der ausgeklügelten Strategie des Jörgls, äh, natürlich des Vorsitzenden Westenthalers. Der Jörg hat nämlich gesagt, es gibt demnächst eine große Überraschung, was den Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl angeht.

Er, der Jörgi, kenne ihn, aber er sage niemandem, wie er heißt. Nicht einmal dem Westenthaler, der irgendwie Vorsitzender ist. So geht das halt zu in einer demokratischen Partei.

Und nun beginnt das große Rätselraten: wer ist der geheimnisvolle Unbekannte? Eine Frau ist es gewiss nicht, denn mit denen hat der Jörgi schon öfter Schiffbruch erlitten. Die Heide Schmidt hat eine eigene Partei gegründet, die Frau Gastinger ist vor der letzten Wahl aus der Partei ausgetreten, auf die Weiber ist kein Verlass, das weiß ein echter BZÖ-ler.

Hier weiß nicht einmal Kakanien mehr Rat und muss raten:
Ist es der Karli-Heinzi, weil er als Manager von Julius Meinl so erfolgos war?
Oder der Pepi Hickersberger, der die österreichische Nationalmannschaft bei der EM immerhin zur Teilnahme führte?

Oder heißt der Unbekannte schlicht und einfach Jörgi?

Alles ist möglich und nix ist fix.
By the way, wie wir Jungen sagen:

Wie wär’s mit Reinhard Fendrich?
Oder doch … nein, nicht! Hilfe!

Vorbild Bogotá

Kakanien August 1st, 2008

Heute einmal eine gute Nachricht aus einem Land der 3. Welt:
Die größten Probleme sind einfach zu lösen!

Das zeigte der Bürgermeister von Bogotá vor einem Jahrzehnt, als er die Luftverschmutzung kostengünstig verringerte.

Das Rezept: zu den Spitzenzeiten dürfen nur jene Autos gefahren werden, deren letzte Nummernziffer “gerade” ist, danach kommen die “ungeraden” dran.

Der Erfolg war durchschlagend! Später kamen eigene Spuren für Busse hinzu und autofreie Sonntage.

Kostet dem Staat nichts - und tut den Lungen aller gut.

So gut, dass auch Peking das Modell übernommen hat. Vorläufig nur bis zum Ende der Olympischen Spiele, aber immerhin.

Vor kurzem noch pinselten eifrige Funktionäre kahle Hänge mit grüner Farbe an, damit das Land “ökologisch” gesundete. Zumindest in den Augen der vorbeifahrenden Funtkionäre.

Und wie sieht das in der EU aus?
Na, liebe Leute, wär das nichts?
Endlich eine kluge Maßnahme, die nichts kostet und die Umwelt freut.
Oder sollen wir weiter hinter Bogotá und Peking hinterher hinken?

[Und ein Hinweis für den Tiroler Landeshauptmann, der seine Meinung zum Thema Steuerreform so schnell änderte wie sein Amt - statt plötzlich dafür zu sein, könnten Sie doch diese Nummernregelung in Tirol einführen. Ist viel billiger als die Sache mit der Steuer und erfordert von Ihnen nicht, den Kopf um 180 Grad zu drehen!]

Kabarettist als keifender Keppler

Kakanien Juli 24th, 2008

Seltsam, seltsam, dass in Österreich sogar Satiriker dem “Herrn Karl” Helmut Qualtingers ähnlicher sind als etwa dem Sir Karl Popper. So auch Alfred Dorfer, den ich bis vor kurzem als kritischen Denker eingeschätzt habe.

Leider war das eine bloße Schätzung, denn nachdem Herr Alfred (die Namensgleichheit mit Kanzler Gusenbauer ist vielleicht kein Zufall) vor einigen Wochen über die Nabelfreiheit einer grünen Politikerin berichtet hatte, kamen mir Zweifel.
Ist Kleidung von Frauen noch immer ein Gradmesser für politische Inhalte?
Zumindest bei Frauen?
Und sollten Satiriker nicht zumindest ein paar Meter über den Horizont eines Gartenzwergs hinausgehen?

In der Zeit vom 17. Juli 2008 bestätigt der österreichische Kabarettist, dass es auch anders geht und er in erster Linie kleinkariert ist: fest hinhauen, am besten unter die Gürtellinie, wenn’s geht mit falschen Inhalten.

Der Herr Alfred machte sich in einem Artikel darüber lustig, dass die Grünen kostenlosen öffentlichen Verkehr fordern. [Immerhin unterließ er den Hinweis auf sexuelle Schäden, die dadurch entstehen könnten. Aber er findet die Forderung lächerlich, sie sei eines Don Quijote würdig.]

Hätte der lustige Kerl sich informiert, im Radio oder im Internet etwa, wäre ihm aufgefallen, dass die Forderung von E-Control-Chef Walter Boltz erhoben wurde, weil derzeit schon 70 Prozent der Kosten von Steuern, also uns allen, getragen werden.

Und ein “Grüner” wie Martin Bartenstein findet die Idee im Wirtschaftsblatt interessant.
Übrigens will auch Herr Westenthaler Öffis gratis, aber das ist für den satirischen Schlaumeier wohl nur ein weiterer Beweis für die Lächerlichkeit der grünen Forderung.

Und so keift sich der Herr Alfred Woche für Woche durch die Zeit, die ansonsten eine tolle Zeitung ist.
Schade, dass der Österreichbeitrag typisch österreichisch ist.

Italien verstehen

Kakanien Juli 22nd, 2008

Seit acht Jahren, seit Beginn dieses Jahrtausends, beschäftigte sich Kakanien überwiegend mit Österreich, einem Land, das als Reinkarnation von Karl Valentin (leider ein Ausländer, aber irgendwie doch Österreicher) gelten kann.

Nun, da Österreich den Weg Irlands beschreiten will, ist es Zeit, sich der Minderheit Europa anzunehmen.
Zeit, nicht nur nach Norden, zu den seltsamen Bayern zu blicken, sondern auch nach Süden.

Dort lebt das Volk der Italiener und das ist mindestens so kakanisch wie Österreich.
Schon vor einigen Jahren kam es manchem seltsam vor, dass die EU über Österreich den “Stab brach”, während in Italien ein seltsamer Mensch namens Berlusconi regierte.
Das soll keine Entschuldigung für die christliche Partei Österreichs, die sich “Volkspartei” nennt und mit einem Politiker koalierte (Haider ist sein Name), der sich nur an Gesetze hielt, die seinem Geschichtsverständnis entsprachen.
[Aus diesem Grund gibt es bis heute keine zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten. Schließlich soll hier “deitsch” gesprochen werden. Natürlich in der Kärntner Form, die a bißale von da uaspringlichen obwaicht.]

Es soll hier auf die Verhältnismäßigkeit hingewiesen werden: in Österreich ein kleiner Landesfürst, der ein Bundesland namens Kärnten mit einigen Tausenden Menschen in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Chaos führt, dort ein Ministerpräsident, der das Gleiche mit einigen Millionen macht.

Zugegeben, ein rein quantitativer Unterschied - aber erweitert um einen qualitativen.
Im schönen Süden - von dem Goethe nur in Metaphern sprach (”Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?”) - geht es nämlich noch weniger zivilisiert zu als in Österreich.

Das mag unwahrscheinlich klingen, aber es entspricht der Wahrheit.
Wo sonst in Europa ist es “demokratische” Wirklichkeit, dass ein Politiker über die Medien herrscht?

Wo sonst in Europa werden Staatsanwälte und Richter als rote Terroristen beschimpft?
Wo sonst in Europa regiert ein Premierminister, der mehrfach angeklagt wurde und die Gesetze so ändern ließ, dass er nicht mehr verurteilt werden konnte?
Wo sonst sitzen 70 Parlamentarier, die vorbestraft sind?

Wer dieses wunderbare Land kennen lernen will, möge den erhellenden Artikel von Petra Reski in der Zeit lesen.

Selten wurde in wenigen Sätzen so genau beschrieben, warum dieses Land in aller Schönheit stirbt.

Oder ist auch das nur ein Wunschgedanke?
Nein, nicht dass dieses Land sterben sollte.
Aber dass in dieser Form ist es untragbar für alle Menschen, die an Demokratie und Gerechtigkeit glauben.

Oder ist die Idee der Demokratie längst tot?
Wer sich im alten Kakanien (= Österreich und seine alten Nachbarn wie Bayern) und im Süden umsieht, könnte das glauben.

Wer hätte je gedacht, dass Spanien - so lange ist der Diktator Franco nicht tot - als Vorreiter der Demokratie und Trennung zwischen reaktionärer katholischer Kirche und Staat gelten kann?
Ich nicht.
Ich wurde eines Besseren belehrt.

Oder bin ich bloß ein Unbelehrbarer, weil Demokratie iin manchen Staaten zu einem Werkzeug für Diktatoren wird?

Sommerspiele in Österreich

Kakanien Juli 16th, 2008

Der Sommer 2008 steht im Zeichen der Politik, denn entgegen der Aussage unseres Noch-Bundeskanzlers, dass die Abgeordneten nach 16 Uhr nicht arbeiten, sind unsere Politikerinnen und Politiker sogar sommeraktiv.

Die neue Innenministerin Fekter schlug vor, das Alter von Häftlingen radikal zu senken. Sie möchte 13-jährige Rechtsbrecher einbuchten.
Ein wunderbarer Vorschlag, der die Bauindustrie freuen wird! Schließlich soll es eigene Haftanstalten für die kriminellen Kleinen geben. Nur Böswillige vermuten, dass die Frau Ministerin dabei an die familieneigenen Schotterwerke dachte. So viel Überblick ist den derzeitigen Politikern nicht zuzutrauen.

Nun gilt es, diese Idee ins Geniale zu erweitern.
Warum auf halbem Weg aufhören?
Gibt es nicht bereits in der Volksschule unbelehrbare Kinder?

Selbst im Kinergarten wird angeblich mit Spielzeug rumgeworfen und gemobbt, dass einem der Schnuller trocken bleibt. Da wird von entrissenen Windeln berichtet und besonders kriminelle Kleinkinder knallen mit Spritzpistolen um sich.

Warum nicht mutig das Alter für solche niederträchtigen Verbrechen auf Null senken? Schließlich braucht es für die Kleinsten auch nur kleine Gefängnisse, was auch im Sinne des Sparauftrages des Finanzministers wäre.

Und - dagegen wird es wieder irgendwelche Stimmen von Protestlern geben, aber das muss in Kauf genommen werden - warum nicht endlich die pränatale Videoüberwachung für Recht und Ordnung einsetzen?

Schon im Mutterbauch kann es zu kriminellen Handlungen kommen, die im Keim erstickt werden müssen. Ballt das Embryo die Faust? Onaniert es womöglich? Alles Tatbestände, die nicht länger im Dunkeln des mütterlichen Bauches bleiben dürfen.

Deshalb ein Dankeschön an die Frau Fekter - sie ist eine würdige Nachfolgerin des Herrn Platter!

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